Rumänien – Schweiz: Dominante Nati kommt nicht über 1:1 hinaus
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Rumänien – SchweizDominante Nati kommt nicht über 1:1 hinaus

Trotz klarem Chancenplus verpasst die Schweiz die vorzeitige Achtelfinal-Qualifikation. Admir Mehmedi trifft als Einziger gegen Rumänien.

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Samstag, 25. Juni 2016:Es hat nicht sollen sein: Die Nati verliert den EM-Achtelfinal gegen Polen mit 4:5 im Penaltyschiessen. Nach 120 Minuten stand es 1:1.

Samstag, 25. Juni 2016:Es hat nicht sollen sein: Die Nati verliert den EM-Achtelfinal gegen Polen mit 4:5 im Penaltyschiessen. Nach 120 Minuten stand es 1:1.

epa/Yuri Kochetkov
Im Elfmeterschiessen ist Yann Sommer zwar meist in der richtigen Ecke, aber dennoch ohne echte Abwehrchance. Grzegorz Krychowiak verwertet den fünften polnischen Penalty zum 5:4 für die glücklichere Mannschaft.

Im Elfmeterschiessen ist Yann Sommer zwar meist in der richtigen Ecke, aber dennoch ohne echte Abwehrchance. Grzegorz Krychowiak verwertet den fünften polnischen Penalty zum 5:4 für die glücklichere Mannschaft.

AP/Thanassis Stavrakis
Die Polen jubeln.

Die Polen jubeln.

AFP/Valery Hache

Der Auftritt war nicht wie erhofft gross, aber zunächst sehr gut, dann vorübergehend selbst verschuldet vor allem zwiespältig, und in der Schlussphase zumindest von der Leidenschaft beseelt, nach dem Comeback den kompletten Umschwung doch noch zu erzwingen.

Das Ziel, schon in Paris unter die Top 16 vorzustossen, hat das Schweizer Ensemble verpasst. Angesichts des zunächst unvorteilhaften Spielfilms ist der Punktgewinn indes als überaus akzeptables Ergebnis zu werten; zumal die Rumänen mehrheitlich auf eine ultra-defensive Taktik gesetzt hatten.

Mehmedis magischer Moment

Bis zur 57. Minute stürmte Vladimir Petkovics Equipe an, um das Penalty-Gegentor (18.) zu korrigieren. Nach dem siebten Cornerball fanden sie die Lösung, die beste Defensive der 53 EM-Kampagnen-Teilnehmer auszumanövrieren. Admir Mehmedi schloss ab, wie es sonst im Parc des Princes im Normalfall primär der PSG-Prinz Zlatan Ibrahimovic zu tun pflegte.

In jener grandiosen Szene war plötzlich wieder der selbstbewusste Mehmedi seiner besten Leverkusen-Tage zu sehen, als er in fünf Champions-League-Spielen vier Treffer markierte – und nicht mehr der zögernde, zauderne Aussenspieler, dem bei Bayer zuerst der Stammplatz und dann die Lust entglitten war.

Mehmedis Ausgleich ist noch nicht die Achtelfinal-Qualifikation wert, aber er dämmte mit seinem Tor die Gefahr markant ein, am letzten Spieltag in Lille gegen Frankreich womöglich noch schwer vom Kurs abzudriften.

Lichtsteiners Aussetzer

Die Richtung stimmte, der Aufwand der Schweizer ebenfalls, ihre Dominanz passte zur forschen Haltung, Rumänien überquerte in der Startphase kaum einmal die Mittellinie. Nur das erheblichste Detail beanspruchten die Osteuropäer für sich: Sie führten dank Bogdan Stancu (18.), der wie im Startspiel vom Elfmeterpunkt aus getroffen hatte.

Mit einem Griff ans Leibchen des auffälligen Bukarester Couloir-Sprinters Alexandru Chipciu verschaffte Stephan Lichtsteiner dem Aussenseiter einen Vorteil, der so unverhofft wie unnötig war. Zur Unzeit hatte der Juventus-Verteidiger im eigenen Strafraum einen Zweikampf verloren, den ein Spieler seiner Klasse nicht verlieren darf. Die missratene Intervention des Captains beeinträchtigte den Game-Plan erheblich, die Konter-Spezialisten standen zwischenzeitlich gar dicht vor dem 2:0 – Cristian Sapunaru setzte den Ball während einer temporären Konfusion an den Pfosten.

Schweizer Angriffswellen

Ein negatives Zwischenergebnis ist gegen einen unbequemen Kontrahenten wie Rumänien selbstredend nie auszuschliessen, aber zu rechnen war mit der ungemütlichen Situation nach dem wohl besten Schweizer Einstieg in eine Wettbewerbspartie seit Jahren definitiv nicht.

Eine Welle nach der anderen rollte in der ersten Viertelstunde auf das Tor des Fiorentina-Stammkeepers Ciprian Tatarusanu zu. Während zwei Dritteln der Spielzeit kontrollierte die SFV-Auswahl Ball und Gegner gleichsam.

Seferovics Flaute

Und immer wieder rückte dabei Haris Seferovic in den Brennpunkt, der kräftige, seit dem Jahreswechsel aber mehrheitlich glücklose Stürmer der Eintracht Frankfurt. Mit seinem einzigen Treffer innerhalb von sieben Monaten rettete er im Mai zwar seinen Club vor dem Fall in die Zweitklassigkeit, auf EM-Ebene hingegen reisst seine Flaute nicht ab.

Nach einem perfekten Zuspiel verschaffte sich Seferovic mit einer an sich guten Finte früh den Raum, um in Frankreich einen ersten Akzent zu setzen. In der 16. folgte seine fünfte gute Chance des Turniers – und das nächste persönliche Déjà-vu. Das Bemühen war ihm bis zur Auswechslung nicht abzusprechen, aber neben dem Flow fehlte im entscheidenden Moment die Vista, die Ruhe, unter Druck das Maximum zu generieren.

Mehmedi verhinderte mit seinem wunderbaren Schuss zwar, dass Seferovics ganz eigene Verzweiflung auf die gesamte Equipe übergriff. Aber die grassierende Torarmut des Frontmannes ist in der Gesamtabrechnung spürbar. Er allein hätte schon vor dem letzten Spieltag für klare Verhältnisse sorgen können.

Rumänien - Schweiz 1:1 (0:1)

Parc des Princes, Paris. - 43'576 Zuschauer. - SR Karasew (RUS). - Tore: 18. Stancu (Foulpenalty/Foul Lichtsteiner an Chipciu) 1:0. 57. Mehmedi (Djourou) 1:1.

Rumänien: Tatarusanu; Sapunaru, Chiriches, Grigore, Rat (62. Filip); Prepelita, Pintilii (46. Hoban); Torje, Stancu (83. Andone), Chipciu; Keserü.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Rodriguez; Behrami, Xhaka; Shaqiri (91. Tarashaj), Dzemaili (83. Lang), Mehmedi; Seferovic (64. Embolo).

Bemerkungen: Beide Teams komplett. 28. Pfostenschuss von Sapunaru. Verwarnungen: 22. Prepelita (Foul). 24. Chipciu (Foul). 37. Keserü (Foul). 50. Xhaka (Foul). 76. Grigore (Foul). 93. Embolo (Foul). (sda)

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