Dreck in der Luft auf Rekordwert
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Dreck in der Luft auf Rekordwert

Oben blau unten grau. Diese seit Tagen anhaltende Wetterlage in der Schweiz hat gravierende Auswirkungen auf die Luftqualität. Die Feinstaubbelastung überschreitet den Grenzwert um das Dreifache.

Die Feinstaubbelastung in der Schweiz hat am Samstag neue Rekordwerte erreicht. An zehn von 13 Messstationen wird der Grenzwert überschritten - in Bern, Zürich und am Autobahnkreuz Härkingen SO gar um das Zweieinhalb- bis Dreifache.

Am höchsten ist die Belastung in der Stadt Bern, wie den am Samstagmittag aktualisierten Zahlen des Bundesamts für Umwelt (Bafu) im Internet zu entnehmen ist. Die Feinstaubbelastung lag dort im Mittel der letzten 24 Stunden bei 133 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der Tagesmittel-Grenzwert liegt bei 50 µg/m3.

Am Autobahnkreuz Härkingen SO liegt die Konzentration momentan bei 124 µg/m3, in der Stadt Zürich bei 118 µg/m3 und in Lausanne bei 110 µg/m3. Unter dem Grenzwert liegt die Belastung nur gerade in Lugano und an zwei Messstationen über 1000 Meter über Meer.

Seit Tagen über Grenzwert

In den übermässig belasteten Gebieten liegt die Feinstaubbelastung nun zum Teil bereits seit zehn Tagen ununterbrochen über dem Grenzwert. In den letzten zwei, drei Tagen nahm die Konzentration vielerorts nochmals deutlich zu.

Grund für die hohen Werte ist die winterliche Inversionslage des Wetters. Die kalte Luft liegt unten, die warme oben - ein Luftaustausch findet kaum statt. Solche Inversionslagen können im Schweizer Mittelland begünstigt durch die Nebeldecke im Winter über Tage oder Wochen andauern.

Als Feinstaub werden Partikel wie Russ oder Abrieb mit einem Durchmesser von bis zu zehn Mikrometern (PM 10) bezeichnet. Wichtigste Emissionsquellen sind Verkehr, Industrie, Baustellen, land- und forstwirtschaftliche Maschinen und Heizungen.

Bund trifft Massnahmen

Die Partikel dringen über die Atemwege in die Lunge ein und verbreiten sich von dort im Körper. Die Folgen sind Husten und andere Atemwegserkrankungen, aber auch Herzkreislauf-Beschwerden und Lungenkrebs. Laut Bafu sterben in der Schweiz jährlich mehr als 3700 Personen frühzeitig wegen Luftverschmutzung, die meisten wegen Feinstaub.

Aufgrund der alarmierend hohen Belastung wird der Bund nun aktiv: Am Montag wird Bundespräsident und Umweltminister Moritz Leuenberger ein Massnahmenpaket vorstellen, mit dem die schädlichen Auswirkungen von Feinstaub-Emissionen begrenzt werden sollen.

Neu ist die übermässige Feinstaubbelastung allerdings nicht: Seit der Beginn der Messreihen im Jahr 1997 wurde in den Städten Jahr für Jahr an 30 bis 80 Tagen der Grenzwert überschritten. Gemäss Luftreinhalteverordnung dürfte dies nur an einem Tag pro Jahr der Fall sein.

(sda)

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