Federer hadert: «Djokovic glaubte nicht mehr an den Sieg»
Aktualisiert

Federer hadert«Djokovic glaubte nicht mehr an den Sieg»

Roger Federer trat an der Pressekonferenz so enttäuscht auf, wie man ihn selten gesehen hatte. Vieles drehte sich dabei um den ersten Matchball, den Djokovic mit einem Traumschlag abwehrte.

von
Reto Fehr

«Es ist seltsam, hier eine Niederlage zu erklären, da ich überzeugt bin, dass ich eigentlich der Sieger hätte sein sollen. Aber es ist, wie es ist, und ich kann nur mir selber die Schuld geben.» Roger Federer wirkte extrem enttäuscht an der Pressekonferenz nach der Partie gegen Novak Djokovic. Er rang nach Worten, verschrank seine Arme meist vor sich und blickte am liebsten irgendwo ins Leere.

Zu beissen hatte der Schweizer vor allem am ersten Matchball. Djokovic hämmerte ihm da einen Return um die Ohren, der mit sehr viel Risiko gespielt war und wohl in den meisten Fällen keinen Erfolg bringt. «Er glaubte nicht mehr an den Sieg. Gegen jemanden so zu verlieren, ist ganz bitter, weil er mental ja eigentlich schon out war.» Dass jemand bei Matchball so einen Schlag auspacken würde, ist für die Weltnummer 3 unverständlich. «Ich spiele nie so. Ich glaube an harte Arbeit. Aber es gibt Spieler, die in hoffnungslosen Lagen solche Traumschläge versuchen. Vielleicht macht Djokovic dies seit Jahren so.»

Der «Lucky Shot» für Federer unverständlich

Der «Lucky Shot», wie ihn Federer nennt, brach im das Genick. Der Djokver liess sich danach vom Publikum feiern und spielte mit den Fans. Hat Federer das gesehen? «Nein. Ich sehe sowieso höchstens zwei Prozent von dem, was meine Gegner machen. Ich bin so konzentriert auf mein Spiel. Aber so lange es im fairen Bereich ist, ist es okay.»

Dass es nach der 2:0-Satzführung nicht entschieden war, ahnte Federer: «Ich musste damit rechnen, dass Novak sich in den Match reinbeissen würde. Schade, dass ich dann gleich das Break kassiert habe, nachdem ich mehrere Gamebälle hatte.»

Djokovic: «Es ist für mich der wichtigste Sieg des Jahres»

Sieger Djokovic wirkte dagegen natürlich entspannt: «Ich war schon fast auf dem Heimweg. Dann versuchte ich diesen Schlag – und er gelang. Der Jubel der Fans gab mir dann Energie.» Aber wieso packte er diesen Risiko-Schlag in der heiklen Phase aus? «Wenn du gegen jemanden wie Federer spielst, musst du Risiken eingehen, sonst verlierst du.» Die Weltnummer 1 weiss den Sieg einzuschätzen: «Es ist für mich der wichtigste Sieg des Jahres, gegen Roger holt man normalerweise einen solchen Rückstand nicht mehr auf.»

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