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Schweizer Tennis-TalentDominic Stricker wandelt auf den Spuren von Roger Federer

Die bisherige Karriere des Schweizer Tennisspielers Dominic Stricker erinnert an Roger Federer und Stan Wawrinka. Mit gleichem Ausgang?

von
Eva Tedesco
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Dominic Stricker 
gehört zusammen mit Leandro Riedi und Jérôme Kym zu den Hoffnungen von Swiss Tennis, die einst in die Fussstapfen von Roger Federer und Stan Wawrinka  treten könnten.

Dominic Stricker
gehört zusammen mit Leandro Riedi und Jérôme Kym zu den Hoffnungen von Swiss Tennis, die einst in die Fussstapfen von Roger Federer und Stan Wawrinka treten könnten.

Urs Lindt/freshfocus
Der 18-jährige Stricker gewann nach dem Einzel- auch noch den Doppeltitel der Junioren am French Open 2020 in Roland Garros.

Der 18-jährige Stricker gewann nach dem Einzel- auch noch den Doppeltitel der Junioren am French Open 2020 in Roland Garros.

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Im ersten Schweizer Grand-Slam-Final war sein Freund Leandro Riedi aus Bassersdorf sein Gegner.  

Im ersten Schweizer Grand-Slam-Final war sein Freund Leandro Riedi aus Bassersdorf sein Gegner.

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Darum gehts

  • Dominic Stricker zählt zu den grössten Tennis-Hoffnungen in der Schweiz.

  • Die Juniorenzeit ist vorbei und der Berner muss nun im Erwachsenen-Tennis Fuss fassen.

  • Der Weg ist steinig, aber Stricker findet das motivierend.

Trotz Corona-Pandemie war 2020 ein Spitzenjahr für Dominic Stricker. Es begann mit einer Einladung von Roger Federer zu einer Trainingswoche in Dubai. Dann gewann der Berner Anfang Oktober im Einzel und Doppel die Juniorentitel am French Open – erstmals seit Stan Wawrinka 2003. Den Schlusspunkt setzt nun die Nomination für den Nachwuchspreis «Best Talent Sport», der am kommenden Sonntag auf SRF vergeben wird.

Klar schürt Stricker mit solchen Ausrufezeichen die Hoffnung, einst der nächste Federer oder Wawrinka zu werden. Aber nur die wenigsten Junioren schaffen den Durchbruch und eine Platzierung unter den besten 100 der Welt. An diesem Scheideweg steht nun auch der 18-Jährige.

Stricker darf ab der kommenden Saison nicht mehr an Juniorenturnieren antreten. Statt als Nummer 3 des ITF-Juniorenrankings startet er als Nummer 1159 bei den Erwachsenen quasi bei null und muss sich im ATP-Ranking an kleinen Turnieren nach oben kämpfen. «Obwohl es sehr schwierig wird, das ist mir bewusst, freue ich mich sehr, zu den Erwachsenen zu gehören und zu zeigen, was ich draufhabe», sagt Stricker.

Im Tennis ist er auf sich gestellt

Der Schritt sei gewaltig. «Verreckter noch als im Fussball», so der Sohn eines Polizisten. Im Fussball sei der Schritt von der U-21 zu den Profis wohl auch nicht einfach, aber man könne einen Jungen langsam im Team einbauen. Unerfahrenheit wird von den Routiniers ausgeglichen, und der Club begleitet die jungen Kicker von A bis Z. Im Tennis ist der Junior auf dem Platz auf sich gestellt. «Cool», findet Stricker, dass es inzwischen für junge Tennisspieler Wild Cards für Erwachsenen-Turniere gibt, um den Einstieg zu ermöglichen.

Henri Laaksonen brauchte 2010 und 2011 beispielsweise vier Wild Cards, um in der Future-Kategorie Fuss zu fassen. Und auch Roger Federer profitierte einst, als er 1999 in Marseille einen «Freifahrtschein» bekam und dann Carlos Moya bezwang, damals die Nummer 5 und spätere Nummer 1 der Welt. Nach einem weiteren Sieg holte er sich insgesamt 89 ATP-Punkte und verbesserte sich innert einer Woche von Platz 243 auf 178.

Ehrenamtlich vom Schuhmacher bis zum Chiropraktiker

Aber im Tennis ist die Leistungsdichte gross, und vor allem ist man im Einzelsport mehr auf sich gestellt. Zwar begleitet Swiss Tennis seine Talente länger und stellt auch finanzielle Mittel für die Entwicklung bereit, aber der Sport ist kostenintensiv. Rund 100 Leute packen an, damit sich Stricker auf seine Karriere konzentrieren kann.

Vor allem Familie, Verwandte und Sponsoren helfen, aber auch der Schuhmacher von Grosshöchstetten, der gratis Einlagen fertigt, oder der Physiotherapeut und ein Chiropraktiker, die Stricker unentgeltlich behandeln. «Ich bin sehr dankbar und hoffe, dass ich diesen Menschen einst etwas zurückgeben kann», sagt der 18-Jährige. Wie, darüber macht er sich aber noch keine Gedanken. Erst muss er versuchen, sich bei den Erwachsenen in der Hierarchie hochzuarbeiten.

Die Tipps von Roger Federer

Wie gross der Schritt vom Junioren- zum Elitetennis ist, erfuhr Stricker im Januar im Training mit Roger Federer. Er erlebte, wie professionell und hart der Ausnahmesportler trainiert. Die Tipps vom «Maestro» hat sich Stricker zu Herzen genommen. «Er sagte mir, dass ich an meinem Service arbeiten müsse. Das versuche ich seither in meinem Trainingsalltag einzubauen. Aber es fehlt schon noch ein Stück», sagt er lächelnd und selbstkritisch. Einen weiteren Eindruck, wie viel tatsächlich noch fehlt, bekam er auch im November in London.

Auf Einladung der ATP durfte der Berner an die ATP-Finals reisen und dort mit Dominic Thiem, Stefanos Tsitsipas und auch mit dem späteren Sieger Daniil Medwedew trainieren. Die Intensität und das Tempo, mit dem die Profis loslegten, sei gewaltig gewesen, schildert Stricker sein Erlebnis.

Zudem haben Federer, Wawrinka und Martina Hingis die Messlatte im Schweizer Spitzentennis hoch gelegt. Mit dem Druck, als Schweizer Hoffnung zu gelten, kann er gut leben. «Einen wie Federer wird es meiner Ansicht nie mehr geben. Und ich spüre auch keinen Druck. Für mich ist das eher motivierend.» Wie die Nomination für den Nachwuchspreis an den Sports Awards. Auch bei der Sportlerwahl des Jahres ist Federer ein Vorbild: mit insgesamt sieben Auszeichnungen.

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3 Kommentare
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Johnny 3

11.12.2020, 05:07

Da kommt was nach im Schweizer Tennis und das ist gut. Wer die French Open der Junioren gewinnt, hat definitiv was drauf! Er hat zweifellos viel Potential und ein gutes Händchen, muss nun aber beweisen, dass er auch das Talent zum harten Training und Durchhaltewillen hat. Das Schweizer Tennis braucht die neue Generation; mit Leandro Riedi ist noch ein zweiter Top-Junior in den Startlöchern - auf geht’s und viel Glück!

Anna Domina

10.12.2020, 19:26

also ein Schlafwandler.

Basler Bär

10.12.2020, 18:05

Wenn er nur annähernd so viele Titel wie Roger Federer gewinnen würde wäre das schon fast peRFect 👍