Leistungsdruck in China: Doping für chinesische Maturanden
Aktualisiert

Leistungsdruck in ChinaDoping für chinesische Maturanden

Damit sie vor Lernen nicht umkippen, hängen die Schüler am Tropf: Ihnen wird an einer chinesischen Schule in den Prüfungsvorbereitungszeit «mehr Energie» eingetrichtert – intravenös.

von
dga

(Quelle: AP Video)

Über den Köpfen der Gymnasiasten an der Schule Nr. 1 in Xiaogan baumeln dutzende Infusionsbeutel. Sie hängen im Klassenzimmer an Drahtschnüren von der Decke herab. Diese Bilder wurden kürzlich auf Chinas Mikroblogging-Dienst Sina Weibo veröffentlicht.

In die Venen der Schüler tröpfelt Aminosäure, eine Eiweisslösung. Auf diese Weise würden die Schüler in ihrer Prüfungszeit «mit mehr Energie versorgt», berichtet das chinesische Staatsfernsehen über das intravenöse Doping an der Schule in der südostchinesischen Provinz Hubei.

«Wir müssen jeden Morgen früh aufstehen und über Nacht wach bleiben, damit wir uns für die Abschlussprüfung vorbereiten können», sagt ein Schüler gegenüber AP Television im obigen Video. «Dazu werden wir mit Energie versorgt.»

«Um Zeit zu sparen»

Die Bilder sorgen im Land und auf chinesischen Social-Network-Seiten für Kritik am Schulsystem im Reich der Mitte. «Das ist ein Skandal», ärgert sich eine Bewohnerin aus Hubei laut The China Times über das Lerndoping. «Es gibt sicher noch extremere Praktiken, von denen niemand etwas weiss.»

Die Schulleitung liess die Infusionsbeutel direkt ins Klassenzimmer holen, um die Schüler nicht unnötig vom Lernen abzuhalten, heisst es weiter. Sie könnten sich so den Weg von der Schule zum Arzt sparen und diese Zeit ins Lernen investieren.

Vergleichbar mit der Matur entscheidet die jährlich um Juni stattfindende Go Ko-Abschlussprüfung darüber, ob ein Schüler nach der zwölfjährigen Schulerziehung an einer Universität studieren darf.

Das bestehen der Abschlussprüfung wird in China als Karriere-Starter betrachtet. Der Leistungsdruck ist immens: Die Suizidrate unter den Studenten liegt im weltweiten Vergleich deutlich über dem Schnitt.

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