Aktualisiert 30.06.2011 09:55

Mord in Perugia

DNA-Beweise könnten Amanda Knox entlasten

Neue Wende im Fall des Engels mit den Eisaugen? Unabhängige Experten haben die Verlässlichkeit der gerichtsmedizinischen Beweise im Mordprozess gegen Amanda Knox in Zweifel gezogen.

Im Berufungsprozess gegen Amanda Knox hat ein neues Gutachten die ursprünglich verwendeten DNA-Spuren nicht bestätigt. Dafür belastet der verurteilte Rudy Guede die junge Frau schwer. (Bilder: Reuters)

Im Berufungsprozess gegen Amanda Knox hat ein neues Gutachten die ursprünglich verwendeten DNA-Spuren nicht bestätigt. Dafür belastet der verurteilte Rudy Guede die junge Frau schwer. (Bilder: Reuters)

Im Berufungsprozess um den Mord an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher wurde ein neuer Bericht präsentiert. Darin zweifeln unabhängige Experten die DNA-Beweise an, die Amanda Knox und ihren Mitangeklagten schwer belasten. Die Spuren könnten verunreinigt worden sein und liessen sich nicht erneut nachweisen, behaupten nun zwei vom Berufungsgericht bestellte Rechtsmediziner. Ausserdem sei das erstellte genetische Profil von Mordopfer Meredith Kercher «unzuverlässig».

Im ersten Prozess gegen Knox hatte die Anklage daran festgehalten, dass DNA von Knox auf dem Griff der mutmasslichen Mordwaffe - einem Küchenmesser - und DNA von Kercher auf der Klinge gefunden worden sei. Zudem seien DNA-Spuren des Mitangeklagten Raffaele Sollecito auf Kerchers BH-Schnalle entdeckt worden.

Verurteilter Mörder hält Knox für des Mordes schuldig

Der neue Bericht widerspricht allerdings der Aussage, die zwei Tage zuvor der ebenfalls in dem Fall schuldig gesprochenen Rudy Guede gemacht hatte. Der 24-jährige Ivorer sagte bei einer Anhörung, er halte beide Angeklagten für des Mordes an Meredith Kercher schuldig. Knox sagte nach der Aussage Guedes, sie sei «schockiert und von Schmerz geplagt».

«Er weiss, dass wir nicht da waren», erklärte Knox, nachdem Guede das Gerichtsgebäude in der italienischen Stadt Perugia verlassen hatte. Guede wurde wie Knox und Sollecito wegen Mordes an Kercher verurteilt und verbüsst derzeit eine 16-jährige Haftstrafe. Knox wurde in dem Fall zu 26 Jahren, Sollecito zu 25 Jahren Haft verurteilt.

Guede gibt sich unschuldig

Nachdem Guede den Zeugenstand am Montag eingenommen hatte, bestätigte er den Inhalt eines Briefs, den er vergangenes Jahr an seine Anwälte geschrieben hatte. Das Schreiben vom März 2010 endet mit einer direkten Anschuldigung von Knox und Sollecito. In dem vor Gericht laut vorgelesenen Brief schreibt Guede, er habe nichts mit dem «grausamen Mord der grossartigen und wunderbaren Meredith Kercher durch Knox und Sollecito» zu tun.

Es liege nicht an ihm, zu entscheiden, wer Kercher getötet habe, sagte Guede vor Gericht. «Ich habe immer gesagt, wer da war an dieser verdammten Nacht in diesem Haus.»

Erste Verurteilung im Jahr 2009

Kercher war im November 2007 in einer Wohnung, die sie sich mit Knox teilte, tot aufgefunden worden. Knox und Sollecito wurden 2009 wegen sexueller Nötigung und Mordes an Kercher verurteilt. Die Anwälte der Amerikanerin und ihres Ex-Freundes erklärten, Guede sei Kerchers Mörder und habe allein gehandelt.

«Ich weiss nicht, was an diesem Abend passiert ist», sagte Knox mit Blick auf die Tötung von Kercher. Das hätte sie Guede gerne ins Gesicht gesagt, betonte die Amerikanerin, die am Montag erst sprechen durfte, nachdem der 24-Jährige den Gerichtssaal verlassen hatte.

Guede sagte als Zeuge der Staatsanwaltschaft aus. Er bestritt bei seiner Aussage, mit einem Mithäftling über den Mordfall Kercher gesprochen zu haben. Der Mithäftling hatte vor Gericht ausgesagt, Guede habe ihm gegenüber erklärt, Knox und Sollecito seien unschuldig.

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