23.04.2017 09:14

Musik und FilmeDownload-Piraterie boomt trotz Spotify und Netflix

Ob Spotify oder Netflix, für wenig Geld lassen sich Inhalte heute streamen. Dennoch bleiben illegale Downloads weit verbreitet, wie eine Studie zeigt.

von
K. Wolfensberger
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Seit Jahren befindet sich die Musik-Industrie im Niedergang. Grund sind Websites wie The Pirate Bay.

Seit Jahren befindet sich die Musik-Industrie im Niedergang. Grund sind Websites wie The Pirate Bay.

Marc Femenia
Diese haben zu einer Kultur geführt, in der das Runterladen von Online-Inhalten von vielen Personen als normal wahrgenommen wird.

Diese haben zu einer Kultur geführt, in der das Runterladen von Online-Inhalten von vielen Personen als normal wahrgenommen wird.

epa/Fredrik Persson
Dass dies rechtlich durchaus nicht so ist, zeigte, dass sich Gottfrid Svartholm Warg and Peter Sunde von The Pirate Bay schon vor Gericht verantworten mussten.

Dass dies rechtlich durchaus nicht so ist, zeigte, dass sich Gottfrid Svartholm Warg and Peter Sunde von The Pirate Bay schon vor Gericht verantworten mussten.

epa/Fredrik Persson

Die Musik-Industrie ist im Niedergang, die illegale Weiterverbreitung von Songs im Internet hat der Branche die Gewinne wegbrechen lassen. Eine Trendwende versprach sich die Industrie vom Aufkommen von Streaming-Diensten wie Apple Music oder Spotify. Gleiches gilt auch für die Filmbranche, sie hoffte auf einen Aufschwung dank Portalen wie Netflix.

Dieser ist tatsächlich eingetreten. Allerdings viel weniger stark als erhofft, wie Auswertungen des Portals Statista zeigen. In der Analyse werden Daten aus 13 verschiedenen Ländern betrachtet, darunter Deutschland, Frankreich oder die USA. Das Resultat: Nach wie vor nutzt ein Drittel der Befragten online Angebote, die gegen Markenrechte der Musik- oder Filmindustrie verstossen.

Hoher Anteil bei Jugendlichen

Besonders hoch ist dieser Anteil bei Konsumenten zwischen 16 und 24 Jahren. 55 Prozent dieser Altersgruppe nutzen illegale Angebote im Netz. Bei den 15- bis 34-Jährigen waren es 45 Prozent. Im Gegensatz dazu sind es bei den 55- bis 64-Jährigen nur 20 Prozent (siehe Grafik).

Für die Schweiz wurden keine Daten erhoben. Doch dürften die Werte hier eher noch höher liegen. Im Gegensatz zum Ausland ist das Streamen oder der Download von Musik oder Filmen für den Privatgebrauch nämlich nicht verboten – auch wenn er beispielsweise von der Plattform The Pirate Bay stammt.

Beliebt ist vor allem Streamripping

Das Portal gehört selbst aber auch zu den Verlierern, denn das Runterladen von Dateien über klassische Peer-to-Peer-Plattformen im Internet nimmt ab. Deutlich verbreiteter ist inzwischen auch bei der Piraterie sogenanntes Streamripping.

Bei diesem Prozess lassen Nutzer ein File von einer Streaming- oder Video-Plattform direkt in eine Datei umwandeln. Beispiele für diese Praxis sind Websites, die helfen, ein Youtube-Video in eine MP3-Datei zu konvertieren.

Auch für Youtube ist diese neue Praxis ein Ärgernis. Wie eine US-Umfrage zeigt, nutzen 82 Prozent der Youtube-Nutzer die Plattform, um Musik zu hören. Viele davon nutzen dabei auch Streamripping und verstossen so oft gegen Markenrechte.

Preis für Jugendliche hoch

Doch wieso bleiben Downloads trotz günstiger Angebote wie Netflix überhaupt beliebt? Laut Experten spielt gerade bei Jugendlichen der Preis weiter eine Rolle. Für einen 16-Jährigen sind 15 Franken pro Monat für ein Netflix-Abo viel Geld.

Im Filmbereich spielt auch die zeitliche Verfügbarkeit der legalen Angebote eine Rolle. Wird eine neue Episode einer Serie in den USA ausgestrahlt, ist diese oft auf der Schweizer Netflix-Site noch nicht erhältlich. Serienjunkies greifen dann auf Downloads zurück, um auf dem neusten Stand zu bleiben.

Eine moralische Frage

Wie Florence Clerc, die Geschäftsführerin von Stop Piracy Schweiz, zu 20 Minuten sagt, gibt es diesbezüglich bei Schweizern auch kaum oder nur wenig Unrechtsbewusstsein. Laut Studien glaubt die Hälfte von ihnen, sie würden keinen Schaden anrichten, wenn sie gelegentlich Inhalte aus dem Netz herunterladen.

Diesem Problem solle man am besten mit verstärkter Aufklärung begegnen, so Clerc weiter. Man müsse den Nutzern klarmachen, dass die Piraterie für die Künstler finanzielle Einbussen bedeutet. «Man bedient sich ihrer Werke, ohne sie für die Arbeit zu entschädigen.» Und weiter: «Ob dieses Verhalten gegenüber den Künstlern fair ist, ist keine rechtliche, sondern eine moralische Frage, die jeder Nutzer für sich selbst beantworten muss.»

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