Dignitas: Sterben im Wohnmobil

Aktualisiert

Dignitas: Sterben im Wohnmobil

Nach Stäfa und Maur verbietet jetzt auch Schwerzenbach der Sterbehilfe-Organisation ihre Tätigkeit. Dignitas erwägt nun offenbar Suizidbegleitungen in einem Wohnmobil durchzuführen. Dignitas-Anwalt Peter Hofer sieht keine rechtlichen Hindernisse.

Nach wie vor ist unklar, wo die Sterbehilfeorganisation Dignitas in Zukunft Menschen in den Tod begleiten wird. Nach dem Aus der Sterbewohnungen in Zürich, Stäfa und Maur und nach einer höchst umstrittenen Sterbebegleitung in einem Winterthurer Hotel (20minuten.ch berichtete), erwägt Dignitas nun offenbar Suizidbegleitungen in einem Wohnmobil.

«Wichtig ist der Standort des Wohnmobils»

«Gemäss geltendem Recht kann jeder Mensch selbst bestimmen, wo und wann er in den Tod begleitet werden möchte», erklärt Peter Hofer. Daher ist es prinzipiell auch möglich, in einem Wohnmobil eine Sterbebegleitung durchzuführen. Ob es diesbezüglich konkrete Pläne bei Dignitas gibt, entzieht sich jedoch seiner Kenntnis.

«Wichtig wäre der Standort des Wohnwagens», präzisiert der Rechtsanwalt weiter. Es gehe vor allem um mögliche störende Immissionen. Würde das Wohnmobil in einer Gewerbezone stehen, wäre eine Sterbebegleitung problemlos möglich. Aber auch eine Wohnzone käme als Standort in Frage, denn «Sterbehilfe verursacht keine störenden Immissionen», ist Peter Hofer überzeugt.

Es muss geklärt werden, was stört und was nicht

In Stäfa und Maur ist man diesbezüglich anderer Ansicht und hat von Dignitas eine Baubewilligung wegen Nutzungsänderung für die Sterbewohnungen in den jeweiligen Gemeinden gefordert. Dabei gilt unter anderem zu klären, ob bei der Sterbebegleitung «störende Immissionen» vorliegen oder nicht.

Dignitas hat ihrerseits einen Rekurs gegen die geforderten Baubewilligungen bei der Baurechtskommission des Kantons Zürich eingereicht. «Es wurde noch nie gerichtlich entschieden, ob derartige Immissionen störend sind oder nicht. Mit unserem Rekurs wollen wir dies nun klären.»

Dignitas: Wohnung im Grünen gesucht?

Es bleibt unter den gegebenen Umständen die Frage, weshalb Dignitas sich nicht in einer Liegenschaft einmietet, die etwas abseits vom Rummel oder ausserhalb von Wohn- und Stadtgebieten liegt. «Ja, es wäre natürlich super, wenn jemand eine solche Wohnung an Dignitas vermieten würde», findet auch Peter Hofer. Bislang sei das allerdings nicht der Fall gewesen. Ludwig A. Minelli, Gründer von Dignitas und einzige Person, die auf diese Frage eine abschliessende Antwort geben könnte, war auch heute für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Tina Fassbind, 20minuten.ch

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