Aktualisiert 02.11.2011 09:04

Fukushima-GAU

Doppelt so viel Cäsium in der Luft

Weltweit erhobene Messdaten beweisen, dass die Atomlobby und Japans Regierung das Ausmass des Atomunfalls in Fukushima verharmlosen.

von
Urs P. Gasche, infosperber.ch
Radioaktivitäts-Messstation in Iwaki in der Präfektur Fukushima.

Radioaktivitäts-Messstation in Iwaki in der Präfektur Fukushima.

Vom gefährlichen Cäsium-137 ist rund doppelt so viel in die Luft entwichen, wie die Energiekonzerne und die japanische Regierung bisher angegeben haben. Damit ist aus den Reaktoren in Fukushima fast halb so viel Cäsium-137 in die Luft gelangt wie bei der Katastrophe in Tschernobyl. Es handelt sich um die zweitgrösste Freisetzung des radioaktiven Stoffes in der Geschichte der Menschheit. Die Luftmessungen berücksichtigen das Cäsium-137 nicht, welches ins Meer gelangt ist. Forscher schätzen diesen Anteil auf rund 80 Prozent.

Diese neusten Daten hat die Wissenschaftszeitschrift «Nature» veröffentlicht. «Es ist die bisher umfassendste Untersuchung zum Abschätzen der Radioaktivität, die aus den Reaktoren in Fukushima Daiichi entwichen ist», erklärt der Atmosphären-Spezialist Andreas Stohl vom norwegischen Institut für Luftforschung in der Nähe von Oslo, der die Datenauswertung geleitet hat.

Viel Cäsium aus Lagerbecken entwichen

Die Daten stammen von mehreren Dutzend Radioaktivitäts-Messstationen, die über die ganze Erde verteilt sind. Diese Stationen messen normalerweise die Folgen von Atombomben-Tests und kontrollieren, ob die internationalen Verträge über Atomtestverbote eingehalten werden.

Cäsium-137 belastet die Umwelt sehr lange, weil es 30 Jahre dauert, bis seine Radioaktivität auf die Hälfte sinkt und weil es sich in der Nahrung anreichert. Über verseuchte Lebensmittel können gefährliche Cäsiumpartikel in den Körper gelangen, was das Krebsrisiko erhöht. Entgegen den Angaben der japanischen Behörden ist laut der Studie viel Cäsium auch aus den Lagerbecken der abgebrannten Brennstäbe entwichen, weil diese zu spät mit Wasser gefüllt worden seien.

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