Dink-Mord: Hintermann gefasst
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Dink-Mord: Hintermann gefasst

Nach dem Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink hat ein nationalistischer Extremist gestanden, Hintermann der Tat gewesen zu sein.

Yasin Hayal sagte nach Angaben der Polizei vom Montag, er habe den am Wochenende festgenommenen Jugendlichen angestiftet. Der Zeitung «Hürriyet» zufolge gab der bereits wegen eines Anschlags auf ein McDonald's-Restaurant 2004 verurteilte Mann zu, Ogün Samast eine Pistole und Geld beschafft zu haben.

«Ogün hat seine Pflicht erfüllt und die Ehre der Türkei gerettet», sagte Hayal laut «Hürriyet». Die Polizei bestätigte sein Geständnis, aber keine Einzelheiten. Die Aussage Hayals stützt die Vermutung, dass Dink wegen seiner Kritik am offiziellen Umgang mit der Verfolgung von Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts ermordet wurde. Die Zeitung schrieb, Hayal habe in Trabzon am Schwarzen Meer angeblich mehrere Jugendliche im Umgang mit Waffen geschult und sie mit der Idee indoktriniert, Verräter zu bestrafen.

Die Polizei führte den 16 oder 17 Jahre alte Samast am Sonntagabend zu einem Ortstermin. Vor dem Gebäude von Dinks Zeitung «Agos» sollte er zeigen, wie er den Journalisten am Freitag getötet habe, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Eine kleine Gruppe von Demonstranten skandierte dabei: «Wir sind alle Hrants. Wie sind alle Armenier.»

Der mutmassliche Hintermann Hayal wurde wegen eines Bombenanschlags auf ein Schnellrestaurant in Trabzon verurteilt, bei dem 2004 sechs Menschen verletzt wurden. Dafür sass er gut zehn Monate im Gefängnis. Bei den damaligen Ermittlungen konnte die Polizei keine Verbindung Hayals zu Untergrundgruppen feststellen. Hayal gab an, er habe von tschetschenischen Rebellen in einem aserbaidschanischen Ausbildungslager den Bau von Sprengsätzen gelernt. Den Anschlag auf die McDonald's-Filiale habe er begangen, um «die Vereinigten Staaten und ihre Kollaborateure zu bestrafen». (dapd)

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