Drastische Zinssenkung in den USA
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Drastische Zinssenkung in den USA

Mit der grössten Zinssenkung in der jüngeren Geschichte hat die US-Notenbank auf die weltweiten Kursstürze an den Aktienmärkten reagiert. Die Fed senkte den wichtigsten Leitzins am Dienstag um gleich 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent - und schliesst weitere Senkungen nicht aus.

Die überraschende Entscheidung kam nach einem Krisentelefonat der Fed-Verantwortlichen am Montagabend zustande und fiel mit 8 gegen 1 Stimmen. In einer kurzen Erklärung begründete die Notenbank ihren Schritt mit dem eingetrübten Konjunkturausblick und der gestiegenen Gefahr eines Wirtschaftsabschwungs.

Die Entscheidung kam eine Stunde vor Handelsbeginn an der Wall Street. Der Dax drehte zunächst ins Plus, lag am Nachmittag aber schon wieder mit 2 Prozent im Minus.

Die Finanzmärkte hatten eher mit einer Zinssenkung bei der turnusmässigen Fed-Sitzung in der nächsten Woche gerechnet. Die Notenbank hoffte, nach dem Absturz der internationalen Aktienmärkte am Montag und - in Asien - auch am Dienstag die Kurse an der Wall Street stabilisieren zu können. Die New Yorker Börse war am Montag wegen eines Feiertags geschlossen.

Die Europäische Zentralbank reagierte dagegen zunächst abwartend. EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark verwies am Morgen im Deutschlandfunk darauf, dass die Zentralbank «ein eindeutiges Mandat» habe: Sie «hat nach dem EG-Vertrag und nach ihren Statuten das Mandat, prioritär Preisstabilität zu gewährleisten, und augenblicklich haben wir es mit einer relativ hohen Inflationsrate von über drei Prozent zu tun». Die EZB werde diese genau beobachten «und entsprechend handeln».

Den Einbruch an den Aktienmärkten bezeichnete Stark als «Korrektur». Ende des Quartals werde man ein klares Bild von den Verlusten der Banken haben, sagte Stark: «Es mag zwar hart klingen, aber ich sage noch einmal: Diejenigen, die riskante Investitionen getätigt haben, müssen die Konsequenzen ihres Verhaltens dann auch tragen.» (dapd)

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