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Drama in der Harz: Mit «Eigenkonstruktion» vergiftet

Der Fall des tot aufgefundenen Ehepaares in Westerhausen gilt als weitgehend aufgeklärt. Die Eltern von vier Kindern starben an Kohlenmonoxid-Vergiftung, ausgelöst durch einen verbotenen Umbau der Heizung.

Der 33-jährige Familienvater hatte die Ölheizung in eine mit Propangas betriebene «Eigenkonstruktion» verändert, wie der Sprecher der Polizei Halberstadt, Peter Pogunke, der AP sagte. Bei Verbrennungen entsteht das geruchslose Kohlenmonoxid. Die vier am vergangenen Dienstag geretteten Kinder waren auch am Sonntag noch im Krankenhaus.

Die Ermittler wollen die Untersuchungsergebnisse am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz in Halberstadt veröffentlichen. Das Elternpaar wurde im Schlafzimmer im ersten Stock des 100 Jahre alten Hauses tot aufgefunden. Die Frau lag im Bett, ihr Mann neben dem Bett auf dem Fussboden. Sie starben nach Polizeiangaben wahrscheinlich am Montag.

Wegen der heruntergelassenen Rollläden kam keine frische Luft hinein. Daher wurde die Konzentration des Kohlenmonoxids offenbar so stark, dass die Eheleute zunächst ohnmächtig wurden und dann starben. «Wäre Luftzirkulation dagewesen, wäre es nicht passiert», sagte Pogunke.

Tödliche Dosis Kohlenmonoxid

Die Kinder - zwei Mädchen und zwei Jungen im Alter zwischen acht und 13 Jahren - dachten, die Eltern würden nur schlafen und hielten sich im Erdgeschoss auf und hatten auch draussen gespielt, wie Pogunke erklärte. Damit atmeten sie keine tödliche Dosis Kohlenmonoxid ein. Lebensgefährlich verletzt wurde nur der 13-jährige, älteste Sohn. Die Kinder hatten sich übergeben müssen, was den Verdacht zunächst auf mögliches Gift in Apfelsaft oder Keksen lenkte.

Die Ermittler waren zunächst von einer anderen Vergiftung und einer Selbsttötungsabsicht ausgegangen. Bei der Obduktion wurde jedoch die tödliche Kohlenmonoxid-Konzentration von 60 Prozent im Blut festgestellt. Dass sich Gift im Apfelsaft befand, glauben die Ermittler nicht mehr.

Der Polizeisprecher sagte, Angehörige und Nachbarn hielten einen Freitod des Ehepaars für höchst unwahrscheinlich. Es sei eine intakte Familie gewesen. Dass die Krankenkassenkarten der Kinder sowie die Karte des Kinderarztes auf dem Küchentisch lagen, war zunächst als Indiz für eine Selbsttötung angesehen worden. (dapd)

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