Aktualisiert 14.11.2011 13:46

Fragwürdige DelikatesseDorfbewohner schlachten 750 Orang-Utans ab

Innerhalb eines Jahres sind auf der Insel Borneo 750 Menschenaffen getötet worden. Die vom Aussterben bedrohten Tiere wurden auch wegen ihres Fleisches gejagt. Die Behörden zweifeln an der Zahl.

Dorfbewohner auf der indonesischen Seite der Insel Borneo haben binnen eines Jahres 750 Orang-Utans getötet. Das geht aus einem neuen Untersuchungsbericht hervor, den die Zeitschrift «PLoSOne» am Montag veröffentlichte. Ein Teil der vom Aussterben bedrohten Menschenaffen sei getötet worden, um Pflanzungen zu schützen. Andere wurden wegen ihres Fleisches gejagt.

In Indonesien leben 90 Prozent der verbliebenen 50 000 bis 60 000 Orang-Utans. Der Inselstaat war noch bis vor 50 Jahren von dichten Regenwäldern bedeckt. Die Hälfte der Bäume ist aber seitdem abgeholzt worden, um den Weltmarkt mit Bauholz, Zellstoff, Papier und neuerdings Palmöl zu versorgen. In der Folge geraten immer mehr Affen in den für sie oft tödlichen Konflikt mit Menschen.

Jagd auch fernab von Pflanzungen

Erik Meijard, einer der Autoren des Berichts, hob jedoch hervor: «Unsere Untersuchungen zeigen auch, dass Orang-Utans tief in bewaldeten Regionen genau wie andere Arten gejagt werden.»

Die nicht staatliche international arbeitende Organisation Nature Conservancy und 19 weitere private Organisationen, darunter der WWF und die Vereinigung indonesischer Primatenforscher, forschten gemeinsam, um die Ursachen der Jagd auf Orang-Utans zu ergründen. Für die Untersuchung wurden knapp 7000 Personen in drei Provinzen von Kalimantan, der indonesischen Seite Borneos, befragt. Indonesien teilt sich Borneo mit Malaysia und Brunei.

Nicht täglich auf dem Menüplan

Neil Makinuddin, einer der Manager von Nature Conservancy, zeigte sich überrascht darüber, wie viele der Befragten angeben, sie hätten die Primaten getötet, um ihr Fleisch zu essen. Ein Teil wurde verzehrt, nachdem man sie wegen des Schutzes von Pflanzungen getötet hatte. Ein anderer Teil wurde aus Angst getötet und ein dritter auf der Jagd nach Fleisch, wie der Bericht zeigt.

Diejenigen, die die Affen wegen ihres Fleisches gejagt hatten, gaben überwiegend an, sie hätten dies nur ein bis zweimal in ihrem Leben getan. «Orang-Utans sind nicht Bestandteil ihres täglichen Speiseplans», sagte Meijard.

Behörden glauben Forschern nicht

Ahmad Fauzi Masyhud, der Sprecher des indonesischen Forstministeriums, sagte, seinem Büro liege der Bericht noch nicht vor. Er bezeichnete ihn aber bereits als «aufgeblasen». «Wir müssen nachprüfen, ob das stimmt», sagte er. «Aber ehrlich gesagt, ich bezweifle es.»

Forscher Meijard versicherte, sie hätten verlässliche wissenschaftliche Methoden angewandt. «Selbst wenn wir annehmen, dass die meisten der Befragten logen, müssen wir davon ausgehen, dass die Jagd auf Orang-Utans eine unbequeme Wahrheit ist, mit der wir uns beschäftigen müssen, wenn wir die Art erhalten wollen.» Er habe viel zu viele Orang-Utan-Schädel, Felle und abgeschlagene Hände gesehen und viel zu viele Berichte aus erster Hand von Leuten gehört, die die Affen getötet und gegessen hätten, als dass er annehmen könnte, dass das nicht geschehe. (dapd)

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