Aktualisiert 18.05.2005 10:53

«Dr. Death» soll 100 Patienten getötet haben

Nach einem ähnlichen Fall in Grossbritannien soll auch in Australien ein «Dr. Death» sein Unwesen getrieben haben.

Ein aus Indien stammender Arzt wird verdächtigt, im Staat Queensland mehr als 100 Patienten getötet oder schwer verletzt zu haben. Trotz vorheriger Disziplinarverfahren in den USA hatte er dort eine Approbation erhalten. In der kommenden Woche nimmt eine Ermittlungskommission Untersuchungen gegen den Chirurgen auf.

Der Mann arbeitete seit 2003 zunächst als Chirurg und später als Chefarzt der Chirurgie in der Bundaberg-Klinik in Queensland. Kürzlich tauchten die ersten Anschuldigungen von Kollegen auf, die ihn mit dem Tod oder schweren Verletzungen von Patienten in Verbindung brachten. Der Arzt, den die australischen Medien «Dr. Death» (»Doktor Tod») nennen, verliess kurz darauf das Land. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

Laut einem Bericht der Gesundheitsbehörden von Queensland starben 110 der insgesamt 1.202 Patienten des Mannes oder mussten zur weiteren Behandlung in andere Krankenhäuser gebracht werden. Aus einem Anhang zu dem am Dienstag veröffentlichten Bericht, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt, geht hervor, dass 30 der Patienten in der Bundaberg-Klinik starben. 35 weitere starben nach ihrer Entlassung und vier in anderen Krankenhäusern. Über die Todesursachen wurden keine Angaben gemacht.

Der Fall kam ins Rollen, als im März dieses Jahres eine Krankenschwester erste Vorwürfe gegen den Chirurgen erhob, und zwar im Zusammenhang mit der Behandlung von 14 Patienten. Darunter war ein Mann, der schweren Brustverletzungen erlag, nachdem der verdächtige Arzt eine Verlegung in eine grössere Klinik in Brisbane abgelehnt hatte.

Vor seinem Umzug nach Australien arbeitete der mutmassliche «Dr. Death» zwölf Jahre in der Kaiser-Permanente-Klinik im US-Staat Oregon sowie in Krankenhäusern in Rochester und Buffalo im Staat New York. Im September 2000 schränkten die Gesundheitsbehörden von Oregon seine Zulassung ein und verboten ihm bestimmte chirurgische Eingriffe, unter anderem an Leber und Bauchspeicheldrüse. Er wurde ausserdem angewiesen, in komplizierten Fällen eine zweite Meinung einzuholen.

Die Behörden in New York forderten den Chirurgen später auf, seine Zulassung freiwillig zurückzugeben und warfen ihm grobe Fahrlässigkeit in mehreren Fällen vor. Der Arzt kam der Aufforderung im April 2001 nach und bewarb sich dann um eine Lizenz in Australien. Nach Angaben der Behörden in Queensland erklärte er, dass gegen ihn noch nie ein Disziplinarverfahren gelaufen sei.

Die Untersuchungskommission soll nun klären, wie es dazu kommen konnte, dass der Mann trotz seiner Vorgeschichte eine Approbation in Australien erhielt. Ausserdem soll das Ausmass der mutmasslichen Verbrechen aufgedeckt werden. Anschliessend wird das Gremium eine Empfehlung über mögliche weitere Ermittlungen gegen den Arzt abgeben. (dapd)

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