Rheinklingen TG: Dorf wehrt sich gegen «Psycho-Gefängnis»

Aktualisiert

Rheinklingen TGDorf wehrt sich gegen «Psycho-Gefängnis»

In Rheinklingen TG soll ein geschlossenes Wohnheim für 18 psychisch kranke Menschen – darunter ehemalige Straftäter – entstehen. Die Dorfbewohner sind empört.

von
qll
Aus dem Bammatterhaus an der Dorfstrasse in Rheinklingen soll ein geschlossenes Wohnheim entstehen. (Bild: ZVG)

Aus dem Bammatterhaus an der Dorfstrasse in Rheinklingen soll ein geschlossenes Wohnheim entstehen. (Bild: ZVG)

«Ich wohne neben dem Bammatterhaus», sagt ein junger Mann mit einem Säugling im Arm. «Mein Sohn wird bald grösser. Dieses Projekt ist für mich ein Grund wegzuziehen.» Unter dem Namen Occasio soll an der Dorfstrasse im idyllischen Dörfchen Rheinklingen, in dem gerade einmal 61 Erwachsene und 20 Kinder leben, ein geschlossenes Wohnheim für psychisch Kranke und ehemalige Straftäter entstehen.

Die zukünftigen Betreiber und Initianten Stephan Meister, Daniel Krüsi und Michèle Rubli, die zwischen 15 und 22 Jahren Berufserfahrung als Psychatriepfleger haben, stellten am Freitagabend das Projekt der Bevölkerung vor, wie die «Thurgauer Zeitung» berichtete. Den Einwohnern gefällt die Idee nicht. Sie setzen sich vehement gegen das Projekt zur Wehr.

Geschlossenes Heim trifft auf starke Gegenwehr

In dem geplanten Wohnheim sollen 18 Bewohner aufgenommen werden. Die Türen werden rund um die Uhr geschlossen bleiben, weil die Bewohner einen erhöhten Betreuungsbedarf und einen forensischen Hintergrund haben – das heisst, auch psychisch kranke, ehemalige Straftäter werden dort leben. Laut den zukünftigen Betreibern kommen Pädophile und andere Sexualtäter nicht nach Rheinklingen. Ebenso werden sie keine Süchtigen sowie keine psychisch Kranken, die einen Menschen getötet haben, aufnehmen.

Während die Betreiber das geschlossene Heim als Anschlusslösung und Zuhause für ihre Patienten präsentieren, sieht die Bevölkerung darin ein «Psycho-Gefängnis». Sowohl die Dorfbewohner als auch der Gemeinderat sprechen sich gegen das Projekt aus. Am meisten wird kritisiert, dass ein Dörfchen wie Rheinklingen, das nicht einmal einen Bahnhof hat und nicht die nötige Infrastruktur besitzt, um ein solches Wohnheim und die damit verbundenen Risiken tragen zu können. Gemeindeammann Harry Müller sagt es deutlich: «Der Gemeinderat hält den Standort für denkbar ungeeignet und lehnt das Projekt ab.»

Familien wollen wegziehen

Die Bewohner von Rheinklingen sorgen sich vor allem um die Sicherheit ihrer Kinder. Denn falls das Projekt bewilligt werden sollte, werden in dem kleinen Dörfchen fast so viele psychisch Schwerkranke mit womöglich strafrechtlichem Hintergrund im Dorf leben, wie es dort Kinder hat. Auch liegt gegenüber dem geplanten Wohnheim eine Spielgruppe mit Kleinkindern.

Auch der Arzt, Michael Lang, schätzt die Lage im Hinblick auf die Heimbewohner als sehr schwierig ein: «Es kann immer zu einer psychischen Krise kommen, die eine schnelle Krisenintervention notwendig macht», so Lang. «Der Notfallpsychiater braucht aber eine Stunde bis er in Rheinklingen ist.» Seiner Meinung nach ist Rheinklingen der schlechteste Ort, um ein solches Projekt aufzuziehen.

Projekt wird wohl bewilligt

Zwar ist die Bewilligung für das Wohnheim in Rheinklingen noch nicht erteilt, aber sie wird laut Markus Mühlemann, tätig beim Fürsorgeamt des Kantons Thurgau im Ressort Heimwesen, wahrscheinlich erfolgen, wenn die Betreiber alle rechtlichen Auflagen erfüllen. Und es sieht ganz danach aus. Der Kanton sei in dem Fall ans Gesetz gebunden, machte Mühlemann deutlich.

Deine Meinung