GfK-Hitliste: Discounter Lidl hängt die Konkurrenz ab

Aktualisiert

GfK-HitlisteDiscounter Lidl hängt die Konkurrenz ab

Während die Umsätze bei klassischen Detailhändlern stagnieren, profitieren Discounter. Überflieger ist Lidl mit einem Plus von 10 Prozent. Erfolg brachte duftendes Brot.

von
S. Spaeth
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Die Backstationen bringen Lidl Kunden: Das frisch aufgebackene Brot ist ein Lockvogel.

Die Backstationen bringen Lidl Kunden: Das frisch aufgebackene Brot ist ein Lockvogel.

Gaetan Bally
Swissness: Kranzschwinger Christian Stucki ist ein Werbeträger für den deutschen Discounter.

Swissness: Kranzschwinger Christian Stucki ist ein Werbeträger für den deutschen Discounter.

Peter Schneider
Umsatzwachstum bei den Discountern: Lidll hängt die Konkurrenz ab.

Umsatzwachstum bei den Discountern: Lidll hängt die Konkurrenz ab.

Die meisten Manager im Detailhandel haben derzeit wenig Grund zur Freude: Die Umsätze in den Läden leiden unter dem Einkaufstourismus, dem Online-Shopping und dem Preiskampf. Zwar ist der gesamte Detailhandelsumsatz in der Schweiz im letzten Jahr um 0,4 Prozent auf 97,6 Milliarden Franken gestiegen, die Marktforscher von GFK sprechen aber dennoch von einer Stagnation. Seit vier Jahren stecke die Branche in einer Null-Wachstumsphase.

Zu den Profiteuren gehört hingegen der Discount-Kanal. Der Überflieger heisst Lidl: Der seit 2009 in der Schweiz vertretenen Ladenkette gelang im letzten Jahr laut GFK ein Umsatzsprung von fast 10 Prozent auf 800 Millionen Franken. Damit schafft Lidl den Sprung in die Top 15 der Schweizer Detailhändler. Discount-Marktführer Denner legte nur um 1,7 Prozent und Aldi um 2,9 Prozent zu.

Frischprodukte bringen Kunden

Der Grund für das Abheben bei Lidl liegt einerseits in der gestiegenen Anzahl Filialen. Der Händler eröffnete im letzten Jahr neun neue Läden und zählt aktuell 102 Standorte. Andererseits hängt das Wachstum mit der Offensive im Frischebereich zusammen: «Brot und Frischprodukte bringen eine hohe Kundenfrequenz», sagt GFK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener zu 20 Minuten. Als einziger Detailhändler der Schweiz habe Lidl in all seinen Filialen Aufbackstationen für Brot.

Ein Erfolgsfaktor bei Lidl ist zudem die Swissness: Der Discounter mit einem Sortiment von 1800 Artikeln führt sogar das Schweizer Kreuz in seinem Logo und setzt in seinen Werbekampagnen auf typische Schweizerische Landschaftsbilder. Zudem engagiert sich die Firma im Traditionssport Schwingen, ist Partner von Kranzschwinger Christan Stucki und Sponsor von Festen.

«Mit der Swissness kämpft Lidl um die Sympathie der Kunden», sagt Hochreutener. Es sei ein allgemeiner Trend, dass sich die ursprünglich aus Deutschland stammenden Harddiscounter so schweizerisch wie möglich geben würden. «Über 50 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Schweizer Produkten», sagt Lidl-Sprecherin Marta Plonka zu 20 Minuten. Zum Lidl-Konzept gehörten Einfachheit, Effizienz und Swissness.

Dosenbach-Ochsner wehrt sich gegen Zalando

Betrachtet man die absoluten Zahlen beim Detailhandelswachstum, hat die Migros die Nase vorn. Sie legte 2014 um 143 Millionen Franken auf 14,6 Milliarden Franken zu, was aber lediglich einer Zunahme von einem Prozent entspricht. Coop legt um 0,9 Prozent oder 131 Millionen Franken auf 14 Milliarden Franken zu. Erfolgreich gegen Zalando und Co. behauptet hat sich die Dosenbach-Ochsner-Gruppe, die Schweizer Marktführerin bei Schuhen. Mit weniger Filialen gelang es, den Umsatz um 5,6 Prozent auf 966 Millionen Franken zu steigern.

Fürs laufende Jahr erwarten die GFK-Marktforscher einen sich weiter zuspitzenden Verdrängungskampf. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres musste die Branche bereits einen Umsatzrückgang von 2,3 Prozent verkraften. Fürs Gesamtjahr rechnet GFK mit einem Schwund von 2 bis 3 Prozent. Laut den Prognosen dürfte der Lebensmittelhandel mit einem Minus von einem Prozent abschneiden, die Non-Food-Märkte mit einem Minus von gegen 4 Prozent.

Digitalisierung als Herausforderung

Nebst dem Einkaufstourismus, der auf hohem Niveau weiter zulegen wird, gehört die Digitalisierung zu den grössten Herausforderungen. Mit Online-Shops wurden 2014 bereits 6,7 Milliarden Franken umgesetzt, was einem Plus von über 7 Prozent entspricht. Dieser Zuwachs geht laut GFK zulasten des stationären Handels. Behaupten würden sich diejenigen Anbieter, die on- und offline effizient miteinander verknüpfen. (sas)

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