Aktualisiert 22.06.2013 05:40

Brasilien

Dilma Rousseff verspricht viel und verteidigt WM

Die brasilianische Präsidentin hat in der ersten Stellungnahme zur Lage in ihrem Land einen «grossen Pakt» zur Lösung der Probleme versprochen, die die Menschen seit Tagen auf die Strasse treiben.

von
bem
Botschaft schlecht angekommen: Ein Restaurantbesucher reagiert auf die Fernsehansprache der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff am 21. Juni 2013.

Botschaft schlecht angekommen: Ein Restaurantbesucher reagiert auf die Fernsehansprache der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff am 21. Juni 2013.

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hat sich die Forderungen der Demonstranten zu eigen gemacht und einen «grossen Pakt» für ein besseres Brasilien versprochen.

Sie lobte die friedlichen Proteste und verurteilte die durch eine Minderheit ausgeübte Gewalt.

«Die Stimme der Strasse muss gehört und respektiert werden und kann nicht verwechselt werden mit dem Krach und der Grausamkeit einiger Rabauken», sagte Rousseff am Freitag in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache. In mehreren Städten gingen unterdessen die Proteste weiter.

Öleinnahmen für Bildung

Rousseff kündigte einen «grossen Pakt» an, um die Mängel im öffentlichen Dienstleistungssystem zu beseitigen. Es solle ein Plan zur Verbesserung des öffentlichen Transportwesen entwickelt, mehr Geld aus den Öleinnahmen in die Bildung investiert und Ärzte aus dem Ausland nach Brasilien geholt werden.

Die friedlichen Proteste zeigten «die Kraft unserer Demokratie und den Wunsch der Jugend, dass Brasilien vorankommt», sagte Rousseff. Die direkte Botschaft der Strasse sei friedlich und demokratisch. «Sie fordert einen systematischen Kampf gegen die Korruption und die Veruntreuung öffentlicher Gelder.»

Neue Zahlen sprechen von zwei Millionen Demonstranten

Von diesem Kampf werde sie nicht ablassen, versicherte Rousseff. Zur Korruptionsbekämpfung sei vor allem Transparenz und Strenge wichtig. Sie kündigte an, Gouverneure, Bürgermeister und die Anführer der friedlichen Protestgruppen zusammenzurufen.

Es war die erste öffentliche Reaktion der Präsidentin nach der gewaltigen Protestwelle in der Nacht auf Freitag. Daran nahmen nach aktuellen Zahlen der amtlichen Nachrichtenagentur «Agência Brasil» fast zwei Millionen Menschen in 438 Städten teil.

Am Freitagabend protestierten in mehreren Städten des Landes erneut Tausende gegen Korruption und soziale Missstände. In Barra da Tijuca im Westen Rios, wo derzeit das Olympische Dorf für die Sommerspiele 2016 entsteht, setzte die Polizei kurzzeitig Tränengas ein.

Strassen in São Paulo blockiert

Friedliche Protestzüge gab es in Rios bekannten Vierteln Ipanema und Leblon. Auch im Grossraum São Paulo marschierten tausende Menschen. Sie besetzten zentrale Strassen, die die Millionenstadt São Paulo mit dem internationalen Flughafen Guarulhos verbinden.

Die Proteste richten sich auch gegen die Milliarden-Ausgaben für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014. Rousseff betonte die Chance des Sportgrossereignisses für Brasilien. Brasilien sei fünffacher Weltmeister und bei den Turnieren immer gut empfangen worden.

Auch Brasilien müsse seinen Gästen einen grosszügigen Empfang bereiten: «Respekt, Warmherzigkeit und Freude - so müssen wir unsere Gäste behandeln. Brasilien wird eine grossartige WM ausrichten.»

Die Sozialproteste in Brasilien begannen vor mehr als einer Woche. Sie treffen Brasilien etwas mehr als ein Jahr vor den Präsidentenwahl und mitten in den Vorbereitungen für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014.

Vorbereitungen für Weltjugendtag

Viele Demonstranten kritisieren, dass der Staat für die Sportanlagen für die WM und die 2016 stattfindenden Olympischen Spielen 26 Milliarden Dollar in die Hand nimmt, für öffentliche Dienstleistungen die Mittel aber fehlten.

Ein Grossereignis steht mit dem Weltjugendtag und dem Besuch von Papst Franziskus bereits Ende Juli bevor. Die brasilianische Bischofskonferenz will am Termin und am Ablauf des Anlasses festhalten. Zum Weltjugendtag werden mindestens zwei Millionen junge Menschen in Brasilien erwartet. (bem/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.