Champions League: Dortmund im Pech - Bayer dank Derdiyok im Glück
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Champions LeagueDortmund im Pech - Bayer dank Derdiyok im Glück

Borussia Dortmund wird in London von Arsenals Goalgetter Robin van Persie abgeschossen. Derweil sichert sich Bayer Leverkusen mit einem Last-Minute-Sieg gegen Chelsea die Achtelfinal-Quali.

Gruppe E: Leverkusen erspart sich Nervenkrieg

Bayer Leverkusen hat sich vorzeitig für die Achtelfinals qualifiziert. Gegen Chelsea drehte der Bundesliga-Vertreter unter anderem dank dem Schweizer Internationalen Eren Derdiyok einen 0:1-Rückstand in ein 2:1. Das Siegtor fiel in der Nachspielzeit. Wie schon bei der letzten Champions-League-Teilnahme vor sieben Jahren führte die makellose Heimbilanz mit drei Siegen die Leverkusener in die erste K.o.-Runde. Im abschliessenden Spiel in Genk geht es für das Team von Robin Dutt nur noch darum, ob es die Gruppe E auf dem ersten oder zweiten Rang abschliessen wird. Um den zweiten Platz balgen sich Chelsea und Valencia, das beim 7:0 gegen das masslos überforderte Genk den ex-aequo zweithöchsten Sieg der Champions-League-Geschichte einfuhr. Chelsea stand in den letzten acht Jahren stets in den Top 16.

Friedrichs Last-Minute-Treffer

Manuel Friedrich, zuvor eher ein Unsicherheitsfaktor als zuverlässiger Innenverteidiger, sorgte in der ausverkauften BayArena für stürmischen Jubel. Der Abwehrspieler köpfelte in der 91. Minute einen Eckball unhaltbar zum 2:1 ein und krönte damit die massive Leistungssteigerung der Leverkusener nach der Pause. Die resultatmässige Wende hatte Eren Derdiyok eingeleitet. In der 71. Minute eingewechselt benötigte der Basler Stürmer nur gerade 90 Sekunden, um mit der allerersten Ballberührung das 1:1 zu erzielen. Er täuschte eine Ballannahme an, die folgende Flanke verwertete Derdiyok (aus leicht offsideverdächtiger Position) per Kopf ohne Probleme. Chelseas Goalie Petr Cech war chancenlos.

Streller ist stolz auf den FCB

Herausragende, aber glücklose Figur war bis dahin Michael Ballack gewesen. Der Captain mit der schwarzen Maske trat gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber dominant auf, ein Tor blieb ihm aber vergönnt. Cech rettete in der 58. nach einem Fallrückzieher und in der folgenden Aktion nach einem scharfen Volley bravourös. Auf der Gegenseite hatte Leverkusens Verteidigung Didier Drogba in der ersten Halbzeit mit vereinten Kräften im Griff gehabt. In der ersten Aktion nach der Pause war der Ivorer dann aber nicht mehr zu halten. Er manövrierte im Strafraum mit einer Körperdrehung beide Bayer-Innenverteidiger aufs Mal aus und schob zum 1:0 ein.

Valencia - Genk: Soldados Show beim Rekordsieg

Valencia gegen Genk verkam von Beginn weg zu einer höchst einseitigen Angelegenheit. Nachdem der Brasilianer Jonas das Skore eröffnet hatte, übernahm Roberto Soldado als Unterhalter. Innerhalb von 26 Minuten (13. bis 39.) stellte der nicht zu stoppende Captain, der in den letzten 26 Spielen 25 Mal getroffen hat, auf 4:0. Damit gelang dem 26-jährigen Stürmer, der im Aufgebot des spanischen Nationalteams in den allermeisten Fällen fehlt, als zweitem Spieler der Champions-League-Saison ein reiner Hattrick. Selbiges hatte zuvor Bayern Münchens Mario Gomez beim 3:2 gegen Napoli geschafft und sogar sogar noch eine Minute weniger benötigt als Valencias neuer Topskorer. Für Valencia resultierte gegen die inferioren Belgier am Ende der höchste Sieg seit 1978 und der höchste überhaupt im Europacup.

Gruppe F: Dortmund hilft nur noch ein Wunder

Arsenal spielt im kommenden Frühjahr zum zwölften Mal in Folge um den Champions-League-Sieg. Die Londoner stehen durch das 2:1 gegen Dortmund als erster Achtelfinalist der Gruppe F fest. Dem BVB hilft nur noch ein Wunder. Durch die Niederlage im Emirates und dem gleichzeitigen 1:0-Sieg von Olympiakos Piräus in Marseille kann der deutsche Meister das Weiterkommen nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Er muss am 6. Dezember Marseille 4:0 schlagen und gleichzeitig darauf hoffen, dass Olympiakos gegen Arsenal nicht punktet. Nach dem brillianten Meisterschaftsauftritt in München muss die Niederlage gegen Arsenal als Rückschritt gewertet werden. Auch wenn Dortmund gute und berechtigte Ausreden hat(te).

Das junge Team von Jürgen Klopp hatte das Messer schon vor Anpfiff in London am Hals. Es wusste, dass bei einer Niederlage selbst das Überwintern in der Europa League in Gefahr geraten könnte. Die Ausgangslage für den BVB erschwerte sich aber schon früh in der ersten Halbzeit um weitere Komponenten. Mit Sven Bender und insbesondere dem hoch talentierten Mario Götze fielen innerhalb von wenigen Minuten zwei tragende Elemente verletzt aus. Diese Fakten wirkten sich auf das zuvor mutige Spiel des deutschen Meisters aus. Nach stürmischem und viel versprechendem Beginn folgten erkennbare Schwächephasen.

Van Persie trifft abermals

Einen Torgaranten wie Robin van Persie hat der BVB nicht in seinen Reihen. Der Holländer zeigte sich einmal mehr gnadenlos - und zum x-ten Mal treffsicher. In den letzten fünf Meisterschaftspartien hat der Captain der «Gunners» zehn Tore erzielt, die Jahresbilanz mit 35 Treffern las sich schon vor Kickoff prima. Gestern feierte Van Persie zwei weitere Erfolgserlebnisse. In der 49. Minute schloss er nach einem unfassbaren Dribbling von Alex Song per Kopf zum 1:0 ab, vier Minuten vor Schluss nahm er mit einem Direktschuss den Dortmundern das letzte Fünkchen Hoffnung auf wenigstens einen Punkt. Kagawas Anschlusstor mit der letzten Aktion erfolgte zu spät.

Gruppe H: Barça gewinnt Prestigeduell

Titelverteidiger Barcelona gewann in der Gruppe H das Prestigeduell gegen die AC Milan 3:2 und kann von den Italienern nach diesem Auswärtserfolg nicht mehr von Platz 1 in der Tabelle verdrängt werden. Lionel Messi war einmal mehr nicht zu stoppen. Im Prestigeduell um den Gruppensieg schonten sich die beiden Kontrahenten erst in der Schlussphase. Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte alle Hände zu tun in einer Partie, die durch den persönlichen Zwist zwischen Milans Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic und Barcelona-Coach Pep Guardiola noch zusätzlich angeheizt worden war. Sieben Verwarnungen musste der Unparteiische aussprechen, obwohl beide Mannschaften bereits für die Achtelfinals qualifiziert waren. Spektakulärer waren jedoch die fünf Treffer, einer schöner, als der andere.

Messi glänzte einmal mehr

Bester Spieler auf dem Platz war einmal mehr Lionel Messi mit zwei Assists und dem Penaltytreffer zum 2:1. Endlich hat der torgefährliche Argentinier nun auch gegen eine italienische Mannschaf getroffen. Bestnoten verdiente sich auch Xavi Hernandez: Beim Eigentor von Mark van Bommel wäre er unmittelbar hinter dem Holländer zur Stelle gewesen, um den Ball zum 1:0 ins Netz zu schieben. In der 29. Minute wurde der Spanier von Alberto Aquilani im Strafraum gefoult, Messi verwandelte danach den fälligen Foulpenalty gleich zweimal, nachdem er beim ersten Versuch den Schuss zu lange verzögert hatte. Und beim 3:2 war die Reihe wieder an Xavi Hernandez, der einen brillanten Laserpass Messis mit dem Aussenrist verwertete.

Nicht weniger genial war jedoch auch der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer von Kevin-Prince Boateng kurz nach der Pause zum 2:2 gewesen. Der Ghanaer spielte den Ball mit einem cleveren Hackentrick an der gegnerischen Abwehr vorbei und jagte ihn kurzentschlossen und unhaltbar in die nahe Ecke. Trotz der Niederlage war es auch für Ibrahimovic ein gelungener Abend geworden: Der schwedische Internationale hatte nach 20 Minuten und einem schönen Zuspiel von Clarence Seedorf zum 1:1 ausgeglichen. Ein Treffer, der ihn wohl deutlich mehr gefreut haben dürfte, als viele der 26 vorangegangenen in der Champions League.

BATE - Pilsen: Tschechischer Auswärtssieg

Viktoria Pilsen steht derweil so gut wie sicher in den Sechzehntelfinals der Europa League. Die Tschechen gewannen auswärts gegen BATE Borissow 1:0 und liegen dank dem Siegestreffer von Marek Bakos (42.) vor der letzten Runde zwei Punkte vor den Weissrussen. Borissow müsste sein letztes Spiel in Barcelona gewinnen, um wieder an Pilsen vorbei und in die Europa League ziehen zu können.

Telegramme Gruppe E:

Bayer Leverkusen - Chelsea 2:1 (0:0)

BayArena. - 30'201 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kassai (Un).

Tore: 48. Drogba 0:1. 73. Derdiyok 1:1. 91. Friedrich 2:1.

Bayer Leverkusen: Leno; Schwaab (57. Schürrle), Friedrich, Toprak, Kadlec (71. Derdiyok); Lars Bender, Rolfes; Castro, Ballack, Sam; Kiessling (83. Oczipka).

Chelsea: Cech; Ivanovic, Terry, David Luiz (69. Alex), Bosingwa; Lampard, Meireles (80. Mikel), Ramires; Sturridge, Juan Mata (66. Malouda); Drogba.

Bemerkungen: Leverkusen ohne Adler, Balitsch, Barnetta, Bellarabi und Renato Augusto, Chelsea ohne Cole, Essien, Ferreira (alle verletzt), Anelka (nicht im Aufgebot) und Lukaku (nicht spielberechtigt). Roger Federer unter den Zuschauern. 100. Europacup-Spiel von Michael Ballack. Verwarnungen: 36. Kiessling (Reklamieren). 40. Kadlec (Hands). 44. Ballack (Reklamieren). 55. Ivanovic (Foul). 72. Meireles (Hands).

Valencia - Genk 7:0 (4:0)

Mestalla. - SR Chapron (Fr).

Tore: 10. Jonas 1:0. 13. Soldado 2:0. 36. Soldado 3:0. 39. Soldado 4:0. 68. Hernandez 5:0. 70. Aduriz 6:0. 81. Costa 7:0.

Champions League Gruppe E

Telegramme Gruppe F:

Arsenal - Borussia Dortmund 2:1 (0:0)

Emirates Stadium. - 59'531 Zuschauer. - SR De Bleeckere (Be).

Tore: 49. Van Persie 1:0. 86. Van Persie 2:0. 92. Kagawa 2:1.

Arsenal: Szczesny; Koscielny (83. Djourou), Mertesacker, Vermaelen, Santos; Song, Ramsey, Arteta; Walcott (85. Diaby), Van Persie, Gervinho (74. Benayoun).

Dortmund: Weidenfeller; Piszczek, Santana, Hummels, Schmelzer; Sven Bender (25. Leitner), Kehl (64. Barrios); Götze (28. Perisic), Kagawa, Grosskreutz; Lewandowski.

Bemerkungen: Arsenal ohne Gibbs, Jenkinson, Rosicky, Sagna und Wilshere, Dortmund ohne Subotic (alle verletzt). Verwarnungen: 53. Schmelzer (Foul/im letzten Spiel gesperrt). 63. Walcott (Unsportlichkeit). 73. Ramsey (Foul). 78. Benayoun (Foul).

Marseille - Olympiakos Piräus 0:1 (0:0)

Vélodrome. - SR Rizzoli (It).

Tor: 82. Fetfatzidis 0:1.

Champions League Gruppe F

Telegramme Gruppe H:

AC Milan - FC Barcelona 2:3 (1:2)

San Siro. - 80'000 Zuschauer. - SR Stark (De).

Tore: 14. van Bommel (Eigentor) 0:1. 20. Ibrahimovic 1:1. 31. Messi (Foulpenalty) 1:2. 54. Boateng 2:2. 63. Xavi Hernandez 2:3.

AC Milan: Abbiati; Abate, Nesta (66. Bonera), Thiago Silva, Zambrotta; Aquilani, van Bommel (72. Nocerino), Seedorf; Boateng; Robinho (46. Pato), Ibrahimovic.

FC Barcelona: Victor Valdes; Puyol, Mascherano, Busquets, Abidal; Keita; Xavi Hernandez, Fàbregas, Thiago Alcantara; Messi, Villa (68. Alexis Sanchez).

Bemerkungen: Milan ohne Cassano, Gattuso, Mexès und Flamini (alle verletzt). Barcelona ohne Iniesta, Adriano und Afellay (alle verletzt).23. Lattenschuss Messi. 31. Messi muss erfolgreich verwerteten Foulpenalty wegen zu langer Schussverzögerung wiederholen.

Verwarnungen: 24. Aquilani (Foul), 30. Nesta (Reklamieren), 31. Messi (Unsportlichkeit), 34. van Bommel (Foul), 43. Puyol (Foul), 45. Abidal (Foul), 85. Mascherano (Foul).

BATE Borissow - Viktoria Pilsen 0:1 (0:1)

Dynamo-Stadion, Minsk. - 26'520 Zuschauer. - SR Blom (Ho).

Tor: 42. Bakos 0:1.

1. FC Barcelona * 5 4 1 0 16 : 4 13

2. AC Milan * 5 2 2 1 9 : 6 8

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3. Viktoria Pilsen 5 1 1 3 2 : 9 4

4. BATE Borissow 5 0 2 3 2 : 10 2

* = in den Achtelfinals

(si)

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