Aktualisiert 20.08.2013 15:24

Ägypten auf Twitter«Diktator freilassen, aber Präsident einsperren»

Täglich neue Gewalt, die politische Zukunft in der Schwebe, eine Bevölkerung in der Schockstarre. Wer soll Ägypten verstehen? Zehn Erklärungsversuche kluger Köpfe auf Twitter.

von
kri

«Ist das dein Ernst, Naher Osten? Einen diktatorischen Präsidenten freilassen, aber einen demokratisch gewählten Präsidenten einsperren? Ähmmm...Was zum Teufel?», schreibt die Bloggerin Summer Nasser über die bevorstehende Freilassung Hosni Mubaraks und die andauernde Inhaftierung Mohammed Mursis.

«Sehr seltsam, dass die USA ihre Wirtschaftshilfe an Ägypten einstellen, die Militärhilfe aber beibehalten. Das heisst Washington bestraft die Bevölkerung für die Exzesse der Armee. Wie klug!», schreibt Blogger Khaled Diab über die Ratlosigkeit Barack Obamas, wie er mit der Krise in Ägypten umgehen soll.

«Ich habe ein SMS bekommen, da stand: ‹Ich komme morgen mit tausenden MBs.› Nach einem gehörigen Schrecken stellte sich heraus, dass er ‹Megabytes› meinte.», schreibt der Journalist Bassem Sabry über den Umstand, dass «Muslimbrüder» und «Megabytes» dieselbe Abkürzung haben.

«Die Unterdrückung der Muslimbrüder funktionierte schon in den Zeiten Nassers nicht, als Ägypterinnnen in Miniröcken herumliefen. Heutzutage wird es erst recht nicht funktionieren», schreibt der Blogger «The Big Pharao» über die Tatsache, dass die ägyptische Gesellschaft heute viel islamischer ist als vor 50 Jahren, als der Nationalist Gamal Abdel Nasser die Muslimbrüder unterdrückte.

«Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass Revolutionäre unmenschlich werden, aber Revolutionäre, die zu Statisten werden, sind eigenartig», schreibt Fotograf Mosa'ab Elshamy über das Abseitsstehen der liberalen Kräfte, während sich Muslimbrüder und Armee die Köpfe einschlagen.

«Egal, wie grosszügig sich die Golfmonarchien zeigen, es wird nicht genug sein. Ihre Mittel sind auch nicht unbegrenzt. Fragt mal die Palästinenser.», schreibt Michael Hanna, Senior Fellow der Century Foundation in New York über das Versprechen von Ländern wie Saudiarabien, einzuspringen, falls die USA ihre Zahlungen einstellen. Auch den Palästinensern wurden wiederholt solche Versprechungen gemacht, aber selten eingehalten.

«Ein ägyptischer Demonstrant sagte mir gestern: ‹Sie werden uns töten, ich weiss es, alle wissen es, aber es ist egal.›», schreibt der Akademiker Shadi Hamid vom Washingtoner Think Tank Brookings Institution.

«‹Entweder wir oder die gottlosen Kommunisten!› – arabische Diktatoren in den 1960er Jahren. ‹Entweder wir oder die gottserbärmlichen Islamisten› – arabische Diktatoren heute.», schreibt Autorin Laila Lalami über die Feindbilder im Wandel der Zeit.

«Ich habe festgestellt, dass die meisten Ägypter den Unterschied zwischen Panzer, Transportpanzer und Kampffahrzeug nicht kennen. Im Ernst, ich hoffe, ihr bekommt keine Gelegenheit, ihn zu lernen», schreibt Blogger Karl Sharro über die massive Armeepräsenz in den Strassen Kairos.

«Photoshop sollte in Ägypten verboten sein. Aber wirklich. Ist dieses Bild echt!!!», schreibt Nahost-Expertin Dalia Ezzat über eine Fotomontage, die den spirituellen Anführer der Muslimbrüder, Mohammed Badie, bei seiner Verhaftung zeigt – in einem T-Shirt mit dem Portrait von Abdel Fattah al-Sisi, dem Armeechef und derzeitigen De-fakto-Herrscher Ägyptens.

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