16.10.2020 18:11

«Twitter-Chef Dorsey demolierte alle Computer»Donald Trump fällt auf Satire herein

In einem Bericht des Satiremagazins «Babylon Bee» heisst es, Twitter-Chef Jack Dorsey habe seine Server mit einem Vorschlaghammer demoliert. Donald Trump hielt das offenbar für wahr. Jedenfalls teilte er den Artikel im Netz.

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Nachdem Twitter kurzzeitig ausgefallen war, fand Donald Trump die angebliche Erklärung dafür bei «The Babylon Bee» – das sich selbst als das «weltbeste Satiremagazin» bezeichnet.

Nachdem Twitter kurzzeitig ausgefallen war, fand Donald Trump die angebliche Erklärung dafür bei «The Babylon Bee» – das sich selbst als das «weltbeste Satiremagazin» bezeichnet.

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In dem Satire-Bericht hiess es unter anderem, dass Twitter-Chef Jack Dorsey alle seine Server mit einem Vorschlaghammer zerstört habe, um negative Berichterstattung über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden zu unterbinden. 

In dem Satire-Bericht hiess es unter anderem, dass Twitter-Chef Jack Dorsey alle seine Server mit einem Vorschlaghammer zerstört habe, um negative Berichterstattung über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden zu unterbinden.

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Darauf teilte der US-Präsident den Artikel auf Twitter und schrieb dazu:  «Twitter legt sein gesamtes Netzwerk lahm, um die Verbreitung negativer Biden-Nachrichten zu verlangsamen. Wow, das gab es noch nie in der Geschichte!»

Darauf teilte der US-Präsident den Artikel auf Twitter und schrieb dazu: «Twitter legt sein gesamtes Netzwerk lahm, um die Verbreitung negativer Biden-Nachrichten zu verlangsamen. Wow, das gab es noch nie in der Geschichte!»

US-Präsident Donald Trump ist auf einen Artikel von «The Babylon Bee» reingefallen, der nach eigenen Angaben «weltbesten Satire-Site». Darin wird behauptet, dass Twitter komplett abgeschaltet worden sei, um die Verbreitung eines negativen Berichts über seinen Herausforderer Joe Biden zu stoppen. Tatsächlich war Twitter in der Nacht zum Freitag kurzzeitig ausgefallen.

«Wow, das gab es noch nie in der Geschichte», kommentierte Trump in einem Tweet (siehe Bildstrecke). «Lenkt mehr Aufmerksamkeit auf den schläfrigen Joe und Big T.» Mit «Big T» meinte er nicht sich selbst, sondern «Big Tech», die grossen Technologie-Konzerne, denen Trump und andere Republikaner vorwerfen, konservative Ansichten zu zensieren.

«Der Twitter-Chef Jack Dorsey begann, Computer zu demolieren»

Trump verlinkte in seinem Tweet den Bericht der Satire-Website «Babylon Bee», der den kurzzeitigen Twitter-Ausfall behandelt. Dort hiess es unter anderem, Twitter-Chef Jack Dorsey «rannte die Treppe runter und begann, so viele Computer zu demolieren, wie er nur konnte. Da der Vorschlaghammer so schwer war, bat er andere um Hilfe. Aber keiner der Programmierer konnte den Hammer heben. Schliesslich gelang es ihnen, einen Roboter zu programmieren, der den Vorschlaghammer heben und alle Server zerstören konnte.»

Die Satire knüpfte an Ereignisse vom Mittwoch an: Twitter blockierte Links zu einem Artikel der «New York Post», in dem es um ein angebliches E-Mail von Bidens Sohn Hunter ging («Ein Hack and Leak?» Hier zum nachlesen). Der Onlinedienst begründete die Sperrung des Artikels damit, dass darin auch Dokumente mit persönlichen Daten wie E-Mail-Adressen abgebildet waren.

Die Reaktionen auf Trumps Retweet waren durchzogen von Häme und Spott. «Oh Gott, er meint, das sei wahr», schreibt ein User etwa. Ein anderer: «Der US-Präsident kennt den Unterschied zwischen Satire und echten Nachrichten nicht. Helft uns!» Oder auch: «Wenn es schon ‹Babylon Bee› gelingt, den Präsidenten der Vereinigten Staaten hereinzulegen, wie schwer war es dann für Russland, Nordkorea und China?»

Satiremagazin ist Trumps «vertrauenswürdigste Nachrichtenquelle»

Trumps Tweet kam, einen Tag nachdem der US-Präsident bei einer im Fernsehen übertragenen Fragestunde mit Wählern seine rege Twitter-Aktivität hatte verteidigen müssen. Moderatorin Savannah Guthrie sprach ihn etwa auf seinen Retweet der Behauptung an, dass US-Soldaten nur den Doppelgänger des Top-Terroristen Osama bin Laden getötet hätten. Trump verwies darauf, dass dies nur ein Retweet gewesen sei und sich jeder seine eigene Meinung bilden könne. Guthrie konterte: «Sie sind der Präsident, Sie sind nicht der verrückte Onkel von irgendjemandem.»

Der «besten Satire-Site der Welt» hat Trump unterdessen Stoff für den nächsten Artikel geliefert: «Präsident Trump erklärt ‹The Babylon Bee› zu seiner vertrauenswürdigsten Nachrichtenquelle», verkündete die Website stolz am Freitag.

(SDA/kle)

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