Graubünden: Dorf zahlt vier Franken für Maulwurf-Pfoten
Aktualisiert

GraubündenDorf zahlt vier Franken für Maulwurf-Pfoten

Der Gemeinde Schluein sind Maulwürfe ein Dorn im Auge: Wer sie fängt und tötet, erhält eine Belohnung. Wildtierschutz Schweiz findet, so werde der Ruf des Maulwurfs ruiniert.

von
vro

«Wir verstehen nicht ganz, warum diese veraltete Ansicht immer noch in den Köpfen von einigen Beamten herumgeistert.» Marion Theus, Präsidentin des Vereins Wildtierschutz Schweiz, ist entsetzt. Die Bündner Gemeinde Schluein hat in ihrem Amtsblatt und auf der Internetseite dazu aufgerufen, Maulwürfe zu fangen und zu töten. Die Vorderpfoten eines auf Gemeindeboden gefangenen Tieres genügen, um eine Belohnung von vier Franken zu erhalten. Diese «Tötungsaktion gegen Bezahlung» stösst Theus sauer auf, zumal der Maulwurf noch immer als Schädling bezeichnet werde, schreibt das «Bündner Tagblatt».

Sie fordert die Gemeinde deshalb auf, «die Aktion noch einmal zu überdenken». Dass der Maulwurf Graswurzeln fresse und deshalb Wiesen schädige, sei ein Irrglaube. Im Gegenteil: Der Maulwurf sei ein nützliches Tier, das den Bestand an Engerlingen, Wühlmäusen und Käferlarven im natürlichen Gleichgewicht halte. Ausserdem durchlüfte er die Erde und mache sie fruchtbarer, so Theus.

Nicht so leicht zu fangen

Sorgen bereiten die Tiere insbesondere den Bauern. «Die Erdhaufen schädigen Sensen und Mähmaschinen, und was noch schlimmer ist: Die Erde gelangt ins Heu und in die Siloballen und verunreinigt das Futter für das Vieh», sagt Marco Simonet, Ansprechpartner bei der Gemeinde, zur Zeitung.

Ausserdem hätten vor allem Kinder schon vor 70 oder 80 Jahren Taschengeld verdient, indem sie beim Fangen von Maulwürfen geholfen haben. «Heute hat das Interesse bei den Kindern nachgelassen, und vielen Erwachsenen ist der Aufwand zu gross», sagt Simonet.

Denn das Fangen der Tiere sei einfacher gesagt als getan: «Die Fallen sollten am Morgen ausgelegt und am Abend kontrolliert werden», erklärt Ernst Gabriel, ein erfahrener Maulwurffänger, dem «Bündner Tagblatt». Ansonsten könne es sein, dass andere Tiere den Maulwurf mitsamt Falle stibitzen.

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