Aktualisiert 05.07.2016 06:31

«Es gibt Grenzen»

Dominique Rinderknecht wird gestalkt

Stalking auf Social Media ist weit verbreitet. Auch
Model Dominique Rinderknecht kennt dieses Phänomen.

von
Monika Rufener
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Stars wie Mila Kunis, Madonna oder Robbie Williams: Sie alle mussten bereits Erfahrungen mit liebeskranken Stalkern machen. Auch Dominique Rinderknecht kann inzwischen ein Lied ­davon singen. Die 26-Jährige wird vor allem über die sozialen Medien verfolgt.

Stars wie Mila Kunis, Madonna oder Robbie Williams: Sie alle mussten bereits Erfahrungen mit liebeskranken Stalkern machen. Auch Dominique Rinderknecht kann inzwischen ein Lied ­davon singen. Die 26-Jährige wird vor allem über die sozialen Medien verfolgt.

Amandanikolic.com
Die Zürcherin liebt eigentlich den Kontakt zu ihren Fans und ist gerne die nahbare Ex-Miss-Schweiz, ...

Die Zürcherin liebt eigentlich den Kontakt zu ihren Fans und ist gerne die nahbare Ex-Miss-Schweiz, ...

Keystone/Anthony Anex
...wie hier am Suppentag der Schweizer Tafeln auf dem Paradeplatz in Zürich im November 2015.

...wie hier am Suppentag der Schweizer Tafeln auf dem Paradeplatz in Zürich im November 2015.

Keystone/Anthony Anex

Politiker fordern in der Schweiz schon seit Jahren mehr Schutz für Stalking-Opfer. Bis anhin stellt jedoch Stalking hierzulande noch keinen eigenen Straftatbestand dar. Ex-Miss-Schweiz Dominique Rinderknecht weiss, wie es sich anfühlt, wenn Fanliebe zu weit geht. «Es ist kein Problem, wenn manche Fans zu jeder Autogrammstunde kommen und ich stehe auch grundsätzlich gerne für Fotos zur Verfügung», sagt die 26-Jährige zu 20 Minuten. «Doch es gibt Grenzen.»

Gemäss Brigitte Knüsel von der Fachstelle Stalking-Beratung Bern beginnt Stalking dann, wenn ein Täter wiederholt versucht, in irgendeiner Art gegen den Willen des Opfers Kontakt herzustellen, aufrechtzuerhalten und nicht abzubrechen. Bei Dominique findet die Kontaktaufnahme oft via Social Media statt. Dort wird sie von teilweise liebeskranken Fans immer wieder angeschrieben.

Stalking-Expertin rät, die Polizei einzuschalten

Trauriger Höhepunkt: Ein Stalker drohte in einem Liebeslied für Dominique ihrem langjährigen Freund Goek Guersoy mit dem Tod. Zuvor hatte der junge Mann vor allem auf ihrer Facebook-Fanseite mit anstössigen Kommentaren unter ihren Fotos gewütet. «Ich habe ihn dann blockiert. Ich wollte nicht, dass meine jüngeren Fans diese Schweinereien lesen müssen», sagt die Zürcherin. Sie hat sich dazu entschieden, solche Kommentare zu ignorieren.

Laut Stalking-Expertin Knüsel ein probates Mittel im Umgang mit Stalkern. Trotzdem: «Im Zusammenhang mit der Todesdrohung an ihren Freund würde ich Frau Rinderknecht auf jeden Fall dazu raten, die Polizei einzuschalten.»

Tipps für Opfer

Laut den Beratungsstellen sind meist Männer Täter. Bei rund drei Viertel der Stalking-Opfer handle es sich um Frauen, sagt Thomas Gall, stellvertretender Geschäftsleiter der Opferhilfe beider Basel. Die Fachstelle Stalking der Stadt Bern verzeichnete bei den 159 gemeldeten Opfern einen weiblichen Anteil von 78 Prozent. Die Männer machten lediglich 22 Prozent aus. «Das deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien», sagt Natalie Schneiter.

Pia Allemann, Geschäftsleiterin der Beratungsstelle für Frauen gegen Gewalt in Ehe und Partnerschaft, rät, den Kontakt zum Stalker absolut zu vermeiden und sich gedanklich von ihm zu befreien. «Es hilft, wenn die Opfer die E-Mails und SMS nur jeden vierten Tag anschauen oder eine Kollegin bitten, dies zu tun.» Wichtig sei, dass die Opfer ihr Umfeld informierten. Auf keinen Fall sollten die Betroffenen Beweismittel vernichten. Allemann empfiehlt zudem, Tagebuch zu führen.

«Die Opfer sollen sich auf keinen Fall einschüchtern lassen», rät Carlo Häfeli, Präsident der Opferhilfe Weisser Ring. Auch empfiehlt er, auf die Aktionen des Stalkers wenn möglich nicht zu reagieren. «Am besten ist, wenn sie den Stalker richtig leerlaufen lassen und ihren Lebensalltag nicht ändern.»

Angezeigt werden könnten Täter nur, wenn ein konkreter strafrechtlicher Tatbestand vorliege, sagt Natalie Schneiter, Beraterin und Sozialarbeiterin der Fachstelle Stalking der Stadt Bern.

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