Dirigent Carlos Kleiber ist tot
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Dirigent Carlos Kleiber ist tot

Carlos Kleiber starb am 13. Juli nach langer Krankheit. Der 74-Jährige wurde laut der slowenischen Nachrichtenagentur STA am Samstag in Konjsica im Osten Sloweniens begraben. Seine Mutter war Slowenin.

Carlos Kleiber dirigiere, als komme er «von einem anderen Planeten», schwärmte der Tenor Neil Shicoff über den begehrten Meister am Pult. Zum Mythos machte den Maestro nicht zuletzt die Seltenheit seiner Auftritte. Von Herbert von Karajan ist der Ausspruch überliefert, Kleiber dirigiere nur, wenn seine Tiefkühltruhe leer sei.

Carlos Kleiber gehört zu jenen Künstlern, die bereits zu Lebzeiten den Olymp der «Götter im Frack» bestiegen haben. Der österreichische Dirigent argentinischer Herkunft galt als schwieriger Perfektionist und «enfant terrible» der Musikszene. Wiederholt hatte er Aufführungen in letzter Minute «wegen Indisposition» abgesagt.

Chemiestudium in Zürich

Kleiber wurde am 3. Juli 1930 in Berlin als Sohn des - gleichfalls als schwierig bekannten - österreichisch-argentinischen Dirigenten Erich Kleiber geboren. Seine österreichische Staatsbürgerschaft verlor er, als der Vater und seine Kinder im Exil in Buenos Aires argentinische Ehrenstaatsbürger wurden. 1980 erlangte Carlos Kleiber jedoch erneut die österreichische Staatsbürgerschaft.

Seine musikalische Ausbildung begann Kleiber 1950 in Buenos Aires. Zurück in Europa, zwang ihn der Vater zunächst zu einem Chemiestudium in Zürich. Doch bald siegte Kleibers musikalische Berufung. Seine Dirigentenlaufbahn begann 1952 am Theater in La Plata. Im Jahr darauf dirigierte er erstmals in Europa am Münchner Gärtnerplatztheater.

Bald galt er als Meister der Werktreue und Präzision. Die Musikkritik feierte ihn als «vulkanisches Element am Opernpult». Doch feste Engagements, etwa in Potsdam, Düsseldorf, Zürich und Stuttgart, waren die Ausnahmen in seiner Karriere. Er war stets ein gern gesehener, aber äusserst rarer Gast.

Unvergleichliche Interpretationen

Für ihn sei Musik im Grunde Psychologie und Philosophie, beschreibt die gefeierte Sopranistin Edita Gruberova Kleibers Ansatz. Für den Dirigenten-Kollege Riccardo Muti zeichnet eine «unglaubliche Präzision» den Musiker Kleiber aus.

Nahezu jeder Auftritt des rigorosen Orchesterleiters wurde als Ereignis gefeiert. So 1989, als er das Neujahrskonzert mit den Wiener Philharmonikern dirigierte und als er erstmals die Berliner Philharmoniker bei einem Benefiz-Konzert leitete.

1994 verwandelte er in der Wiener Staatsoper einen verstaubten «Rosenkavalier» in einer Inszenierung von 1968 in einen triumphalen Erfolg. Zu den Höhepunkten seiner Dirigententätigkeit gehören ausserdem Interpretationen von Wagners «Tristan und Isolde», Verdis «Otello» und Bizets «Carmen».

Kleiber wurde unter anderem mit dem «Goldenen Taktstock» der Mailänder Scala und dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet.

(sda)

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