Wahlumfrage in New York: «Donald Trump verachtet alles, was er nicht mag»

Aktualisiert

Wahlumfrage in New York«Donald Trump verachtet alles, was er nicht mag»

Vor den Primärwahlen sind in New York die Meinungen gemacht – vor allem zu Trump und Sanders, wie 20 Minuten in einer Umfrage feststellte.

von
Martin Suter

An drei Schauplätzen in New York City befragte 20 Minuten Bürgerinnen und Bürger zu den Primärwahlen.

Von allen Kandidierenden in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen polarisiert niemand so sehr wie Donald Trump. Zu dem Bauunternehmer und Reality-Star haben in dessen Heimat New York alle etwas zu sagen – und oft nichts Positives. Trotzdem wird er allen Voraussagen nach in den Primärwahlen von heute Dienstag mehr Stimmen machen als alle anderen republikanischen Kandidaten.

Um die Stimmung in der grössten US-Metropole zu erkunden, besuchte 20 Minuten drei Schauplätze. Vor dem Trump Tower an der 5th Avenue in Manhattan befragte das Videoteam eine Pro-Trump-Demonstrantin, die sich von dem Politnovizen wahre Wunder erhofft. Alle anderen Passanten vor der goldenen Eingangstür äusserten sich jedoch sehr negativ über Trump. «Er verachtet alles, was er nicht mag, zum Beispiel Muslime», kritisierte eine Frau mit Kopftuch aus Kuwait.

Im Hotel Sheraton New York gaben Afroamerikaner Auskunft, die an der Jahreskonferenz der Bürgerrechtsorganisation National Action Network auf eine Rede der früheren Aussenministerin, Senatorin und First Lady Hillary Clinton warteten. Gestandene Aktivisten der von Reverend Al Sharpton geleiteten Gruppierung waren zumeist im Lager Clintons. «Sie ist so qualifiziert, dass ich sie anstellen würde», sagte ein Wohnungsmakler mit breitkrempigem Hut. Doch viele jüngere Teilnehmer outeten sich als Anhänger von Senator Bernie Sanders.

«Nie einen so mutigen Politiker erlebt»

Der 74-jährige Sozialist wird vor allem wegen seiner angeblichen Ehrlichkeit geschätzt – und weil er dem grossen Geld in der Politik den Kampf angesagt hat. An einer Openair-Veranstaltung im traditionsreichen Washington Square Park in Greenwich Village nahmen über 20'000 Fans teil. «Nie habe ich zu Lebzeiten einen so mutigen Politiker erlebt», sagte eine Frau. Eine andere, jüngere Frau lobte Sanders' Authentizität.

Was die Vorwahlen angeht, sind in New York im wesentlichen zwei Fragen offen. Bei den Republikanern ist unklar, ob Trump alle Delegierten einsammeln kann oder ob der weit abgefallene Senator Ted Cruz aus Texas oder Ohios Gouverneur John Kasich die eine oder andere Delegiertenstimme holen wird. Auf jeden Fall wird Trump seinen Vorsprung ausbauen können.

Bei den Demokraten steht Hillary Clintons Sieg gemäss Umfragen nicht wirklich zur Debatte. Aber wenn Bernie Sanders nahe an die führende Kandidatin herankommen würde, wäre das schon eine herbe Schlappe für die ehemalige Aussenministerin.

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