Dignitas will nicht ausziehen
Aktualisiert

Dignitas will nicht ausziehen

59 Menschen hat Dignitas in Schwerzenbach bisher in den Tod begleitet. Trotz Kündigung will die Organisation die Räume nicht verlassen.

von
Marco Lüssi

Die umstrittene Organisation Dignitas führt seit Oktober 2007 im Industriegebiet von Schwerzenbach Sterbebegleitungen durch – die Särge können dort im Warenlift bequem transportiert werden. Die Verwaltung des Gewerbezentrums Ifang, neben dem sich auch der grösste Sex-Club der Schweiz befindet, hatte Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli bereitwillig Asyl geboten, womit er seine Odyssee mit Sterbewilligen durch Hotels beenden konnte.

Als im März aber bekannt wurde, dass Dignitas neuerdings die umstrittene Sterbehilfemethode mit Helium anwendet, reagierte die Verwaltung: Sie kündigte Dignitas den Mietvertrag per Ende April. Das will Minelli nicht akzeptieren: Er hat Mieterstreckung um 24 Monate beantragt, so der «Anzeiger von Uster». Am nächsten Montag wird die Sache vor der Mietschlichtungsbehörde verhandelt.

Trotz der Kündigung nutzt Dignitas die Räume weiter intensiv: «Es gibt wöchentlich mehrere Sterbebegleitungen», bestätigt Karl Rütsche, Gemeindeschreiber von Schwerzenbach. Bis gestern fanden in der Gemeinde 59 Menschen mit Hilfe von Dignitas den Tod. Jedoch nicht mehr durch Helium: Dignitas verwende wieder Natrium-Pentobarbital und halte sich an die kantonsärztlichen Auflagen, so die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft auf Anfrage.

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