Dignitas-Arzt in Deutschland verpfiffen
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Dignitas-Arzt in Deutschland verpfiffen

Ein Arzt von Dignitas' deutscher Ablegerin Dignitate muss in Bayern mit polizeilichen Sanktionen rechnen. Er hätte einer Sterbewilligen den Freitod in der Schweiz organisieren sollen, doch ein Nachbar hat ihn verraten.

In der heutigen Ausgabe berichtet die Gratiszeitung «.ch», dass ein gewisser Uwe-Christian Arnold verhaftet worden sei. Es handelt sich dabei um die jüngste Falsch-Meldung von einer bayrischen Provinz-Posse, die durch die Aktivitäten der Schweizer Sterbehilfe-Organisation Dignitas ausgelöst worden ist.

«Sie war unentschlossen»

Uwe-Christian Arnold, Urologe mit Praxis in Berlin, ist gleichzeitig auch Vize-Vorsteher des deutschen Dignitas-Ablegers Dignitate. Arnold hätte sich um die Erledigung der Formalitäten und die Reise der sterbewilligen Rentnerin Renate N. in die Schweiz kümmern sollen. Jedenfalls sagte er das auf Anfrage von 20minuten.ch. Es habe jedoch keinen Sinn gemacht, die Frau zu besuchen. «Ich hatte schon im August Kontakt mit Renate M. und sie war und blieb bis heute unentschlossen», sagt Arnold. «Ich habe die Frau überhaupt nicht zu besuchen versucht und ich bin auch gar nicht verhaftet worden. Das ist doch Quatsch», kommentiert Arnold die Medienberichte in der Schweiz.

Nachbar als Whistleblower?

Auch wenn er sich nicht in Polizeigewahrsam befindet, wird Arnold keine Gelegenheit mehr erhalten, Renate M. zum Freitod zu verhelfen. Schuld daran sei der Nachbar von Renate M., ist Arnold überzeugt. Dieser habe bei der Polizei gemeldet, dass ein Arzt mit tödlichen Medikamenten Renate M. besuchen wolle. «Wir haben einen Hinweis aus dem nahen Umfeld von Frau M. erhalten», bestätigt Herbert Horak, Abteilungsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung des zuständigen Landratsamtes Rottal-Inn gegenüber 20minuten.ch.

Seelsorge von ganz oben

Die Obrigkeit handelte sofort. Landrätin Bruni Mayer persönlich sprach mehrmals bei Renate M. vor, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Gleichzeitig erliess Sicherheits-Chef Horak ein Rayonverbot für Arnold. Er darf sich nun Renate M. nicht mehr als 200 Meter nähern. Die örtlichen Medien stürzten sich auf den Fall («Die verlorene Freiheit der Renate M.») und beglückwünschen sich und den Landkreis zur Rettung von Renate M. und deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Auf Leben und Tod

Uwe-Christian Arnold regt sich zwar über den Bannkreis, der gegen ihn ausgesprochen worden ist, auf. Als schlimmer aber taxiert er die Falschmeldungen der Polizei, des Landratsamtes und der Medien, er habe die Frau in Deutschland in den Freitod begleiten wollen: «Das machen wir nicht. Aber die bayrische Obrigkeit hat wohl Angst, nicht mehr über Leben und Tod ihrer Bürger entscheiden zu können.»

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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