Staatsanwalt rekurriert: Doch 2-mal lebenslänglich für Daniel H.?
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Staatsanwalt rekurriertDoch 2-mal lebenslänglich für Daniel H.?

Das Gericht hat dem Mörder von Lucie eine letzte Chance gewährt. Jetzt zieht der Staatsanwalt aber das Urteil weiter. Daniel H. muss die nächsten Tage in einer überwachten Zelle verbringen.

von
meg

Die lebenslängliche Verwahrung wollte das Bezirksgericht Baden gegen Daniel H. nicht verhängen. Doch Staatsanwalt Dominik Aufdenblatten will die Sache nicht ruhen lassen. «Die Staatsanwaltschaft Baden wird die umstrittene Frage der lebenslänglichen Verwahrung im Mordfall Lucie weiterziehen und gerichtlich überprüfen lassen», heisst es in einem Communiqué. Damit wird der Fall Daniel H. erneut verhandelt.

Am Mittwochabend nach der Urteilsverkündung wurde Daniel H. zurück in die Strafanstalt Lenzburg gebracht. Dort wird er derzeit in einer videoüberwachten Spezialzelle rund um die Uhr beobachtet, schreibt die «Aargauer Zeitung». Die Verantwortlichen wollen kein Risiko eingehen, auch wenn es gemäss Abklärungen durch einen Psychiater nicht danach aussehe, dass Daniel H. suizidgefährdet ist. Am Montag kann er in seine 7,6 Quadratmeter grosse Zelle zurück. Dort wird er voraussichtlich die nächsten Jahrzehnte leben - wohl als Aussenseiter.

«Wer ein Sexualdelikt begangen hat, steht auf der untersten Stufe», sagt Marcel Ruf, Direktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg. Daniel H. ergeht es da nicht anders. Er sei ein Einzelgänger, habe «nur ganz vereinzelt Kontakt» zu Mitinsassen, so Ruf zu 20 Minuten Online.

Geregelte Arbeitszeit, keine Freunde

Auch zwei der berüchtigtsten Schwerverbrecher der Schweiz leben isoliert: Werner Ferrari und Erich Hauert. Ferrari, der Kindermörder, und Hauert, der Mörder von Pasquale Brumann in Zollikerberg, sitzen ebenfalls in Lenzburg. Sowohl Hauert als auch Ferrari sind Einzelgänger. Letzterer hat praktisch gar keinen Kontakt zu Insassen. «Er zieht sich nach der Arbeit jeweils in seine Zelle zurück.»

Daniel H. hat im Gefängnis eine Anlehre als Drucktechnologe begonnen. Von Montag bis Freitag muss er zur Arbeit. 7.15 Uhr: Arbeitsbeginn. 11.10 Uhr: Mittagessen. 13 Uhr: Weiterarbeiten in der Druckerei. 16.30 Uhr: Zurück in die Zelle, Nachtessen.

Ab 18 Uhr können die Häftlinge die Gemeinschaftsdusche benutzen. 16 Duschköpfe stehen für 180 Gefangene zur Verfügung. Nach zwei Stunden wird der Duschraum wieder geschlossen. Wer will, kann bis 20 Uhr den Aufenthaltsraum benutzen. Daniel H. dürfte dort nur selten anzutreffen sein. «Er ist ein Einzelgänger. Die meisten machen einen grossen Bogen um ihn. In den Arbeitspausen ist er oft allein», sagte Ruf der AZ.

Warum wird Daniel H. nicht lebenslang verwahrt?

Herr Urbaniok, Daniel H. hat auf bestialische Art und Weise ein Mädchen getötet. Warum wird er nicht lebenslänglich verwahrt? Frank Urbaniok: Aufgrund des hohen Rückfall-Risikos und der ganz ungünstigen Therapieaussichten war es richtig, dass das Gericht eine lebenslängliche Verwahrung geprüft hat. Den endgültigen Entscheid kann ich nicht kommentieren, da ich Daniel H. selbst nicht beurteilt habe.

Herr Urbaniok, Daniel H. hat auf bestialische Art und Weise ein Mädchen getötet. Warum wird er nicht lebenslänglich verwahrt? Frank Urbaniok: Aufgrund des hohen Rückfall-Risikos und der ganz ungünstigen Therapieaussichten war es richtig, dass das Gericht eine lebenslängliche Verwahrung geprüft hat. Den endgültigen Entscheid kann ich nicht kommentieren, da ich Daniel H. selbst nicht beurteilt habe.

Beide psychiatrischen Gutachter wollten sich darin nicht festlegen, Daniel H. als dauerhaft untherapierbar zu bezeichnen, weshalb die Richter den Täter nicht lebenslang verwahren konnten...

Der Gutachter muss Chancen und Risiken genau herausarbeiten. Dabei muss z.B. das Risiko für eine neues Tötungsdelikt nicht 100% sein. Auch wenn das Risiko aufgrund sehr schlechter Therapieaussichten dauerhaft bei 70 oder 90 Prozent liegt, kann es sinnvoll sein, jemanden lebenslang zu verwahren. Die Entscheidung darüber muss der Richter treffen.

Daniel H. ist 28. Hat ihn eventuell auch sein Alter vor einem noch härteren Urteil bewahrt?

Klar ist man zurückhaltender, einen jungen Täter lebenslang zu verwahren. Ein junges Alter kann für die Therapie ein günstiger Faktor sein – oder aber auch das Gegenteil. Denn begeht zum Beispiel ein 17-Jähriger ein äusserst schweres Delikt, so kann dies auf eine besonders gravierende und in der Persönlichkeit fest verankerte Störung hinweisen.

Frank Urbaniok ist Gerichtspsychiater und Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich.

ram

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