Selenski deutet Einlenken an – «Donbass-Rückeroberung würde den Dritten Weltkrieg auslösen»

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Selenski deutet Einlenken an«Donbass-Rückeroberung würde den Dritten Weltkrieg auslösen»

In den Verhandlungen über ein Ende des Kriegs in der Ukraine will die Regierung in Kiew die Frage der von Russland geforderten Neutralität des Landes «gründlich» prüfen. Dies sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski am Sonntag.

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Ukraine-Präsident Wolodimir Selenski deutet an, eine künftige Neutralität seines Landes prüfen zu wollen.

Ukraine-Präsident Wolodimir Selenski deutet an, eine künftige Neutralität seines Landes prüfen zu wollen.

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Die Ukraine würde bei einem solchen Neutralitätsmodell auf einen Beitritt zur Nato verzichten müssen, was Selenski aber bereits in Aussicht gestellt hat.

Die Ukraine würde bei einem solchen Neutralitätsmodell auf einen Beitritt zur Nato verzichten müssen, was Selenski aber bereits in Aussicht gestellt hat.

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Eine Neutralität der Ukraine ist eine der Hauptforderungen von Russlands Präsident Wladimir Putin in den Verhandlungen über einen Waffenstillstand.

Eine Neutralität der Ukraine ist eine der Hauptforderungen von Russlands Präsident Wladimir Putin in den Verhandlungen über einen Waffenstillstand.

via REUTERS

Darum gehts

  • Die Ukraine und Russland wollen in der Türkei ihre Verhandlungsgespräche fortsetzen.

  • Selenski deutet bei der von Russland geforderten Neutralität der Ukraine ein Einlenken an. Ebenso scheint die Ukraine auf eine Rückeroberung der Donbass-Region verzichten zu wollen.

  • Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes fürchtete unterdessen eine Teilung der Ukraine ähnlich wie bei Nord- und Südkorea.

Die Ukraine und Russland wollen am Montag oder Dienstag eine neue Verhandlungsrunde in Istanbul starten.  Dabei soll es auch um die Donbass-Region und eine künftige Neutralität der Ukraine gehen. «Dieser Punkt der Verhandlungen ist für mich verständlich und er wird diskutiert, er wird gründlich geprüft», sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski in einem Interview mit mehreren russischen Medien. Eine Neutralität der Ukraine ist eine der russischen Hauptforderungen in den Verhandlungen über einen Waffenstillstand. Der Kreml hatte unlängst das Modell Schwedens oder Österreichs als mögliches Vorbild genannt. Die Ukraine würde bei einem solchen Neutralitätsmodell auf einen Beitritt zur Nato verzichten müssen, was Selenski aber bereits in Aussicht gestellt hat.

Der ukrainische Präsident warnte allerdings vor einer Einigung «im Stil der Budapester Memoranden». 1994 hatten sich Russland und drei weitere Ex-Sowjetrepubliken, darunter die Ukraine, auf eine Abgabe der sowjetischen Atomwaffen an Russland unter der Bedingung von russischen Sicherheitsgarantien für die anderen Länder geeinigt. Ein neues Abkommen zwischen den Kriegsparteien müsse zudem «zwingend von den Parlamenten der Garantiestaaten ratifiziert werden», forderte Selenski, der auch die Absicht einer Volksabstimmung über ein Friedensabkommen bekräftigte.

«Rückeroberung der Donbass-Gebiete würde Dritten Weltkrieg auslösen»

Der ukrainische Staatschef erklärte ausserdem, dass ein Sieg für die Ukraine darin bestünde, wenn sich die russischen Truppen in die von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebiete im Osten «zurückziehen». «Von dort aus werden wir versuchen, die Donbass-Frage zu lösen», sagte Selenski, der betonte: «Wir verstehen, dass es unmöglich ist, das Gebiet vollständig zu befreien.» Eine Rückeroberung der Gebiete würde «den Dritten Weltkrieg» auslösen. Selenski zufolge sind bereits «etwa» 20’000 Menschen in dem Krieg gestorben.

Die russische Medienaufsicht Roskomnadsor warnte die Medien vor einer Ausstrahlung des Interviews und drohte mit der Einleitung von «Ermittlungen und Massnahmen».

Verhandlungen finden in der Türkei statt

Unterdessen vereinbarten die Kriegsparteien in ihren Gesprächen per Videokonferenz, «die nächste Runde in Präsenz in der Türkei vom 28. bis 30. März abzuhalten», teilte der ukrainische Unterhändler David Arachamia mit. Der russische Chefunterhändler Wladimir Medinski bestätigte eine neue Verhandlungsrunde, sprach aber von Dienstag und Mittwoch. 

Laut türkischen Angaben sollen die Verhandlungen in Istanbul stattfinden. Darauf hätten sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Telefonat verständigt, teilte die türkische Präsidentschaft mit. Ein genauer Termin wurde nicht genannt. Erste Verhandlungen auf Ministerebene am 10. März im türkischen Antalya hatten keine konkreten Fortschritte im Bemühen um eine Waffenruhe in der Ukraine gebracht. Seitdem wurden die Gespräche per Videokonferenz fortgesetzt. Beide Konfliktparteien bezeichneten sie zuletzt als «schwierig».

Vergleich mit Nord- und Südkorea

Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes fürchtete unterdessen eine Teilung der Ukraine ähnlich wie bei Nord- und Südkorea. Es gebe «Gründe anzunehmen», dass Putin eine Trennungslinie «schaffen will zwischen den besetzten und den nicht besetzten Gebieten unseres Landes – ein Versuch, Süd- und Nordkorea in der Ukraine zu schaffen», schrieb Kyrylo Budanow auf Facebook. 

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

(AFP/job)

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