Spengler Cup: Dream Team Canada und mehr Sonderklasse
Aktualisiert

Spengler CupDream Team Canada und mehr Sonderklasse

Von der NHL-Zwangspause profitiert der Spengler-Cup wie kein zweiter Hockey-Event. Das Team Canada reist zur 86. Ausgabe in aussergewöhnlicher Besetzung an.

Während Jahrzehnten träumten die Veranstalter des prestigeträchtigsten Klub-Turniers von der Teilnahme einer Organisation aus der National Hockey League. Nun präsentiert sich in Davos ab nächstem Mittwoch ausnahmsweise tatsächlich eine Auswahl mit NHL-Format. Bestückt ist das spektakulärste Team Canada seit den Winterspielen in Vancouver mit Olympiasiegern, Weltmeistern und vier Stanley-Cup-Siegern.

«Hockey Canada» hat für den Spengler-Cup 13 vom Lockout betroffene Professionals aufgeboten, die auf einen Erfahrungsschatz von 4736 NHL-Spielen zurückgreifen können. Ergänzt wird das Star-Ensemble der beiden Coaches Doug Shedden und Chris McSorley mit zwölf permanent in der NLA engagierten Kanadiern. Prominenter war der elffache Turniersieger in den letzten 28 Jahren im Kurort nie besetzt.

Ryan Smyth führt die nordamerikanischen Multi-Millionäre an. Die Ikone der Edmonton Oilers ist in seiner Heimat auch als «Captain Canada» bekannt; zweimal führte der 36-Jährige das Nationalteam mit dem «C» auf dem Shirt zu WM-Gold. 18 Saisons hat der Stürmer in der weltbesten Liga gespielt und gehört im wichtigsten Hockey-Business zur obersten Preisklasse.

Tyler Seguin, Patrice Bergeron, Jason Spezza und John Tavares, die bis zur Einigung im bereits monatelangen NHL-Tarifstreit in der Schweizer Meisterschaft für erstklassige Unterhaltung sorgen, beteiligen sich ebenfalls an der knapp einwöchigen Starparade. Statt um den Stanley-Cup spielen sie erstmals gegen Davos, Mannheim, Ufa und Vitkovice um den Spengler-Cup.

«Wenn ich mir so die Kaderliste anschaue, denke ich, das wir mit einem ziemlich guten Team am Start sein werden.» Edmontons Keeper Devan Dubnyk hielt sich in der «Toronto Sun» vornehm zurück. Ihm ist klar, dass er ab dem 26. Dezember Teil einer Gruppe ist, die in seiner Heimat auf respektable Beachtung stossen wird. Wegen der stillgelegten NHL sind dem Dream Team Canada trotz der U20-WM in Ufa die Schlagzeilen gewiss - zumal die TV-Station «TSN» sämtliche Spiele der «Selects» live überträgt.

Ablenkung vom tristen Alltag

Für den Titelhalter Davos steht nicht der 16. Erfolg im Vordergrund, sondern die Luftveränderung. Ein bisschen Show-Time dürfte nach dem zermürbenden Kampf am NLA-Trennstrich guttun. Der HCD nimmt quasi ein Timeout vom eher tristen Alltag. Vor vollen Rängen und mit dem vorübergehenden Support der prominenten Gastspieler Brunner, Diaz (beide EVZ) und Kane (Biel) sind einzelne Exploits nicht auszuschliessen.

«Für die Zuschauer wird das diesjährige Turnier ein festlicher Genuss!», ist Arno Del Curto überzeugt. Der NHL-Gourmet freut sich auf den Vergleich mit den nordamerikanischen Super-Stars. Wohl nie zuvor seit seinem Wechsel zum HCD (1996) ist er in der Altjahreswoche einer kanadischen Mannschaft mit mehr Glamour-Faktor begegnet. Der Hockey-Zampano glüht: «Stellen Sie sich vor, Messi und Cristiano Ronaldo würden plötzlich in unserer Liga aufkreuzen. Wahnsinn!»

Kreis und die intensive HCD-Schule

Nach dreijähriger Absenz kehren die Adler aus Mannheim nach Davos zurück - und mit ihnen der frühere HCD-Assistent Harold Kreis als Chefcoach. Der Deutsch-Kanadier hat in Mannheim innerhalb von 24 Monaten die Scherben zusammengekehrt und ein Top-Team geformt. Vor seiner Ankunft war der DEL-Topklub in eine Sinnkrise gestürzt. Kreis nahm erhebliche personelle Eingriffe vor. Satte Spieler mit Star-Status-Gehabe entfernte er rigoros.

«Es kam zu einem Umbruch. Wir haben ein Team zusammengestellt, das das alte Adler-Feeling wieder ausgelöst hat. Die Fans erkennen uns wieder», freut sich Kreis über die Rückkehr zur Vernunft. Zusammen mit Manager Teal Fowler und Gesellschafter Daniel Hopp - sein Vater Dietmar ist der Boss des «Sport-Konglomerats» Hoffenheim (Fussball), Rhein-Neckar (Handball) und Adler - vertritt er seine Philosophie konsequent: «Zuerst kommt die Arbeit, dann erst das Talent.»

Kreis ist mit seiner Strategie bisher gut gefahren. Im letzten Frühling kamen die Adler erst in den letzten beiden Partien der Saison von der Idealfluglinie ab. Gegen die Eisbären verspielten sich mehrere Matchpucks und in Berlin kurz vor Schluss eine 5:2-Führung. «Wir waren als Zweite die ersten Verlierer. Es fühlte sich an wie ein Schock. Aber das gehört wohl zum Lernprozess.»

Seine ganz persönliche Fortbildung hat Kreis schon länger hinter sich. Vor rund zehn Jahren assistierte er an der Seite von Arno Del Curto: «Für mich war das eine sehr kostbare Zeit. Ich lernte die Intensität und Hockey-Kultur von Arno kennen. Davos ist der Ausgangspunkt meiner Trainer-Karriere.» Die Bündner Schule tat ihm gut. 2006 stieg er in Lugano mitten im Playoff an der Bande zur Nummer 1 auf und führte die Bianconeri zum Gewinn der Meisterschaft. Zwei Jahre später coachte Kreis den ZSC zum Titel.

In der Schweiz geniesst der Adler-Stratege einen erstklassigen Ruf. Entsprechend hohe Ziele formuliert der Coach des DEL-Leaders im Hinblick auf den Spengler-Cup. «Für uns ist allein die Einladung eine Ehre. Wir reisen bestimmt nicht nach Davos, weil wir nichts Besseres zu tun haben.» Die lange Absenzenliste (bis zu sechs Professionals fehlen womöglich verletzt) ändert an Kreis' Einstellung nichts: «Wir wollen diesen Pott gewinnen!»

Fribourgs Jubiläums-Höhepunkt

Vom Gastspiel Gottérons ist bedeutend mehr zu erwarten als von den «Party-Flyers» aus Kloten im letzten Winter. Die Westschweizer haben sich aktiv um eine Einladung bemüht. Im Zuge der Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen des Klubs will Fribourg seinen zweiten Auftritt nach dem punktelosen Abstecher 1992 positiver gestalten. In der osteuropäisch geprägten Torriani-Gruppe mit Ufa und Vitkovice bildet der souveräne NLA-Leader den womöglich spannenden Kontrastpunkt.

Hans Kossmann steht ein Team mit einem für nationale Verhältnisse wunderbaren Offensiv-Potenzial zur Verfügung. Jede Linie verfügt über potenzielle Topskorer. Angereichert wird das teure Ensemble für die mehrtägige Exhibition im Bündnerland nun noch mit vier NHL-Professionals: Maxime Talbot (Philadelphia), Patric Hörnqvist (Nashville), Cory Schneider (Vancouver) und Bruno Gervais (Philadelphia) vergrössern Gottérons Chance auf einen Coup erheblich.

Salawat steht für KHL-Klasse

Julajew will die bemerkenswerte Serie der Vertreter aus der «Kontinental Hockey League» fortsetzen. Seit 2007 erreichten die KHL-Teams von Ufa, Dynamo Moskau, Dynamo Minsk, SKA St. Petersburg sowie und Riga das Endspiel - dreimal setzten sich die Equipen aus dem Land des aktuellen Weltmeisters durch. Mit den «grünen Männchen» von Salawat ist auch beim 86. Spengler-Cup auf höchstem Level zu rechnen. Slawa Bykow, der Ufa 2011 zum ersten KHL-Triumph führte, mittlerweile aber nicht mehr im Amt ist, zählt seine Landsleute trotz eines Teamumbaus zu den Favoriten: «Die Mannschaft wurde etwas verjüngt und ist noch auf der Suche nach dem Rhythmus. Aber das spektakuläre Team passt gut zum Spengler-Cup, wo eher ein offensiver Stil gefragt ist.»

Vitkovice wieder stabiler

Gar nicht im Sinne von Vitkovices Klub-Führung ist das erste Saisondrittel verlaufen. Im November setzten die «Steels» den Slowenen Peter Oremus in der sportlichen Not als neuen Trainer ein. Unter ihm hat sich die Equipe um den früheren Weltmeister Michal Barinka (ex Fribourg) im hinteren Mittelfeld der Tabelle einigermassen stabilisiert. Der Playoff-Finalist der Jahre 2010 und 2011 dürfte kaum in der Lage sein, Dukla Jihlava als letzten tschechischen Spengler-Cup-Sieger (1982!) abzulösen. (si)

86. Spengler-Cup in Davos Gruppe Torriani: Fribourg-Gottéron, Salawat Ufa, HC Vitkovice.

86. Spengler-Cup in Davos Gruppe Torriani: Fribourg-Gottéron, Salawat Ufa, HC Vitkovice.

Gruppe Cattini: Team Canada, Adler Mannheim, HC Davos.

Spielplan Mittwoch, 26. Dezember 2012, 15 Uhr: Fribourg - Ufa (Spiel 1). 20.15 Uhr: Team Canada - Mannheim (2).

Spielplan Mittwoch, 26. Dezember 2012, 15 Uhr: Fribourg - Ufa (Spiel 1). 20.15 Uhr: Team Canada - Mannheim (2).

27. Dezember, 15 Uhr: Vitkovice - Verlierer Spiel 1. 20.15 Uhr: Davos - Verlierer Spiel 2.

28. Dezember, 15 Uhr: Sieger Spiel 1 - Vitkovice. 20.15 Uhr: Sieger Spiel 2 - Davos.

Pre-Semifinals. 29. Dezember, 15 Uhr: Gruppen-Zweiter Torriani - Gruppen-Dritter Cattini (Spiel 7). 20.15 Uhr: Gruppen-Zweiter Cattini - Gruppen-Dritter Torriani (8).

Halbfinals. 30. Dezember, 15 Uhr: Gruppen-Sieger Cattini - Sieger Spiel 7. 20.15 Uhr: Gruppen-Sieger Torriani - Sieger Spiel 8.

31. Dezember, 12 Uhr: Final.

Deine Meinung