Hackerangriff auf Lausanner Institut: «Direktor, bist du in Ordnung in deinem Kopf?»
Aktualisiert

Hackerangriff auf Lausanner Institut«Direktor, bist du in Ordnung in deinem Kopf?»

Nachdem eine Lausanner Nachhilfeschule eine russische Lehrerin wegen der Politik ihres Landes nicht anstellen wollte, gehen in Russland die Wogen hoch.

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fbr/cbe
Wegen der Politik von Russlands Präsident Wladimir Putin erhielt eine russischstämmige Lehrerin aus Neuenburg eine Jobabsage von einem Lausanner Nachhilfeinstitut. Der Wirbel um den Fall ist in Russland gross.

Wegen der Politik von Russlands Präsident Wladimir Putin erhielt eine russischstämmige Lehrerin aus Neuenburg eine Jobabsage von einem Lausanner Nachhilfeinstitut. Der Wirbel um den Fall ist in Russland gross.

Es war ein ungewöhnliches Schreiben, das Svetlana* als Antwort auf ihre Bewerbung bei einem Lausanner Nachhilfeinstitut erhielt: «Vielen Dank für Ihr Vertrauen, (...) aber unsere Philosophie erlaubt uns nicht, Lehrer einzustellen, die aus einem Land kommen, das provoziert, einen Bürgerkrieg anzettelt und dessen Präsident lügt und das Gesetz missachtet. Wir wünschen Ihnen viel Glück», teilte der Direktor des Instituts der in Neuenburg lebenden Russin mit.

Die Geschichte wirft jetzt auch in Russland hohe Wellen: Der Nachrichtensender Russia 24 berichtete gestern ausführlich darüber. Ebenso seien mehrere grosse Tageszeitungen an der Geschichte dran, wie ein in Genf stationierter russischer Journalist gegenüber «20 minutes» sagte.

Dummheit nicht der ganzen Welt zeigen

Die Website des Nachhilfeinstituts Issal wurde gestern von Hackern angegriffen. Ein Anti-Nazi-Graffiti prangte auf schwarzem Grund. Die Hacker zielten auch direkt auf den Direktor des Instituts ab: «Martin (Vorname des Direktors, Anm. d. Red.), bist du in Ordnung in deinem Kopf? Falls du dumm bist, ist es nicht nötig, das der ganzen Welt zu zeigen», schrieben die Hacker darunter.

Doch auch das offizielle Russland beschäftigt sich mit der Affäre. Auf der Facebook-Seite des Aussenministeriums in Moskau heisst es ironisch: Angesichts der kategorischen Antwort des Direktors könne man wohl davon ausgehen, dass keiner der 140 Lehrer des Instituts aus einem Land komme, das Jugoslawien bombardiert habe oder widerrechtlich im Irak einmarschiert sei.

«Krasser Fall von Diskriminierung»

Der Generalkonsul der Russischen Föderation in Genf sprach von einem «krassen Fall von Diskriminierung». Jeder dürfe seine eigene Meinung haben, «aber wie kann man die Politik einer Regierung und ihre Bürger miteinander vermischen?», fragte Juri Glukov. Der Generalkonsul empfiehlt der abgeblitzten Lehrerin, den Fall vor die Justizbehörden zu bringen.

* Name geändert

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