Aktualisiert 21.07.2005 01:51

Drahtzieher von London in Pakistan verhaftet

Rund zwei Wochen nach den Londoner Terroranschlägen ist offenbar einer der Hintermänner in Pakistan gefasst worden: «Wir haben einen wichtigen Mann in unserem Gewahrsam», sagte ein hoher Geheimdienstoffizier in Lahore.

Die Nachrichtenlage bezüglich der Festnahme des mutmasslichen Drahtziehers der Anschläge von London präsentiert sich unklar. Am Morgen teilte der pakistanische Geheimdienst mit, man hätte einen Hauptverdächtigen verhaftet. Stunden später folgte das Dementi des offiziellen Pakistan.

Fest steht, dass in Pakistan ausgedehnte Razzien stattfanden und dass Verhaftungen vorgenommen wurden.

Der Geheimdienst bekräftigt, einer der Festgenommenen stehe «in einer direkten Verbindung zu den Londoner Anschlägen». Die Verhaftung dieses Mannes habe zu weiteren Festnahmen geführt. Der britische Premierminister Tony Blair plante derweil die Einberufung einer internationale Konferenz zum Kampf gegen islamistischen Extremismus.

Nach pakistanischen Angaben wurden bei Razzien in Wohnungen, Moscheen und islamischen Seminaren in der Hafenstadt Karachi und der umliegenden Provinz Sindh Dutzende Personen festgenommen, die möglicherweise in Kontakt zu den vier Attentätern von London standen. Diese waren nach bisherigen Ermittlungen Briten pakistanischer Abstammung. Unter den in Karachi festgenommenen Personen sind zwei führende Mitglieder der Organisationen Jamaat-e-Islami und der verbotenen Sipah-e-Sahaba.

Im Mittelpunkt der geplanten Anti-Terror-Konferenz soll laut Blair die Gefahr der Verbreitung von radikalem Gedankengut an Religionsschulen stehen. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf habe sein Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. 26 Länder seien bislang von Al Kaida oder mit ihr verbundenen Gruppen angegriffen worden, fügte Blair hinzu. Seinem Sprecher zufolge stehen ein Datum und ein Ort für die Konferenz noch nicht fest, doch stehe man im Kontakt mit Dutzenden Regierungen.

Britische Muslime warnten im Gespräch mit Innenminister Charles Clarke, die islamische Gemeinschaft in Grossbritannien könne nicht allein gegen den Extremismus vorgehen. Das Problem habe sich im Laufe einer Generation ergeben, «und ich fürchte, es wird eine Generation dauern, es zu lösen», sagte der Abgeordnete Sadiq Khan. Die Muslime forderten zudem, die Motive der Londoner Attentäter müssten analysiert werden. Mangelnde Ausbildung, hohe Arbeitslosigkeit und fehlende soziale Integration sowie die britische Irak-Politik hätten bei vielen muslimischen Jugendlichen Enttäuschung ausgelöst.

Im Rahmen neuer Anti-Terror-Gesetze will das Innenministerium eine Datenbank einrichten, in der Angaben zu Extremisten aus aller Welt gespeichert werden sollen. In der Liste aufgeführte Personen fielen unter eine automatische Sicherheitsüberprüfung, die Einreise könne ihnen verwehrt werden, hiess es.

Die britische Polizei identifizierte inzwischen alle 56 Toten der Terroranschläge, wie Innenminister Charles Clarke am Mittwoch im Unterhaus erklärte. Im U-Bahn-Bahnhof Edgware Road wurde einer der bei den Anschlägen zerstörten Wagen von den Schienen gehoben. Die Londoner U-Bahn will den Betrieb auf dieser Strecke bis zum 2. August wieder aufnehmen.

(dapd)

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