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DJ Bobo: Power-Dancing mit Adams Family

Wo DJ Bobo draufsteht, da ist Schweizer Qualität drin. Der Aargauer startete am Samstag seine Schweizer Vampires Alive-Tour im ausverkauften Zürcher Hallenstadion.

Eines muss man ihm lassen: Die Grösse seiner Bühnenshows ist alles andere als bescheiden. Ansonsten ist DJ Bobo (René Baumann mit bürgerlichem Namen) ein Mann des Volkes, ein Vorzeige-Schweizer und nationaler Star ohne Allüren. Aber für Letzteres fehlt ihm vermutlich schlicht die Zeit.

Denn um seit 1993 jedes Jahr ein Album und im Zwei-Jahres- Rhythmus eine Show hinzulegen mit hallenfüllender Auswirkung, dafür braucht es schon den unverwüstlichen Fleiss eines Schweizers. Und so hat DJ Bobo nach den Piraten vor drei Jahren heuer die Vampire das Tanzen gelehrt.

Was natürlich auch der Meister selbst nicht verlernt hat. Zusammen mit seiner Adams Family betanzt DJ Bobo einen riesigen Drachenkopf mit straffen Choreographien. Und damit nicht genug: Breakdance- und Akrobatik-Einlagen, Feuerspeier, Zaubertricks und Konfettiregen machen DJ Bobos Vampir-Show fulminant und verschwenderisch wie eh und je.

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Daneben liefert DJ Bobo auch einen zentralen Beitrag zum schweizerischen Selbstverständnis. Wenn er die Show eingangs in warmem Aargauerdialekt als Schwizerisches Power-Dancing einleitet oder über die Langsamkeit witzelt, die man den Bernern nachsagt, lacht jede und jeder mit.

Denn DJ Bobo beherrscht die Kunst, ein Land sich selber sympathisch zu machen. Wie Spass es plötzlich macht, im Kollektiv und auf Berndeutsch auf drei zu zählen. Man kann auch schlecht leugnen, dass man nicht stolz ist auf einen Mann, der schweizerische Eigenart verkörpert und dabei ganze Stadien füllt.

Und als DJ Bobo gescheitert vom Eurovision Song Contest 07 zurückkam, hatte er etwas vom heimkehrenden Odysseus. Niemand war ihm böse, sondern alle froh, dass er zurück ist und einen Hauch grosse weite Welt in die kleine Heimat bringt.

Die Hits von früher

So sehr DJ Bobo seiner Linie treu geblieben ist, es bleiben eben doch die alten Songs aus den 90er Jahren die grössten Hits. Da ist es überflüssig Kenneder dä no? zu fragen, als die Keyboardtöne von Somebody Dance With Me erklingen. Genauso ist auch bei der letzten Zugabe mit There's A Party der Name Programm.

Dass es im Prinzip nicht mehr (aber auch nicht weniger) als gute Musik braucht um eine Menge zu begeistern, ist gewissermassen bezeichnend für Vampires Alive. Aufwändige Bühnenshows sind zwar kurzweilig anzuschauen, aber so ganz vermögen sie schwächelnde Stellen bzw. Songs nicht zu kaschieren.

Dabei hat uns DJ Bobo doch schon früh gezeigt, wie einfach mitreissend sein kann, und seine Liedtexte mit dem Langenscheidt- Wörterbuch geschrieben. Und kein Geheimnis daraus gemacht. Ob aus Selbstgefälligkeit oder Authentizität sei dahingestellt. Hauptsache, der King Of Dance kommt aus der Schweiz. Das darf man für einmal unbescheiden laut sagen. (sda)

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