Aktualisiert 08.12.2010 16:34

Talent-Show

DJ Bobo mimt den bösen Dieter Bohlen

Überraschung bei «Die grössten Schweizer Talente»: Nicht Roman Kilchsperger, sondern DJ Bobo schlüpft in die Rolle des bösen Juroren.

von
David Cappellini

Dass DJ Bobos Musik polarisiert, ist nichts Neues. Der Mensch hinter Bobo, René Baumann, hingegen steht für die klassischen Schweizer Attribute - und das ganz ohne Skandale, ohne Ecken und Kanten, stets bescheiden und nahe bei den Fans. Doch wird nun alles anders?

Bobo, einer der grössten Schweizer Stars überhaupt, scheint zumindest nicht viel Wert auf seinen bisherigen Ruf zu legen. Denn bei den Aufzeichnungen zu «Die grössten Schweizer Talente» war der Entertainer alles andere als der liebe Jury-Onkel. Im Gegenteil: DJ Bobo mimt - zur Überraschung aller - in der SF-Show den «Bad Cop»; den auffälligen, bösen Juroren. Und erinnert damit an Dieter Bohlen, den Urvater aller Jury-Fieslinge.

DJ Bobo mimt am TV den «Bad Cop»

Während Bohlen, der auch sonst die Rolle des arroganten Einzelgängers mimt, aber mit kreativen Sprüchen wie «Ich bring einem Gummibaum eher das Schachspielen bei als dir das Singen» bei den Zuschauern polarisiert, machte sich Bobo bei den Aufzeichnungen aber vor allem unbeliebt. 20 Minuten Online besuchte die Dreharbeiten im Zürcher Theater 11 - keiner verbannte die Kandidaten öfter von der Bühne - und keiner legte sich mehr mit dem Publikum an als Bobo. Jener Bobo, der sonst als Gutmensch gilt, sich für gute Zwecke einsetzt, Uno-Botschafter ist und sich regelmässig um seine Anhänger kümmert.

Beispiele gefällig? Bei der Performance einer albanischen Sängerin drückte DJ Bobo bereits nach wenigen Sekunden den «X»-Button und gab somit das Zeichen, dass sie für ihn «keinesfalls ein Talent» darstelle. Weil die beiden Mitjuroren, Roman Kilchsperger und Christa Rigozzi, der Kandidatin aber weiter zuhören wollten, durfte sie das Stück zu Ende performen. Und siehe da - das Publikum im Saal war begeistert. So musste Bobo plötzlich zurück krebsen und meinte: «Ich habe extra gedrückt, damit du dich steigern kannst.» Doch das Publikum nahm ihm diese Ausrede nicht ab und buhte den Sänger gnadenlos aus.

Zwischenrufe auch wegen Umzieh-Pause

Ein andermal legte sich Bobo auch mit einem Kandidaten selber an. Die witzige Bemerkung des Casting-Teilnehmers, Bobo könne auch nicht tanzen und habe es dennoch nach oben geschafft, nahm René Baumann nicht mit Humor. Diese Kritikunfähigkeit wurde vom Saal-Publikum drum mit neuerlichen Buh-Rufen bestraft.

Während Roman Kilchsperger, der für viele wohl den eigentlichen Jury-Bösewicht darstellen müsste, mit witzigen statt fiesen Sprüchen punktete, musste der 42-jährige Bobo böse Zwischenrufe einstecken. Als er nachgeschminkt werden sollte, schrie ein Gast etwa - für den ganzen Saal gut hörbar: «Bei Bobo nützt das nichts.»

Lange Pause wegen neuem Hemd

Die letzten Sympathiepunkte im Saal verspielte sich René Baumann alias DJ Bobo schliesslich mit der Tatsache, dass er bei einer der Aufnahmen etwas gar viel Zeit gebraucht hatte, um sich umzuziehen. Mitten in der Sendung gab es deswegen eine minutenlange Pause, welche die Saal-Zuschauer nicht wirklich goutierten. Diese durften sich schliesslich nicht einmal von ihren Plätzen erheben, geschweige denn auf die Toilette gehen. Als Bobo endlich aus dem Backstagebereich zurückkam, war der übliche Publikumsapplaus denn auch äusserst verhalten. Bobo als Bösewicht - irgendwie ungewohnt. Und vielleicht mit Folgen für das Image des bisherigen Lieblings.

Seit dem letzten Wochenende laufen die Aufzeichnungen für «Die grössten Schweizer Talente». Die Castingshow, bei der DJ BoBo, Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi und Moderator Roman Kilchsperger in der Jury sitzen, läuft ab dem 29. Januar.

www.20min.ch/soundshack/player/?albumId=0000000012379491

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