Integration: Djourou geht ins Flüchtlingsheim

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IntegrationDjourou geht ins Flüchtlingsheim

Johan Djourou hat seinen Weg als Fussballer gemacht. Der Schweizer Nati-Star will seinen Kindern zeigen, dass nicht alles selbstverständlich ist.

von
heg

Geboren in der Elfenbeinküste, aufgewachsen in der Schweiz und England: Johan Djourou ist weit herumgekommen. Als Mensch, vorwiegend als Fussballer. Der 28-jährige Verteidiger sprach im «Hamburger Abendblatt» über Integration.

«Multikulti» sei für ihn gemeinsam, zusammen, gemischt. Es gehe nicht um schwarz, weiss, braun oder gelb. Es gehe um eine Vielfalt, die man wollen müsse. Djourou wollte sie. Mit 13 Jahren verliess er das Elternhaus in Genf und zog ins Fussballinternat. Mit 17 Jahren ging der Verteidiger nach England zu Arsenal. Der Romand unterhielt sich mit Thierry Henry und Kolo Touré viel auf Französisch. Weil er unbedingt Englisch lernen wollte, verabredete er sich mit den englischen Jungprofis. Der wichtigste Schlüssel für die Integration sei die Sprache, so Djourou.

Besuch im Flüchtlingslager geplant

Vor zwei Jahren dislozierte Djourou nach Deutschland. Zuerst spielte er für Hannover, nun für den Hamburger SV. Einen Sprachkurs brauchte der gebürtige Ivorer nicht. Er hatte Kenntnisse von der Schule. Auf dem Weg zum Stadion fährt Djourou jeweils an einem Flüchtlingslager vorbei. «Viele der Flüchtlinge haben im November Badelatschen an. Das macht mich traurig», sagt der HSV-Captain im Interview.

Der Fussballer fuhr kürzlich mit der ganzen Familie zu diesem Flüchtlingsheim. Der Grund: Eine seiner drei Töchter fragte ihn: «Papa, was ist ein Flüchtling?» Vor Ort wurde er aber gebeten, zuerst einen Termin für den Besuch zu vereinbaren, was er jetzt tun werde. Ziel des Besuchs: Seine Töchter sollen verstehen, dass es ihnen besser geht als anderen, was natürlich mit seinem Fussballerleben zu tun hat.

Dass sich der 28-Jährige Gedanken macht, die über die weissen Linien hinausgehen, ist keine Neuigkeit. Seit Jahren engagiert sich Djourou sozial. Gemeinsam mit seinem früheren Arsenal-Kollegen Bacary Sagna unterhält er die Fondation Kemi Malaika, die Jugendliche in Senegal fördert. Schulische Ausbildung und Gesundheit stehen im Zentrum der Stiftung.

Djourou war mit seinen Mädchen, die alle in Europa geboren sind, auch schon in Afrika, damit sie wissen, woher er stammt. Heimat ist für ihn aber dort, wo das Herz zu Hause ist. Auf die Frage, wie das Flüchtlingsproblem allenfalls zu lösen sei, hat auch er keine einfache Lösung parat: «Europa kann nicht alle Menschen aufnehmen, die in Not sind.»

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