Bülach ZH: Doch kein illegaler Waffenhandel
Aktualisiert

Bülach ZHDoch kein illegaler Waffenhandel

Das Bezirksgericht Bülach hat einen Bülacher Kaufmann wegen Waffendelikten zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 80 Franken verurteilt. Das Obergericht sah es nun anders.

von
Attila Szenogrady

Am Mittwoch kam es für einen heute 63-jährigen Kaufmann aus Bülach vor dem Zürcher Obergericht zu einem Happy End. Der langjährige Waffenhändler wurde umfassend freigesprochen und mit 5000 Franken entschädigt. Noch vor wenigen Monaten sah es für den Zürcher Unterländer wesentlich schlechter aus. Er wurde im letzten Mai vom Bezirksgericht Bülach wegen mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 80 Franken verurteilt. Zudem sollte er die Gerichtskosten von 1500 Franken tragen.

Von einer Dame Waffensammlung übernommen

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gingen auf das Frühjahr 2008 zurück. Unbestritten ist, dass der Angeklagte damals von einer Dame eine Sammlung von 79 Waffen übernahm. Zehn Waffen davon soll er in der Folge in Bülach und an der Luzerner Sammelbörse weiterverkauft haben. Es handelte sich dabei vornehmlich um Pistolen und Revolver. Die Anklage brachte gegen den Beschuldigten zwei Vorwürfe auf den Tisch: Einerseits soll er eine Buchführung über die Gegenstände unterlassen haben. Andererseits hatte er laut Anklageschrift illegale Waffengeschäfte abgeschlossen. Mit zehn Personen, die über keinen Waffenerwerbsschein verfügt hätten.

Nur Vermittler, kein Händler

Der Angeklagte stellte von Beginn weg jegliche strafbare Handlung in Abrede. So habe er die betreffenden Waffen nicht erworben, sondern im Rahmen eines Leihvertrags lediglich als Privatperson gelagert und danach zum Verkauf weiter vermittelt. Deshalb habe er die Waffen auch nicht in die Buchhaltung aufgenommen, sondern separat in seiner verschlossenen Küche aufbewahrt, sagte er. Die Verteidigung verlangte deshalb in einem Berufungsprozess vor dem Obergericht einen vollen Freispruch. Der Anwalt verneinte nicht nur einen Vorsatz, sondern verwies auf einen damals noch rechtmässigen, privaten Handel.

Zivilrecht im Vordergrund

Die Oberrichter folgten den Argumenten des Verteidigers und erklärten, dass die Tätigkeiten des Angeschuldigten, also ein Waffenverkauf unter Privaten ohne Waffenerwerbsschein, noch unter das Zivilrecht gefallen seien. Womit es zwingend zu einem Freispruch kommen müsse.

Deine Meinung