Kosovo-Stars sind sauer – Lugano-Profi Uran Bislimi lehnt Aufgebot ab

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«Nati ein Traum»Kosovo-Stars sind sauer – Doppelbürger Uran Bislimi lehnt Aufgebot ab

Lugano-Mittelfeldspieler Uran Bislimi hat ein Aufgebot für die Nationalmannschaft Kosovos abgelehnt. Ex-FCB-Profi Edon Zhegrova stört sich an diesem Entscheid.

von
Lucas Werder
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Seit dieser Saison spielt Uran Bislimi für den FC Lugano.

Seit dieser Saison spielt Uran Bislimi für den FC Lugano.

Claudio De Capitani/freshfocus
In der laufenden Saison kam er in der Super League sechsmal zum Einsatz.

In der laufenden Saison kam er in der Super League sechsmal zum Einsatz.

IMAGO/Beautiful Sports
Vergangene Saison war der Basler Captain des FC Schaffhausen.

Vergangene Saison war der Basler Captain des FC Schaffhausen.

Martin Meienberger/freshfocus

Darum gehts

  • Erstmals überhaupt wurde Lugano-Profi Uran Bislimi für Kosovo aufgeboten.

  • Der 22-jährige Basler hat aber abgelehnt, weil er den Verband wechseln möchte.

  • Kosovos Nationalspieler Edon Zhegrova hat in einer Instagram-Story seinen Unmut darüber kundgetan.

  • Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in Kosovo.

Albert Bunjaku, Betim Fazliji, Mirlind und Hekuran Kryeziu oder Florent Hadergjonaj – sie alle haben Länderspiele für eine Schweizer Junioren-Nationalmannschaft absolviert, sind später aber für das A-Team Kosovos aufgelaufen. Anders sieht die Lage bei Lugano-Profi Uran Bislimi aus: Der 22-Jährige wurde für die beiden Nations-League-Spiele gegen Nordirland und Zypern erstmals für die Nationalmannschaft Kosovos nominiert – lehnte aber ab.

«Bislimi hat das Aufgebot abgelehnt», erklärte Kosovo-Trainer Alain Giresse am Dienstag. «Er will den Verband wechseln.» Das sei sehr bedauerlich, da Bislimi bislang für die Nachwuchs-Auswahlen Kosovos gespielt habe. Damit liegt Giresse allerdings nicht ganz richtig. Laut «transfermarkt.ch» stand der ehemalige FCB-Junior 2019 zwar einmal im Kader der kosovarischen U-21, kam aber nicht zum Einsatz. Für die Schweizer U-19-Nati dagegen absolvierte der ehemalige Schaffhausen-Captain 2018 ein Länderspiel.

Bislimi begründet Entscheid

«Es war keine Entscheidung gegen den Kosovo, sondern eine für Lugano», sagt Bislimi auf Anfrage von 20 Minuten. «Ich bin froh und stolz auf das Aufgebot der kosovarischen Nationalmannschaft.» Dies würde zeigen, dass er auf dem richtigen Weg sei. «Jedoch liegt aktuell meine Priorität schnellstmöglich beim FC Lugano fuss zu fassen und mich hier zu einem Stammspieler zu entwickeln.»

«Für die Schweizer Nationalmannschaft zu spielen ist sicherlich der Traum eines jeden Fussballers», ergänzt der 22-Jährige Ob er gut genug für die Nati sei, werde sich in Zukunft zeigen. «Sollte ich jemals vor einer solchen Entscheidung stehen, müsste ich auch dann abwägen, was für meine sportliche Karriere am besten ist.»

«Du bist nicht Teil davon»

Der Entscheid hat im kosovarischen Team bereits für Reaktionen gesorgt. «Nur wenn du dieses Land liebst und fühlst, kannst du dafür spielen», schrieb der ehemalige FCB-Profi Edon Zhegrova in einer Story auf Instagram. «Ich brauchte nur zehn Sekunden, um mein Land zu akzeptieren, weil mein Herz dort schlägt. Wenn du dieses Land nicht liebst, bist du nicht Teil davon. Das ist für alle, die denken, sie wären jemand.»

Die Fans nehmen Bislimi den Wechsel weniger übel – was aber vor allem daran liegt, dass dieser in Kosovo gar nicht wirklich bekannt ist. «Im Fall von Edvin Kurtulus oder Andi Zeqiri waren die Reaktionen in Kosovo deutlich heftiger», sagt der kosovarische Fussball-Journalist Arlind Sadiku zu 20 Minuten. Kurtulus war langjähriger Captain der U-21 Kosovos, debütierte in diesem Sommer aber in der A-Nationalmannschaft seines Geburtslandes Schweden.

Zeqiri posierte im Kosovo-Trikot

FCB-Stürmer Andi Zeqiri spielte zwar ausschliesslich für Schweizer U-Nationalmannschaften, posierte im Sommer 2020 auf einem Foto aber im Nationaltrikot Kosovos. Wenig später ruderte der 23-Jährige zurück und entschied sich doch, weiter für die Schweiz aufzulaufen. Im vergangenen September debütierte er schliesslich unter Murat Yakin für die A-Nati. In seinem siebten und bislang letzten Länderspiel erntete Zeqiri im Letzigrund gegen Kosovo (1:1) zahlreiche Pfiffe.

«Diejenigen, die mir nahe stehen, können meine Entscheidung nachvollziehen und verstehen», sagt Bislimi über die Reaktionen zu seinem abgelehnten Aufgebot. «Sie respektieren und unterstützen mich dabei. Mit den Reaktionen aus dem entfernten Umfeld beschäftige ich mich nicht. Wie bereits gesagt, mein Fokus liegt zur Zeit beim FC Lugano.»

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