Mögliche Zinssenkung verpufft: Dow-Jones verliert nochmals fünf Prozent

Aktualisiert

Mögliche Zinssenkung verpufftDow-Jones verliert nochmals fünf Prozent

Im Sog der Finanztitel haben die US-Börsen ihre Talfahrt fortgesetzt. Ungewöhnliche Finanzhilfen der US-Notenbank Fed konnten die Sorgen der Händler um die US-Wirtschaft nicht zerstreuen. Auch ein Signal von Fed-Chef Ben Bernanke für eine Zinssenkung brachte keine Erleichterung.

Da Bernanke aber vor immer grösseren Konjunkturrisiken warnte, bauten die Börsenbarometer ihre Verluste noch deutlich aus. Besonders kräftig abgestraft wurde der Branchenriese Bank of America, der mit einem drastischen Gewinnrückgang als unliebsamer Vorbote der Bilanzsaison galt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte pendelte im Handelsverlauf zwischen einem Hoch von 10.124 und einem Tief von 9436 Punkten. Er schloss mit einem Minus von 5,1 Prozent bei 9447 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab 5,7 Prozent auf 996 Zähler nach.

Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um 5,8 Prozent auf 1754 Stellen. Der Dax baute zum Ende des Xetra-Handels seinen gut siebenprozentigen Vortagesverlust um 1,1 Prozent auf 5326,63 Punkte aus.

Negativrekorde

Die US-Indizes stellten neue Negativrekorde auf: Der Dow Jones verlor in den vergangenen fünf Handelstagen mehr als 1400 Punkte. Das ist soviel wie noch nie in einer vergleichbaren Zeitspanne.

Der S&P verlor in derselben Zeit 14,6 Prozent an Wert, soviel in fünf Tagen wie seit dem Börsencrash von 1987 nicht mehr. Zum ersten Mal seit September 2003 notierte er zudem unter der Marke von 1000 Punkten.

Bernanke sagte, die Fed müsse abwägen, ob die gegenwärtige Haltung der Geldpolitik angemessen bleibe. Der Ausblick für das US- Wachstum habe sich verschlechtert und der Inflationsausblick verbessert. Börsianer sind mittlerweile fest davon überzeugt, dass die Fed spätestens bei ihrer Sitzung am Monatsende die Zinsen senkt.

Die Fed will zudem künftig auch sogenannte Commercial Papers, unbesicherte kurzfristige Anleihen, kaufen. Die Papiere gelten als Mitauslöser der aktuellen Turbulenzen, ihre Märkte sind inzwischen weitgehend zusammengebrochen.

Der jüngste Schritt der US-Notenbank zur Liquiditätsversorgung der kriselnden Geldmärkte ist dramatisch, da Zentralbanken normalerweise nur gut besicherte Wertpapiere akzeptieren.

Davon profitierten zunächst Industrieriesen wie Caterpillar, 3M und der Mischkonzern General Electric, aber auch sie notierten später drastisch im Minus. Caterpillar verloren 3,8 Prozent auf 47,33 Dollar , 3M gaben 4,8 Prozent auf 59,97 Dollar nach und GE sanken um 5,1 Prozent auf 20,30 Dollar.

«Mir gefällt diese Commercial-Paper-Initiative der Fed», sagte Marc Pado von AT Cantor Fitzgerald in San Francisco. Aber die Märkte wollten gemeinsame Anstrengungen der Zentralbanken sehen.

Eingebrochen

Die Aktien von Bank of America brachen um mehr als 26 Prozent auf 23,77 Dollar ein. Die Geschäfte der grössten US-Bank wurden von der Kreditkrise noch stärker in Mitleidenschaft gezogen als befürchtet. Das Institut teilte zwei Wochen früher als erwartet mit, dass sein Gewinn im dritten Quartal um 68 Prozent auf 1,18 Milliarden Dollar geschrumpft ist.

«Die Anleger machen sich wirklich darauf gefasst, dass das dritte Quartal enttäuschend ausfällt und die Prognosen für das vierte Quartal extrem enttäuschend sein werden», sagte Fred Dickson von D.A. Davidson. Nach Börsenschluss in den USA legte der Aluminiumhersteller Alcoa seine Quartalszahlen vor. Alcoa-Papiere lagen zuvor 7,7 Prozent im Minus.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,7 Milliarden Aktien den Besitzer. 385 Werte legten zu, 2815 gaben nach und 43 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von rund 2,8 Milliarden Aktien 434 Titel im Plus, 2370 im Minus und 85 unverändert.

Die zehnjährigen Staatsanleihen gaben im späten Handel auf 104- 02/32 Punkte nach. Sie rentierten mit 3,5065 Prozent. Die 30- jährigen Bonds verloren auf 108-03/32 Zähler. Dabei ergab sich eine Rendite von 4,0283 Prozent.

(sda)

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