«Macht mich unglaublich wütend» : Dominique Rinderknecht wehrt sich auf Instagram gegen sexuelle Belästigung
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«Macht mich unglaublich wütend» Dominique Rinderknecht wehrt sich auf Instagram gegen sexuelle Belästigung

Die ehemalige Miss Schweiz Dominique Rinderknecht hat auf Instagram zwei Männer angeprangert, die ihr sexistische und unangebrachte Kommentare geschickt haben. Ihr Ziel: Männer, die solche Nachrichten verschicken, sollen ihr Verhalten ändern.

von
Reto Heimann
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Dominique Rinderknecht lässt ihrem Wut auf Instagram freien Lauf.

Dominique Rinderknecht lässt ihrem Wut auf Instagram freien Lauf.

Instagram dominique_rinderknecht
Sie wehrt sich gegen männliche User, die sie auf Instagram sexuell belästigen – und teilt deren Nachrichten unanomyisiert.

Sie wehrt sich gegen männliche User, die sie auf Instagram sexuell belästigen – und teilt deren Nachrichten unanomyisiert.

Instagram dominique_rinderknecht
«Grusigi Sieche» seien das, so das Verdikt von Rinderknecht.

«Grusigi Sieche» seien das, so das Verdikt von Rinderknecht.

Instagram dominique_rinderknecht

Darum gehts

  • Dominque Rinderknecht wehrt sich auf Instagram gegen die sexuellen Belästigungen, die ihr dort von männlichen Usern immer wieder widerfahren.

  • Schon seit Jahren engagiert sie sich gegen Diskriminierung von Frauen und Sexismus. Nun geht sie einen Schritt weiter: Sie veröffentlicht die Nachrichten mit vollem Namen.

  • Rinderknecht hofft, dass die betreffenden Männer ihr Verhalten verändern – und sich Frauen mehr zur Wehr setzen.

«So, jetzt habe ich die Schnauze voll…voilà!» So eröffnet Dominique Rinderknecht eine kürzlich auf ihrem Instagram-Account veröffentlichte Story. Das Thema dieser Story: Die sexuellen Belästigungen, die sie in Form von ungefragten und unangebrachten Kommentaren von männlichen Nutzern immer wieder erhält.

So schreibt ihr ein User sinngemäss, dass sie kaum mehr laufen werde können, nachdem sie von ihm «gef…» worden sei. Ein anderer User fragt Rinderknecht ganz unverblümt, ob sie Lust auf sein Geschlechtsteil habe. Rinderknecht sagt, dass sie ständig solche Nachrichten bekomme – die von ihr nun öffentlich gemachten seien nicht einmal die schlimmsten.

Das betreffe aber nicht nur sie als Frau, die in der Öffentlichkeit steht: «Ich kenne keine Frau, die nicht regelmässig solche Nachrichten bekommt», so die 31-Jährige. Sie wisse aus ihrem direkten Umfeld, dass Männer, die für solche Nachrichten verantwortlich sind, nicht mal davor Halt machen, sie an Minderjährige zu verschicken.

«Solche Nachrichten reissen mich aus dem Alltag»

Rinderknecht engagiert sich schon lange gegen Diskriminierung, sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt an Frauen. Der Entscheid, die jüngste Story zu posten, sei spontan gefallen, sagt sie: «Wenn ich eine solche Nachricht erhalte, reisst mich das jedes Mal aus dem Alltag», sagt sie. Als sie nun heute innert Kürze zwei solche Nachrichten erhalten habe, habe sie sich entschieden, eine Story zu machen: «Mir isch de Lade abe», sagt sie. «So geht das einfach nicht.»

Das Spezielle an Rinderknechts Story: Sie zeigt die sexuell belästigenden Nachrichten, die sie erhält, ohne dabei die jeweiligen User zu anonymisieren. Ein bewusster Schritt: «Ich bin auch im richtigen Leben direkter geworden, wenn ich finde, jemand verhält sich gegenüber einer Frau deplatziert», so Rinderknecht.

Zwar erfahre das Thema sexuelle Belästigung und Diskriminierung gegenüber Frauen immer mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, aber: «Vieles wird immer noch unter den Teppich gekehrt. Und das macht mich unglaublich wütend», sagt Rinderknecht.

Männer sollen Verhalten überdenken

Nun hofft sie, dass ihre Posts etwas auslösen. «Ich hoffe, dass Männer, die vielleicht auch schon solche sexuellen Belästigungen verschickt haben, ihr Verhalten überdenken», umschreibt Rinderknecht ihr Ziel. «Auch wäre es schön, wenn Frauen durch meinen Post mutiger werden, sich mehr gegen solche Typen zu wehren», hofft Rinderknecht.

Das Thema gehe auch Männer an, findet Rinderknecht. Schliesslich würden diese ja in ein schlechtes Licht gerückt durch das Verhalten einiger weniger. «Umso mehr hoffe ich, dass sich auch Männer gegen solche Posts zur Wehr setzen», sagt Rinderknecht. Es sei wichtig, dass sich auch Männer gegen Sexismus und für die Gleichstellung von Frauen einsetzen: «Viele Männer sind Feministen. Sie machen bloss den Mund zu wenig auf», sagt Rinderknecht.

Sie habe bisher nur positive Reaktionen auf ihre Story erhalten, sagt Rinderknecht. «Ich erreiche auf Social Media mehr Leute als vielleicht andere Frauen. Darum freuen sich viele, wenn ich mich für die Thematik einsetze», sagt Rinderknecht. Von den zwei von ihr angeprangerten Männern hat sie noch nichts gehört. Rinderknecht würde sich eine Entschuldigung wünschen. Und hat eine klare Botschaft an die zwei: «Schämt euch! Blöderweise werdet ihr dieses Mal nicht durch die Anonymisierung geschützt.»

Wirst du oder jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

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