Zu 99,99 Prozent exakt: DNA-Test entlarvt Hundehalter, die Kothaufen liegen lassen

Publiziert

Zu 99,99 Prozent exaktDNA-Test entlarvt Hundehalter, die Kothaufen liegen lassen

Die US-Firma PooPrints identifiziert mittels DNA-Probe, von welchem Tier liegen gelassene Hundehaufen stammen. Nach den USA, Kanada und Grossbritannien will das Unternehmen in der Schweiz Fuss fassen.

von
Daniel Krähenbühl
1 / 8
Mit einer DNA-Probe vom liegen gelassenen Hundekot sollen Halter überführt werden, die nach dem Geschäft ihrer Tiere nicht sauber machen.

Mit einer DNA-Probe vom liegen gelassenen Hundekot sollen Halter überführt werden, die nach dem Geschäft ihrer Tiere nicht sauber machen.

cherryandbees - stock.adobe.com
Hundekot auf Wegen, Spielwiesen oder in Landwirtschaftszonen sorgt in der Schweiz immer wieder für viel Unmut. 

Hundekot auf Wegen, Spielwiesen oder in Landwirtschaftszonen sorgt in der Schweiz immer wieder für viel Unmut. 

Madeleine Schoder
Die US-Firma PooPrints expandiert nun in die Schweiz. Sie identifiziert mittels DNA-Probe, von welchem Tier liegen gelassene Hundehaufen stammen.

Die US-Firma PooPrints expandiert nun in die Schweiz. Sie identifiziert mittels DNA-Probe, von welchem Tier liegen gelassene Hundehaufen stammen.

PooPrints

Darum gehts 

Sei es auf Spazierwegen, in Sandkästen oder auf Futterwiesen: Räumen Hundehalter nach dem Geschäft ihrer Tiere nicht auf, sorgt das für viel Unmut. Abhilfe schaffen will nun das amerikanische Unternehmen PooPrints: Es verspricht, mittels DNA-Probe des liegen gelassenen Hundekots, exakt eruieren zu können, wem der Hund gehört. Halter, die ihrer Kotaufnahmepflicht nicht nachkommen, könnten so konsequent ausfindig gemacht und gebüsst werden.

Mit ihrem Angebot richtet sich PooPrints vor allem an Liegenschaftsverwaltungen, Campingplatz-Eigentümer oder Gemeinden. «Das Vorgehen ist simpel: Will eine Hundehalterin oder ein Hundehalter etwa in eine Wohnung ein- oder einen Campingplatz beziehen, muss sie oder er den Hund in der DNA-Datenbank registrieren lassen», sagt Iryna Zvarych von PooPrints. Wird ein Hundehaufen unbekannten Ursprungs auf dem Grundstück entdeckt, könne mit einem Kit eine Laborprobe entnommen werden. «Dem fehlbaren Hundehalter können daraufhin die Kosten der Reinigung und des Labortests – 65 Franken – auferlegt werden.»

Das Unternehmen habe bisher nach Kanada, Grossbritannien, Irland, Frankreich, Israel und Mexiko expandiert, die genetischen Profile von über 800’000 Hunden seien bereits in die Datenbank hochgeladen worden, sagt Zvarych. «Unsere Kunden berichten, dass das Programm den liegen gelassenen Kot um 95 Prozent reduziert hat.» Es gebe auch Klienten, die seit Monaten kein Testkit mehr einsenden mussten. Zvarych: «Wenn Menschen wissen, dass sie zur Verantwortung gezogen werden, ändern sie ihr Verhalten.»

Hohe Bussen möglich

Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass es auch in der Schweiz Hundehalter gibt, die den Kot ihrer Tiere nicht aufnehmen, sagt Hansueli Beer, Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG). «Das ist absolut störend und nicht schönzureden.» Jedoch sei ihr Anteil – vor allem im Vergleich zu gewissen Nachbarländern – relativ klein. 

Zudem gelte in der Schweiz eine Kotaufnahmepflicht, sagt Beer. «Je nach Gemeinde kann der Hundehalter bei Verstössen mit mehreren Tausend Franken gebüsst werden.» Er denke daher nicht, dass sich das Unternehmen in der Schweiz durchsetzen werde, sagt Beer. «Wenn man jemanden sieht, der den Hundekot nicht aufnimmt, kann man ihn oder sie darauf hinweisen. Eine DNA-Probe ist da völlig überflüssig.»

Sensibilisierungskampagne statt Überwachung

Rechtlich gesehen sei es zulässig, die Hundehaltung in Mietwohnungen an Bedingungen zu knüpfen. Also prinzipiell auch, dass Liegenschaftsverwaltungen von potenziellen Mietern verlangen, eine Speichel-, beziehungsweise eine DNA-Probe des Hundes in eine Datenbank hochzuladen. Das sagt Bianca Körner, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung für das Tier im Recht (TIR). Die Registrierung der DNA aller in der Schweiz lebenden Hunde und der Daten der Hundehaltenden lediglich zur Ermittlung des «Kot-Übeltäters» erscheine jedoch unverhältnismässig. «Sicherlich ist sich nicht jeder Hundehaltende über die mögliche weitreichende Konsequenz des liegengelassenen Hundekots im Klaren.» Es biete sich daher an, mildere Mittel auszuschöpfen, wie beispielsweise eine Sensibilisierungskampagne der Hundehaltenden über die gesundheitsschädlichen Folgen für die Tierwelt.

Die Hundehaltung sei zudem – wie kaum eine andere Tierhaltung – bereits stark reguliert. «Die Einführung eines derartigen Überwachungssystems könnte die Fronten zwischen Hundehaltenden und ihrer Umwelt weiter verhärten, anstatt zu einem harmonischen Zusammenleben zu verhelfen.» Es müsse daher genügen, an die Eigenverantwortung der Hundehaltenden zu setzen und mithilfe von Schildern und dem Zurverfügungstellen von Hundesäckli und Entsorgungsmöglichkeiten zu unterstützen.

Das gilt in der Schweiz

Deine Meinung

160 Kommentare