Japan-Blog: «Disupuree» – der Augenschmaus aus Plastik
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Japan-Blog«Disupuree» – der Augenschmaus aus Plastik

Es sieht täuschend echt aus und soll Lust auf einen Restaurant-Besuch machen: das Fake-Essen in Japans Schaufenstern.

von
Ronja Sakata

Ronja Sakata erklärt, wie man dank Disupurees einfacher bestellt.

Schlendert man durch die Strassen Japans, egal in welcher Stadt, stechen sie einem sofort in die Augen: die Auslagen der Restaurants, Disupuree genannt. Alles, was der hungrige Magen begehrt, wird hier aus Plastik oder Wachs so echt nachgebildet, dass einem die Sushiplatten, Tapas-Teller, Sandwiches und Glacetürme das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Teure Auslagen

Mehrere zehntausend Franken kostet es die Lokale, eine grosse Menü-Übersicht herstellen zu lassen. Dafür weiss man als Gast, schon bevor man überhaupt einen Schritt ins Restaurant gemacht hat, was einen dort erwartet: Bis ins kleinste Detail sehen die servierten Gerichte aus wie die Plastiknachbildungen – exakt gleich dekoriert, in der gleichen Grösse und genau so verführerisch.

Auch beim Bestellen kann das Disupuree (oder auf Englisch: Display) sehr hilfreich sein. Man kann das Personal fast an der Hand nehmen, um bei Kommunikationsproblemen zeigen zu gehen, was man gerne essen möchte. «Sumimasen, disupuree de misete ii desuka?» Das heisst Wort für Wort übersetzt: «Entschuldigung, darf ich Ihnen das beim Display zeigen?» Und dann einfach mit dem Finger draufzeigen und sagen: «Kore o tabetai desu.» Also: «Ich möchte das da essen.»

Mit nur diesen zwei Sätzen ist man perfekt darauf vorbereitet, in einem Restaurant mit Display zu bestellen. Mit Handzeichen geht es natürlich auch, und vielleicht kann jemand sogar ein bisschen Englisch.

Auch die Herstellung ist fast wie in Wirklichkeit

Die einzelnen Komponenten des Disupurees heissen sampuru – Samples. Diese werden in kleinen Manufakturen liebevoll von Hand hergestellt. In den dortigen Schubladen lagern Gemüse, Crevetten, Nudeln und alles, was es sonst noch braucht, zum Beispiel für gebratene Nudeln: Yakisoba.

Hat ein Sushi-Restaurant eine Sampuru-Platte bestellt, sieht das Zusammenbauen der Reisbödeli und Fischstücke nicht viel anders aus als in der Küche. Nur muss hier mit Wärme gearbeitet werden, um die Wachsstücke geschmeidig zu machen und in die richtige Position zu bringen. Sample-Kurse sind inzwischen eine Geschäftsidee und sehr beliebt bei internationalen Touristen.

In meinem Video zeige ich, wie eine Freundin in Japan ein Weisskabis-Sample herstellt. Ihre japanische Kollegin kreiert parallel dazu eine frittierte Crevette. Man spürt den Spass förmlich, den die beiden dabei hatten!

Ronja Sakata (38), geborene Müller, ist studierte Lebensmittelingenieurin. Vor 15 Jahren reiste sie für ein Praktikum erstmals nach Japan. Dort verliebte sie sich nicht nur in das Land, sondern auch in ihren jetzigen Mann, dem sie den klingenden Nachnamen zu verdanken hat. Ihr Insiderwissen hat Sakata in einem E-Book und Audios auf unterhaltsame Weise zusammengefasst. Sie bietet online auch einen Gratis-Japanischkurs an. Weitere Infos: Ronjasakata.com

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