Präsidenten unter sich: Donald meets Alain – lesen Sie das Gespräch
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Präsidenten unter sichDonald meets Alain – lesen Sie das Gespräch

Am WEF möchte Bundesratspräsident Alain Berset Donald Trump empfangen. Wir haben schon mal skizziert, wie das Gespräch ablaufen könnte.

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pam/the/dp
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Wie würde ein Gespräch zwischen Donald Trump und Bundespräsident Alain Berset am WEF ablaufen? 20 Minuten hat ein fiktives Gesprächsprotokoll erstellt. Das Bild oben ist natürlich bearbeitet.

Wie würde ein Gespräch zwischen Donald Trump und Bundespräsident Alain Berset am WEF ablaufen? 20 Minuten hat ein fiktives Gesprächsprotokoll erstellt. Das Bild oben ist natürlich bearbeitet.

epa/Florian Wieser / 20 Minuten
Anlässlich des World Economic Forum möchte Donald Trump in die Schweiz reisen und sein «America First»-Programm vorstellen.

Anlässlich des World Economic Forum möchte Donald Trump in die Schweiz reisen und sein «America First»-Programm vorstellen.

AP/Andrew Harnik
In einem solchen «Bilateral Room» am WEF könnte das Gespräch stattfinden.

In einem solchen «Bilateral Room» am WEF könnte das Gespräch stattfinden.

Keystone/Laurent Gillieron

Alain Berset: Hello Mr. President, welcome to Switzerland.

Donald Trump: Hi Alain ... what was your second name again? Müssten Sie nicht Alan heissen? Egal! Diese Landschaft ist atemberaubend. So nice! Und ich mag Ihre Schokolade. Wussten Sie, dass ich meinen eigenen Schokoladenkuchen kreiert habe? Beautiful!

Trump setzt zu seinem charakteristisch festen Händedruck an, zieht Berset zu sich, und die beiden lächeln in die Kameras. Ein Mitarbeiter zieht die cremefarbenen Vorhänge vor dem Zimmer zu, die Tür wird geschlossen.

Trump: Wissen Sie, meine Tochter Ivanka empfing kürzlich einen Schweizer Minister im Weissen Haus. Irgendetwas mit Bildung. Wie heisst Ihr Minister dafür nochmals?

Berset: Johann Schneider-Ammann.

Trump: Exactly. Eure duale Berufsbildung ist grossartig. So was brauchen wir auch. Ich sorge dafür, dass wir unsere Bildung noch greater machen.

Berset: Die Schweiz ist natürlich gerne bereit, Ihnen dazu unser Know-how zur Verfügung zu stellen.

Trump: Great. Meine Tochter Ivanka und ihr Mann Jared lieben es, Ski zu fahren. Ich bin eher der Golf-Typ. Ich denke darum, dass ich nicht das letzte Mal in der Schweiz war. Die Schweizer sind wunderbare Leute. Es ist wunderschön hier. Awesome.

Berset: Der Bundesrat würde sich freuen, Sie empfangen zu dürfen, auch zu einem Ausflug in die Berge. Sport ist wichtig, das sage ich auch als Gesundheitsminister. Ich gehe zweimal wöchentlich joggen.

Trump: Sie sind nicht nur Präsident, sondern auch noch Gesundheitsminister? Euer System ist wirklich speziell.

Die Tür geht auf. Herein kommt eine junge, hübsche Mitarbeiterin Bersets.

Mitarbeiterin: Hello, Mr. President. Alain, ich wollte nur sagen, dass wir schon etwas spät dran sind. Emmanuel wartet schon.

Trump: Oh honey, you can call me Donald. Wieso bleibst du nicht noch ein bisschen bei uns? Ist Alain ein guter Chef? Ich behandle alle meine Mitarbeiterinnen sehr, sehr gut. Sehr gut. Egal, was die Fake-News-Medien berichten. Niemand respektiert Frauen mehr als ich.

Die Mitarbeiterin errötet und blickt flehend Berset an.

Berset: Danke, Jeanette. Ich werde wohl noch eine Weile mit dem US-Präsidenten sprechen, da muss sich Macron gedulden.

Mitarbeiterin verlässt den Raum.

Trump: Oh, Alain. Du hast wirklich Glück mit den Swiss Girls. Ich habe 2013 Miss Switzerland Dominique getroffen und ihr gesagt, wie wunderbar sie aussehe und dass sie eine very strong personality habe. 2006 habe ich auch Lauriane an den Miss-Universe-Wahlen in Los Angeles kennen gelernt.

Berset: Die Miss-Schweiz-Wahlen wurden leider abgeschafft. Und Donald, ich bin verheiratet. Und treu. Ich würde gerne noch auf Ihre Steuerreform zu sprechen kommen. Die Kürzung der US-Unternehmenssteuern könnte in der Schweiz ansässige US-Konzerne in die USA locken.

Trump: Ich muss Ihnen sagen, eine solche Reform gab es seit Jahrzehnten nicht. Und jetzt habe ich es geschafft. Die Firmen sollen in die USA kommen und auch dort bleiben. Aber ich verstehe Ihre Bedenken, Alain. Wir finden eine Lösung, wie damals beim Bankgeheimnis.

Berset: Amerikanische Konzerne in der Schweiz erwirtschaften acht Prozent unseres Bruttoinlandprodukts. Einen Austausch darüber, wie wir diese Stellen erhalten können, würde ich begrüssen.

Trump: Natürlich. Ich habe grössten Respekt für die politische Stabilität der Schweiz und eure Wirtschaftskraft. Ich glaube, wir sind ein grossartiges Team. Übrigens: Meine Berater sagten mir, dass die USA jährlich Waren für 24 Milliarden Franken in die Schweiz exportieren. Die Schweiz ist mir wichtig. Very, very important. Warten Sie, ich twittere das gleich. Falls Sie es noch nicht wissen, ich bin ein very big deal auf Twitter. Ich habe so viele Follower. Millionen über Millionen. 46,4 Millionen, um genau zu sein. Wie viele haben Sie?

Berset: Ich weiss nicht. Ich glaube, es sind 80'000. Aber zurück zur Wirtschaftspolitik, Mr. President. Ich wollte anmerken: Auch der amerikanische Markt ist für die Schweiz zentral. 500 Schweizer Unternehmen sind in den USA tätig. Ihre Abschottungspolitik ist für uns nicht unproblematisch.

Trump: «America First» ist ein grossartiges Programm, glauben Sie mir. Zwar bezeichnen es die Mainstream-Medien als Abschottungsprogramm. Fake News! Es geht darum, dass die USA die Regeln des Handels bestimmen. Freihandel nach amerikanischem Modell.

Trump: Oh, es ist schon spät. Nimmt noch ein Praliné.

Berset: Es hat mich sehr gefreut, Mr. President.

Trump: It was a pleasure, Alan.

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