Zusätzliche Unterkünfte des Bundes: Drastischer Anstieg bei Asylgesuchen
Aktualisiert

Zusätzliche Unterkünfte des BundesDrastischer Anstieg bei Asylgesuchen

Die Zahl der Asylbewerber steigt in der Schweiz weiter drastisch an. Bis Ende Jahr erwartet der Direktor des Bundesamtes für Migration, Eduard Gnesa, rund 13 000 Asylbewerber, 3000 mehr als letztes Jahr. Der Bund will deshalb zwei Notunterkünfte aufmachen, um Druck von den Kantonen wegzunehmen.

Von einem Asylnotstand will das BFM bislang nicht sprechen. Wie Eduard Gnesa, Direktor des Bundesamts für Migration (BFM), aber am Freitag im «Tagesgespräch» von Radio DRS sagte, spürt die Schweiz seit Juni/Juli allerdings einen «ziemlichen Asylgesuchanstieg», der insbesondere von Lampedusa, Griechenland, komme, wo sich eine dramatische Situation mit toten und gestrandeten Flüchtlingen, vor allem aus Eritrea, Somalia und Nigeria, abspiele.

1300 Gesuche allein im Juli

Während, wie bereits berichtet, im ersten Halbjahr 5945 Menschen in der Schweiz um Asyl ersucht haben, rund 6,3 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode, hat sich der Trend laut Gnesa im August weiter verschärft. Allein im vergangenen Monat hätten 1600 Flüchtlinge in der Schweiz um Asyl nachgefragt, wobei vor allem von Bürgern aus Sri Lanka, Somalia, Nigeria, Eritrea und dem Irak mehr Gesuche eingereicht worden seien.

In den Vorjahren lag die Zahl der Asylanträge im August jeweils zwischen 800 bis 1000. Da laut Gnesa auch diesen Spätsommer und Herbst noch mehr Flüchtlinge in die Schweiz kommen werden, rechnet der Bund bis Ende Jahr mit 13 000 statt 10 000 Asylgesuchen, also etwa 3000 mehr als im letzten Jahr. Dies entspricht einer Zunahme um zehn bis 13 Prozent gegenüber den Vorjahren.

Engpässe in kantonalen Unterkünften

In einzelnen Kantonen gibt es laut Gnesa bereits jetzt Engpässe bei der Unterbringung der Flüchtlinge. Von einer Krise könne jedoch bislang nicht gesprochen werden. Trotzdem wird laut Gnesa nächste Woche ein Treffen mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und den kantonalen Justiz- und Sozialdirektoren stattfinden, um die Situation zu besprechen. Wie Gnesa im «Tagesgespräch» weiter bekannt gab, wird der Bund «bewusst zwei seiner Notunterkünfte aufmachen, um den Kantonen Druck wegzunehmen».

Weiter sind laut Gnesa verschiedene inner-und ausserstaatliche Massnahmen geplant, um den Anstieg der Asylbewerber einzudämmen. «Wir können nicht alle Grenzen kontrollieren, das ist schlicht nicht möglich», betonte Gnesa. Das Grenzwachtkorps sei sich aber der Situation bewusst, dass 45 Prozent der Asylbewerber, meist illegal, über die Südgrenze in die Schweiz kommen, und werde entsprechende Massnahmen treffen. So wird das Grenzwachtkorps an der Südgrenze vermehrt auch Zugskontrollen durchführen. Noch effizienter werden sollte laut Gnesa auch die Kontrolle der EU-Aussengrenze. (dapd)

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