Doggystyle
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Doggystyle

Nicht mehr Diamanten, sondern kleine Hunde sind der jungen Frauen bester Freund. 20 Minuten week über das Geheimnis der sabbernden Accessoires.

Britney hat eines, Gisele Bündchen auch. Paris Hilton hat ihres gegen ein neueres und schlankeres Modell eingetauscht. Und wie immer gilt: Was bei den unerschöpflichen H&M-Inspirationsquellen angesagt ist, trägt bald auch Lotti Normalverbraucherin an, auf und bei sich.

Putzig sind sie ja, die kleinen Hunde. Ihr Bellen und Winseln spielt sich zumeist im aussermenschlichen Hörbereich ab und richtig zubeissen können sie auch nicht. Zahlreiche «Jöös» sind Hund wie Hundehalterin gewiss, mitunter ernten beide allerdings nur mitleidige Blicke: «Armer Hund» beziehungsweise «blöde Ziege», tönt es dann moralinsauer.

Angefangen hat alles mit Tinkerbell: Der rehfarbene Chihuahua von Paris Hilton mauserte sich über Nacht selbst zum tierischen Promi. Nachdem sich Pop-Sängerin Britney Spears im Gegenzug drei Minihunde inklusive der Bemerkung «Lacy Loo, Bit Bit und Lucky sind viel hübscher als Tinkerbell» geleistet hatte, ging der Krieg der Frauchen los. «Mein Hund ist wenigstens gut gestylt – was man von Britney nicht behaupten kann», knurrte Paris zurück. Mittlerweile hat sich die Hotel-Erbin von ihrem zu Übergewicht neigendem Hündchen getrennt und lebt nun mit der viel schlankeren Bambi zusammen.

Apropos zusammenleben: Experten vermuten hinter dem Trend hin zum Kleinhund soziopsychologische Gründe. In Japan, wo das Geschäft mit den Haustieren derzeit besonders seltsame Blüten trägt (drei Deziliter Hunde-Trinkwasser kosten dort vier Franken; es gibt spezielle Fernsehsendungen für Hunde und Katzen), befindet sich die Geburtenrate auf einem Rekordtief. Die fehlenden Kinder – so die These – werden in Japan offenbar mit Schosshündchen kompensiert.

Nun könnten sich Paris & Co. natürlich beides leisten (und tun es teilweise auch): Hündchen und Kind. Wer sich allerdings nur gerade mal vorübergehend mit einem interaktiven Accessoire schmücken will, ist mit einem Vierbeiner sicherlich besser beraten als mit einem kleinen Menschen. Darüber hinaus gilt die Hamsterregel: Sauber machen muss frau selber, und ein Tier ist kein Spielzeug.

Angenehmer als Kampfhunde sind die überzüchteten Handtaschen allemal. Im Alltag bemerkbar machen sie sich eigentlich nur, wenn man(n) versehentlich auf sie tritt. Ansonsten halten wir es mit Goethe: «Dem Hund, wenn er gut erzogen, wird selbst ein weiser Mann gewogen.»

Martin Söhnlein

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