05.03.2020 20:38

Digital SlomadsDigitale Nomaden sind nun langsamer unterwegs

Arbeiten und um die Welt reisen: ein Traum. Doch Digitale Nomaden berichten von Überdruss. Die Lösung: länger an einem Ort bleiben.

von
G. Alvarez-Hummel
5.3.2020
Die eine Schlagzeile, die man oft über digitale Nomaden liest, lautet: Sie arbeiten, wo andere Ferien machen. Das mag wahr sein, aber mit dem Laptop am Strand liegen und ein wenig übers Internet Geld verdienen? So einfach ist es dann doch nicht.

Die eine Schlagzeile, die man oft über digitale Nomaden liest, lautet: Sie arbeiten, wo andere Ferien machen. Das mag wahr sein, aber mit dem Laptop am Strand liegen und ein wenig übers Internet Geld verdienen? So einfach ist es dann doch nicht.

unsplash.com
Ortsunabhängig zu leben und zu arbeiten, das klingt wie ein wahr gewordener Traum. Doch digitale Nomadinnen berichten vermehrt davon, wie anstrengend es sei, so viel unterwegs zu sein. Gerade frische Nomaden neigen dazu, sehr viel zu reisen. Das verträgt sich meist nicht mit der Arbeit, die erledigt werden sollte.

Ortsunabhängig zu leben und zu arbeiten, das klingt wie ein wahr gewordener Traum. Doch digitale Nomadinnen berichten vermehrt davon, wie anstrengend es sei, so viel unterwegs zu sein. Gerade frische Nomaden neigen dazu, sehr viel zu reisen. Das verträgt sich meist nicht mit der Arbeit, die erledigt werden sollte.

unsplash.com
Die meisten digitalen Nomadinnen arbeiten gleich viel wie nicht ortsunabhängige Selbstständige oder Angestellte. Das heisst: Wenn ihre Freizeit sich nur noch darum dreht, die nächste Unterkunft zu finden und sich ständig auf ein neues Umfeld einzulassen, dann wird das auf die Dauer zu viel.

Die meisten digitalen Nomadinnen arbeiten gleich viel wie nicht ortsunabhängige Selbstständige oder Angestellte. Das heisst: Wenn ihre Freizeit sich nur noch darum dreht, die nächste Unterkunft zu finden und sich ständig auf ein neues Umfeld einzulassen, dann wird das auf die Dauer zu viel.

unsplash.com

Das böse Teufelchen, das einem auf der Schulter hockt, reibt sich ein wenig die Händchen, wenn es von überdrüssigen digitalen Nomaden hört: Hab ich mir doch gleich gedacht, dass dieses digitale Nomadentum nicht nachhaltig sein kann! Reisen und gleichzeitig arbeiten, das geht doch nicht.

Die Sehnsucht nach ortsunabhängigem Arbeiten

Dass es geht, beweisen immer mehr digitale Nomadinnen weltweit. Sie sind Freelancer, Selbstständige und Angestellte, die ortsunabhängig arbeiten und meist nicht mehr dazu brauchen als einen funktionierenden Laptop und eine Internetverbindung. Digitales Nomadentum ist ein Trend, eine Sehnsucht vieler junger Leute nach Freiheit und Unabhängigkeit. Die Coworking-Spaces in Bali und Thailand sind voll, Cafés in den grossen Städten der Welt beherbergen täglich Zigtausende von arbeitenden Nomadinnen.

Nun, da die Nomaden-Welle seit vielleicht fünf Jahren stark anwächst, werden die ersten Stimmen des Überdrusses hörbar — nämlich von jenen, die bereits seit ein paar Jahren unterwegs sind. Sie berichten davon, ausgelaugt zu sein, neue Orte nicht mehr richtig wertschätzen zu können, und von gelegentlich gefühlter Einsamkeit. Kein Wunder, wenn man ständig unterwegs ist.

Langsam unterwegs

Viele der langjährigen Nomadinnen sind dazu übergegangen, mehr Struktur in ihr ortsunabhängiges Leben zu bringen. Die dadurch neu eröffnete Schublade heisst: Digital Slomads. Sie sind digitale Nomaden, die zwar durchaus unterwegs sind, aber bloss noch ganz langsam und ausgewählt. Sie reisen nicht mehr alle paar Wochen weiter, sondern vielleicht noch einmal pro Quartal. Eine Nomadin in einer einschlägigen Facebook-Gruppe berichtet: «Ich wechsle nur noch das Land, wenn mein Visum ausläuft.» Andere suchen sich Housesitting-Möglichkeiten und bleiben so lange, wie das Haus frei ist. Das, oder sie richten sich an einem Lieblingsort ein Zuhause ein, eine sogenannte Homebase, in die sie regelmässig zurückkehren und die sie bei Abwesenheit vermieten.

So können Digital Slomads all die Dinge tun, die ortsgebundene Menschen auch tun, und dabei die Nachteile des digitalen Nomadentums umgehen: ein Fitnessabo anschaffen, sich mit der Nachbarschaft bekannt machen, Freundinnen finden, ein Lieblingscafé aussuchen, Kurse absolvieren, eine Kultur richtig kennenlernen. Hinzu kommt, dass Langzeitmieten (auch auf Airbnb) im Schnitt sehr viel günstiger sind, als wenn man bloss ein paar Tage oder Wochen bleibt.

Gut für die Umwelt

Einen weiteren grossen Vorteil birgt das langsame Unterwegssein ausserdem: Es ist umweltfreundlicher. In Zeiten der Klimakrise sollte jeder darüber nachdenken, seine Flugreisen zu reduzieren. Weniger ist in diesem Fall mehr. Digitale Nomadinnen haben zudem die Freiheit, ihr Büro stets im Rucksack mit sich herumzutragen. Das heisst, sie können auch problemlos längere Zug- oder Busreisen auf sich nehmen, um die nächste Destination aufzusuchen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.