EZB-Leitzins: Draghi wagt sich noch nicht aus der Deckung
Aktualisiert

EZB-LeitzinsDraghi wagt sich noch nicht aus der Deckung

Die Europäische Zentralbank EZB lässt den Leitzins unverändert. Doch die EZB und ihr Chef Mario Draghi sind aufgrund der drohenden Deflationsgefahr weiter gefordert.

von
Yves Hollenstein
Kündigte keine neuen Massnahmen an: EZB-Präsident Mario Draghi.

Kündigte keine neuen Massnahmen an: EZB-Präsident Mario Draghi.

Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank EZB, lässt sich von der sehr niedrigen Inflation im Euroraum nicht beeindrucken. «Es gibt derzeit wenig Auf- oder Abwärtsrisiken für den Preisausblick, und diese sind weitgehend ausgewogen», betonte Draghi an der Pressekonferenz zum jüngsten Zinsbeschluss. Gleichzeitig machte er aber klar, dass die EZB für alle möglichen Interventionen bereit sei.

Die Inflation im Euroraum war zuletzt mit 0,7 Prozent so niedrig, dass die EZB-Prognose für 2014 von 1,1 Prozent nur noch schwer erreichbar sein dürfte. Deshalb hatten manche Beobachter spekuliert, dass Draghi nun weitere – auch unkonventionelle – Massnahmen zur Bekämpfung der Eurokrise einleiten werde. Aber dazu kam es nicht. Der EZB-Rat beschloss, die Zinsen auf Rekordtief zu belassen.

Weitere Lockerung möglich

«Da hatten viele Marktteilnehmer mehr erwartet», sagt UBS-Ökonom Ricardo Garcia-Schildknecht. Was nicht ist, kann aber noch werden. Garcia-Schildknecht hält es für sehr gut möglich, dass die EZB an einer ihrer nächsten Ratssitzungen trotzdem noch an der Zinsschraube drehen wird. «Wenn, dann muss sie dies aber innerhalb der nächsten zwei Monate tun.» Hat die Inflation in der Eurozone erst ihren Tiefpunkt erreicht, sei es dafür bereits zu spät.

Anastassios Frangulidis, Chefökonom der ZKB, glaubt sogar fest an weitere Schritte der EZB: «Bereits im März oder April wird die EZB gezwungen sein zu handeln.» Er geht davon aus, dass Draghi neben einer möglichen Zinssenkung vor allem eine weitere geldpolitische Lockerung wie beispielsweise den Kauf von Firmenanleihen ankündigen wird.

Nächste Sitzung entscheidend

Hat Draghi am Donnerstag den Ball bewusst tief gehalten? Laut seinen Aussagen deuten aktuelle Konjunkturdaten eher darauf hin, dass die Krisenländer wieder wettbewerbsfähiger werden. Für Frangulidis ist das nur eine vorübergehende Erscheinung: «Unternehmen aus Portugal, Griechenland oder Zypern haben weiterhin grosse Mühe, sich am Markt frisches Kapital zu beschaffen.»

An der nächsten EZB-Sitzung Anfang März wird die EZB ihre neusten Wachstums- und Inflationsprognosen präsentieren. Gut möglich, dass Draghi dann diese Aussagen korrigieren muss. Die Entscheidungen würden also in der nächsten oder übernächsten Sitzung der EZB getroffen, sagt Frangulidis.

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