Aktualisiert

Doppelte Strafe: CH-Häftlinge müssen zur Schule

Den Schulsack füllen: Das bezweckt ein Pilotprojekt in sechs Haftanstalten der Deutschschweiz. Erstmals sollen Gefangene im Rahmen des Vollzugs Basisunterricht erhalten. Das Projekt startet im Sommer und läuft drei Jahre.

Die Kosten von 5 Millionen Franken trägt die Drosos-Stiftung, wie Felix Föhn, der Projektverantwortliche und Geschäftsführer beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH) Zentralschweiz, einen Bericht von Schweizer Radio DRS vom Mittwoch bestätigte.

Ein Halbtag pro Woche Schule

Der Basisunterricht wird zunächst in den Vollzugsantstalten von Affoltern am Albis ZH, Realta GR, Schöngrün SO, Bitzi SG, Thorberg BE und im Frauengefängnis Hindelbank BE angeboten, sagte Föhn.

In der Pilotphase sollen in jeder der sechs Anstalten vier Lerngruppen zu sechs Personen an einem Halbtag pro Woche unnterrichtet werden. Bisher müssen sich Strafgefangene in ihrer Freizeit bilden.

Grundlegende Kulturfertigkeiten vermitteln

Den Unterricht erteilen Lehrkräfte aus der Realschulstufe, also auf der höheren Stufe der Volksschule. Der Basisunterricht soll individuell auf die Lerndefizite und die Schullaufbahn der Teilnehmenden unterrichtet werden. Lernziel ist die Vermittlung von Kulturfertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Mathematik und weiteres Basiswissen.

Während der Pilotphase entwickelt eine Fachstelle der SAH landesweit anzuwendende Lernmodule, damit Gefangene auch bei einer Verlegung weiter unterrichtet werden können. Der Versuch wird von der Universität Freiburg wissenschaftlich begleitet. Föhn erwartet erstmals landesweite Daten über die Bildungslaufbahn von Strafgefangenen.

Wie Föhn weiter sagte, sucht das SAH die Zusammenarbeit mit den Kantonen. Fernziel sei, dass der Basisunterricht in allen Anstalten des Landes angeboten werde. Die Kantone und Anstalten sollten dann auch die Kosten dafür übernehmen. Im neuen Strafgesetzbuch sei die Bildung als Teil der Resozialisierungsmassnahmen vorgesehen.

Humanitäre Stiftung zahlt

Die Drosos-Stiftung wurde Ende 2003 mit Sitz in Zürich gegründet; seit Anfang 2005 ist sie operationell. Auf ihrer Internet-Seite teilt sie mit, sie stehe am Anfang einer mehrjährigen Aufbauphase.

Die Stiftung verdanke ihre Entstehung einer grosszügigen privaten Initiative. Sie verfüge über ein Stiftungskapital, aus dessen Erträgen sie ihre Aktivitäten finanziere. Die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt; weltanschaulich, politisch und religiös unabhängig.

Stiftungsratsdelegierter und damit Leiter ist Franz von Däniken, von 1999 bis 2004 Staatssekretär im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.