Doris Leuthard: Nur ein Skandal kann ihre Wahl verhindern
Aktualisiert

Doris Leuthard: Nur ein Skandal kann ihre Wahl verhindern

Nachdem CVP-Präsidentin Doris Leuthard ihre Kandidatur für die Nachfolge von Joseph Deiss im Bundesrat bekannt gegeben hat, gilt die Aargauer Nationalrätin so gut wie gewählt. Nur ein politisches Erdbeben könnte ihren Einzug in die Landesregierung noch verhindern.

Sämtliche Parteien haben ihre Zustimmung signalisiert. Auch in den Schweizer Zeitungen erntet die Kandidatin viel Lob.

Leuthard gab am Dienstag im Bundeshaus ihre Kandidatur bekannt. Parteiintern dürfte der 43-Jährigen kaum Konkurrenz erwachsen. Denn die Fraktionsleitung schlägt der CVP-Bundeshausdelegation eine Einerkandidatur vor, wie Fraktionschef Urs Schwaller sagte. Es wäre dies die erste Einerkandidatur seit Christiane Brunner im Jahr 1993.

Dass ein anderer CVP-Vertreter mit Leuthard um dieses Einerticket kämpft, scheint unwahrscheinlich. Der Fraktionsvorstand steht jedenfalls hinter der Aargauerin, wie Schwaller betonte. Leuthard vermöge zu begeistern und sei äusserst kompetent.

Auch die übrigen Bundesratsparteien legen sich nicht quer: SP- Fraktionschefin Hildegard Fässler und SVP-Fraktionschef Caspar Baader erklärten übereinstimmend, Leuthards Kandidatur nicht hintertreiben zu wollen. FDP-Vizefraktionschef Didier Burkhalter sprach von einer erwarteten, guten Lösung.

Lauwarme Zustimmung

Trotz der allgemeinen Zustimmung - überschäumende Freude löst Leuthards Kandidatur nicht aus. «Die SP wird Doris Leuthard ohne Begeisterung wählen», sagte Fässler. Wie Baader stösst sie sich daran, dass Leuthards Positionen nicht in allen Belangen klar seien.

Burkhalter hingegen sieht die Aargauerin auf derselben Linie wie die FDP. Ruth Genner, Präsidentin der Grünen, freute sich über die Kandidatur einer Frau der neuen Generation. Für den Fall einer Wahl müsse Leuthard aber ihr politisches Blickfeld erweitern.

SP, SVP und Grüne wollen die CVP-Präsidentin zu Hearings einladen. Bei den Freisinnigen hat man darüber noch nicht entschieden. Burkhalter kann sich jedoch vorstellen, dass Leuthard zu einem kurzen Gespräch eingeladen wird.

CVP Aargau nominiert am Freitag

Die CVP Aargau wird Leuthard am kommenden Freitag in ihrem Wohnort Merenschwand zur Kandidatin küren. Die Frist für weitere Kandidaturen aus den Kantonen läuft bis zum 15. Mai.

Die Fraktion berät am 19. und 20. Mai sowie endgültig am 6. Juni über ihren Vorschlag zu Handen der Bundesversammlung. Am 14. Juni wolle die CVP-Fraktion der Bundesversammlung ihre Einerkandidatur unterbreiten, sagte Schwaller.

Leuthard: Schwierige Ausgangslage

Doris Leuthard sagte am Dienstag, sie habe sich in einer schwierigen Ausgangslage befunden. Der Entscheid zu kandidieren, sei nicht einfach gewesen, nicht zuletzt auch wegen der Partei und der Nachfolge im Parteipräsidium. Die CVP sei aber «tiptop» organisiert und weise viele gute Kräfte auf, welche diese Partei künftig leiten könnten.

Der Freiburger Ständerat und Fraktionschef Urs Schwaller, einer der möglichen Anwärter für das CVP-Präsidium, hielt sich am Dienstag bedeckt. Vor den Bundeshausmedien wollte er in dieser Frage nicht Stellung beziehen. Gegenüber Radio DRS sagte er, die Partei sei nicht sein Weg.

Die Nationalräte Dominique de Buman (FR) und Lucrezia Meier- Schatz (SG) sagten gegenüber Radio DRS, es sei zu früh, um sich in dieser Frage zu äussern. De Buman hatte indes zuvor in der Westschweizer Presse bereits Interesse bekundet. Ständerat Bruno Frick (SZ) winkte ab.

Deine Meinung