Aktualisiert

Drastisches Sicherheitsleck beim Bund

Wie spürt die Schweiz Drogentransporte auf? Wo werden Blanko-Visa gelagert? Und wie lauten die Geheimcodes für Ein- und Ausreise in den Schengenraum? Das konnte man wochenlang auf der Homepage des Bundes nachlesen.

Die Geheimschutz-Panne überschattet den bevorstehenden Start der Schweiz im europäi­schen Fahndungsverbund Schengen. Das Justiz- und Polizeidepartement(EJPD) von Bundesrätin Eveline Widmer Schlumpf ­publizierte auf seiner Homepage ein in der EU als vertraulich klassifiziertes Dokument, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Der drei Wochen lang abrufbar gewesene 128-seitige Bericht macht detaillierte Angaben zum Kampf gegen Hehlerbanden, Drogenschmuggler und Schlepper.

Wegen dieser Panne hatten Kriminelle und Saboteure Einblick ins Schweizer Sicherheitssystem. Denn im versehentlich publizierten Report wird detailreich beschrieben, wie die Schweizer Grenzbehörden Drogentransporteure aufspüren und wie Blanko-Visa transportiert und gelagert werden. Das Papier macht auch Angaben zu den zwei geheimen Zugangspunkten zum Schengener Informationssystem (SIS).

Anfang Woche sprach die «SonntagsZeitung» das Justizministe­rium auf den Report an. Danach handelten die Verantwortlichen blitzartig. Informatiker entfernten das Dokument von der Bundes-Website. Abklärungen hatten ergeben: Das Papier hätte streng vertraulich behandelt werden müssen. Stattdessen wurde es Mitte April auf die Homepage des EJPD und des Bundesamts für Migration (BFM) geladen.

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