In Mali: Dokument zur Al-Kaida-Strategie aufgetaucht
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In MaliDokument zur Al-Kaida-Strategie aufgetaucht

Neun Seiten lang ist ein Schreiben, das in Timbuktu im Norden Malis aufgetaucht ist. Es stammt vom Anführer von Al-Kaida im Islamischen Maghreb. Ändert dieser seine Strategie?

In Nordmali ist ein Brief eines hohen Al-Kaida-Funktionärs über die Strategie der islamistischen Terroristen aufgetaucht. Das neunseitige Dokument liegt der Nachrichtenagentur AP vor. Es ist vom Anführer von Al-Kaida im Islamischen Maghreb, Abdelmalek Droukdel, unterzeichnet. Wissenschaftler halten das Schreiben für echt und für ausserordentlich aufschlussreich.

Aus dem Schreiben geht hervor, dass dem Terrornetzwerk vor der französischen Militärintervention Anfang Januar die eigene schwache Position bewusst war. Der Brief belegt zudem Meinungsverschiedenheiten im Führungskreis von Al-Kaida in Nordmali über die strikte Anwendung islamischen Rechts. So äusserte Droukdel Missfallen darüber, dass Frauen ausgepeitscht und in Timbuktu Heiligtümer zerstört wurden.

Ausserdem macht das Schreiben deutlich, dass Al-Kaida trotz des Rückzugs vor den vorrückenden französischen Truppen weiter in der Region aktiv bleiben will und dass die Terrorgruppe zu kurzfristigen ideologischen Zugeständnissen bereit ist, um Verbündete zu gewinnen.

«Dies ist ein Dokument, wie es noch nie gezeigt wurde»

Der Brief ist eines von ganz wenigen aufgetauchten internen Dokumenten des nordafrikanischen Ablegers von Al-Kaida. Möglicherweise ist es das erste überhaupt, das veröffentlicht wird, wie der Islamwissenschaftler der Universität von Toulouse Mathieu Guidère sagte. Er bestätigte die Echtheit des Papiers, das die Nummer 33/234 trägt.

«Dies ist ein Dokument der Islamisten, wie es noch nie der Öffentlichkeit gezeigt wurde», sagte Guidère. «Es bestätigt etwas sehr Wichtiges: Die Spaltung über die strategische Ausrichtung der Organisation. Es gab eine Debatte darüber, wie ein islamischer Staat in Nordmali errichtet werden und wie die Scharia umgesetzt werden sollte.» Das undatierte Schreiben wurde von AP-Reportern auf dem Boden eines Hauses gefunden, in dem Al-Kaida-Kämpfer mehr als einem Jahr gewohnt hatten. Es ist eine Art kritische Bestandsaufnahme der Aktivitäten der Dschihadisten in den vergangenen Monaten. So kritisiert Droukdel - eigentlich Abu Musab Abdul Wadud -, dass seine Kämpfer zu brutal vorgingen. Er mahnt zur Zurückhaltung, sonst könnte ihr ganzes Projekt in Gefahr sein.

Damit könnte das Schreiben auf eine Änderung in Droukdels Strategie hinweisen. Denn für die jetzt angemahnte Zurückhaltung ist er selbst bisher nicht bekannt. Vielmehr soll Droukdel die Planung zahlreicher Selbstmordattentate beaufsichtigt haben. Darunter ist auch der Anschlag auf ein UN-Gebäude und einen Regierungskomplex in Algier 2007. Damals starben 41 Menschen. Im selben Jahr erklärten ihn die USA zu einem globalen Terroristen und verboten Amerikanern, mit ihm Geschäfte zu machen. (sda)

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