Dramatische Szenen bei Stürmung der Schule
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Dramatische Szenen bei Stürmung der Schule

Russische Spezialkräfte sprengten ein Loch in die Aussenwand der Schule von Beslan. Damit sollte den Geiseln die Flucht aus dem Gebäude erleichtert werden. In der chaotischen Situation sollen mehrere Extremisten entkommen sein, darunter offenbar auch Frauen mit Sprengstoffgürteln.

Das Geiseldrama in Beslan hat offenbar ein blutiges Ende gefunden. Russische Spezialeinheiten stürmten die Schule in Nordossetien am Freitag und brachten das Gebäude unter ihre Kontrolle. Zuvor war einer Gruppe von rund 30 Frauen und Kindern die Flucht gelungen und mehrere Explosionen hatten das Schulgelände erschüttert, wie Nachrichtenagenturen berichteten. Bei der Erstürmung des Gebäudes wurden ITAR-Tass zufolge fünf Terroristen getötet, etwa 200 Geiseln wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht.

Die Geiselnehmer hätten wahllos auf Kinder geschossen, die aus dem Schulgebäude flüchteten, berichtete Interfax. Alle Geiseln hätten mittlerweile in Sicherheit gebracht werden können.

In der chaotischen Situation sollen mehrere Extremisten entkommen sein, darunter offenbar auch Frauen mit Sprengstoffgürteln. Sie hatten möglicherweise noch Geiseln in ihrer Gewalt. Einige der Terroristen flüchteten in eine Wohngegend, wie Interfax berichtete. Sie seien von Soldaten umstellt.

Die russischen Spezialkräfte sprengten laut ITAR-Tass ein Loch in die Aussenwand der Schule, um den Geiseln die Flucht aus dem Gebäude zu erleichtern. Das russische Fernsehen zeigte, wie Schulkinder in Unterwäsche vom Gebäude wegrannten oder weggetragen wurden. Im Schulhof waren verletzte Kinder zu sehen.

Medien berichteten, die Geiselnehmer versuchten zu fliehen und gerieten daraufhin unter den Beschuss der Sicherheitskräfte. Nach etwa 45 Minuten endeten die Schüsse.

Vor der Flucht der ersten Gruppe Geiseln waren im Bereich der Schule zwei heftige Explosionen zu hören. Kurz darauf stürzte Interfax zufolge das Dach des Gebäudes ein, bewaffnete Extremisten eröffneten das Feuer. Schwer bewaffnete Soldaten rannten auf das Gebäude zu. Nachdem eine dritte Explosion die Gegend erschüttert hatte, schwebten auch drei Hubschrauber über dem Schulgelände. Bereits in der Nacht waren zwei Explosionen zu hören gewesen. Behördenangaben zufolge hatten die Geiselnehmer zwei Granaten gezündet.

Wie viele Geiseln sich noch in der Schule befanden, war zunächst unklar: Während Behörden von insgesamt rund 350 Geiseln gesprochen hatten, berichtete eine freigelassene Lehrerin in der Zeitung «Iswestia» von mehr als 1.500 Gefangenen.

Unklarheit herrschte ausserdem darüber, wie viele Menschen bis Freitagmorgen von den Geiselnehmern getötet wurden. In offiziellen Berichten war zwischen zwölf und 16 Todesopfern die Rede. Ein örtlicher Abgeordneter erklärte dagegen, 20 erwachsene Männer seien willkürlich ausgewählt und gezielt getötet worden. Quellen für diese Information nannte er nicht.

Bundesaussenminister Joschka Fischer verurteilte die Geiselnahme als «abscheuliches Verbrechen». Er könne sich «keinen Grund vorstellen, der es rechtfertigen würde, Kinder, Kleinstkinder, Babys, ihre Mütter zu Geiseln zu nehmen», sagte Fischer am Rande eines Treffens der EU-Aussenminister am Freitag in Valkenburg bei Maastricht.

Die Geiselnehmer hielten auf dem Schulgelände in Beslan in Nordossetien seit Mittwochmorgen hunderte Kinder, Eltern und Lehrer fest. Sie hatten damit gedroht, die Schule in die Luft zu sprengen, sollten die Geiseln gewaltsam befreit werden.

(sda)

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